LeBron James steht mit den Los Angeles Lakers in den NBA-Finals. Der 35-Jährige straft wieder einmal alle Kritiker Lügen - und der Triumph über die Heat wäre ein ganz Besonderer für "King James".

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Es sind beeindruckende Zahlen, die Basketball-Superstar LeBron James vorweisen kann. In neun der vergangenen zehn NBA-Finals war der 35-Jährige dabei. Er ist der erste Spieler, der mit einem Schnitt von jeweils über 25 Punkten pro Partie mit drei verschiedenen Teams in die NBA-Finals einzieht. Gleichzeitig ist James der erste Spieler, der mit fünf verschiedenen Trainern das Endspiel in der NBA erreicht hat.

Als Teams haben nur die Golden State Warriors (11), die Boston Celtics (21) und eben die Los Angeles Lakers (32) mehr Teilnahmen an der entscheidenden Serie in der NBA vorzuweisen als James alleine. Damit lässt er 27 NBA-Franchises hinter sich.

LeBron James hat bereits drei Titel gewonnen

In den Finals 2020 kommt es für "King James" aber zu einem ganz besonderen Duell. Auf ihn und die Los Angeles Lakers warten die Miami Heat. Beim Team aus Florida hatte James einst 2010 angeheuert und dort mit Dwyane Wade und Chris Bosh das erste Super-Team der modernen NBA geformt. Seine damals als "The Decision" live im US-Fernsehen ausgestrahlte Entscheidung, von den Cleveland Cavaliers zu den Heat zu wechseln, brachte ihm nicht nur Bewunderung ein.

Und so war die Freude groß, als die Heat und ihr Superteam 2011 an Dirk Nowitzki und den Dallas Mavericks scheiterten. Doch 2012 und 2013 holte James mit den Heat die Meisterschaft, bevor er 2014, gegen den Willen der Heat, zurück zu den Cavaliers ging. In seiner Heimat, James wurde im US-Bundesstaat Ohio geboren, gelang ihm dann 2016 endlich der dritte Titelgewinn – wohl der bislang emotionalste.

Lakers und LeBron verpassen Playoffs

Im Sommer 2018 folgte schließlich der Wechsel zu den Los Angeles Lakers, die im Niemandsland der NBA angekommen waren und mit dem damals wohl besten Spieler der Liga auf die Rückkehr ins Rampenlicht hofften.

Doch James' erstes Jahr geriet zum Fiasko. Anders als im Osten reichten allein seine Fähigkeiten nicht aus, um die Lakers im Westen in die Playoffs zu führen. So blieb die erfolgsverwöhnte Franchise aus Kalifornien auch im sechsten Jahr in Folge ohne Playoff-Teilnahme – trotz LeBron James.

Mit Anthony Davis erhielt James einen mehrmaligen All-Star als prominente Verstärkung, im Gegenzug wurde aber eine Vielzahl von Talenten abgegeben. Zahlreiche Experten zweifelten, ob das dünne Lakers-Roster ausreichen würde, um im umkämpften Westen überhaupt die Playoffs zu erreichen.

Angeführt vom neuen Super-Duo Davis/James straften die Lakers die Zweifler aber Lügen und schossen schnell auf Platz eins im Westen. James zeigte dabei nicht immer die Monster-Offensivauftritte vergangener Jahre, sondern setzte auch immer wieder seine Mitspieler in Szene. So stand am Ende der regulären Saison ein Karrierebestwert von 10,2 Assists für den 35 Jahre alten Superstar auf dem Statistikbogen. Daneben steuerte er noch 25,3 Punkte bei und sammelte 7,8 Rebounds pro Partie.

Trauer um Kobe Bryant erschüttert LeBron und Lakers

Zwischenzeitlich hat LeBron sogar Rang drei in der ewigen NBA-Scorerliste von Kobe Bryant übernommen - am Abend vor Bryants tragischem Tod bei einem Hubschrauberabsturz. Immer wieder hatte James zuvor betont, wie sehr ihm der Erfolg der Lakers, aufgrund von Bryants Wirken dort, am Herzen liege. Der plötzliche Tod der Lakers-Ikone Anfang des Jahres ließ das Team noch einmal enger zusammenrücken.

Doch der nächste Rückschlag für die Lakers ließ nicht lange auf sich warten: Die Corona-Pandemie erschütterte die Liga. Sogar ein Saisonabbruch wurde kurz diskutiert, dann aber wieder verworfen. Zum Glück aus Lakers-Sicht, denn wer weiß, wie viele dominante Jahre ein 35-jähriger James noch "im Tank" hat.

Die NBA beschloss eine Fortsetzung der Spielzeit. Eine verkürzte reguläre Saison und anschließende Playoffs im gewohnten Best-of-Seven-Modus werden seit Ende Juli in Disney World in Orlando/Florida ausgetragen.

Zeigten LeBron und Co. dort zu Beginn noch etwas Startschwierigkeiten, sind sie spätestens seit Beginn der Playoffs voll da, trotz der schwierigen Umstände in der NBA-Blase, die auch James zu schaffen machen. "An manchen Tagen fühlt es sich hier an wie fünf Jahre", erzählte er in einer Medienrunde, beteuerte aber gleichzeitig, dass er "genauso fokussiert" sei, wie in "normalen" Playoffs.

Seine Leistungen untermauern dies. In bislang 15 Playoff-Spielen machte James 26,7 Punkte, holte 10,3 Rebounds und legte 8,9 Assists pro Partie auf und erreichte nebenbei noch vier Triple-Doubles (zweistellige Werte in drei unterschiedlichen Kategorien) – so viel wie kein anderer Spieler in den diesjährigen Playoffs.

Dabei ließ sich James auch nicht von einem zwischenzeitlichen Spielerstreik nach der neuerlichen Eskalation von Polizeigewalt in den USA gegenüber Afroamerikanern aus der Spur bringen. Immer wieder erhob der Superstar in der Bubble seine Stimme gegen Polizeigewalt und soll laut Medienberichten sogar einer der "Anführer" gewesen sein, die während des Spielerstreiks einen Saisonabbruch forderten. Auch vor einer Twitter-Fehde mit US-Präsident Donald Trump schreckte er dabei nicht zurück.

Gala-Auftritt gegen Denver Nuggets

Die Mehrheit der Spieler stimmte jedoch für eine Fortsetzung der Saison, also glänzte James wieder mit sportlichen Leistungen auf dem Parkett. Dabei offenbarte er aber den einen oder anderen ungewohnten Schwächemoment, als er in mancher entscheidenden Phase nicht das Scoring übernahm.

Aber spätestens sein Auftritt in Spiel fünf der Conference Finals gegen die Denver Nuggets zeigte, dass er noch immer in der Lage ist, sein Team zu tragen. 16 Punkte, darunter 9 der letzten 14 Lakers-Zähler, gingen im Schlussviertel der Partie, die die Lakers in die Finals brachte, auf sein Konto.

Die anschließende Siegerehrung für das beste Team im Westen ließ James mehr oder minder über sich ergehen, sein Ziel ist ein anderes. "Meine Schultern sind breit genug, um viel Last zu tragen", sagte er nach der Siegerehrung: "Aber mein Geist ist stärker. Ich habe immer einen starken Verstand. Und ich bin glücklich, in dieser Position zu sein." Gleichzeitig räumte er aber ein: "Es war wohl die größte Herausforderung, die ich in meiner Profikarriere bislang hatte."

Sollte es LeBron gegen die Heat tatsächlich gelingen, seine vierte Larry O'Brien Trophy (Siegertrophäe der NBA) in die Höhe zu stemmen, wäre es wohl der bislang schwierigste Triumph seiner Karriere.

Verwendete Quellen:

  • ESPN.com: "LeBron James has the Lakers back in the Finals"
  • ESPN.com: "LeBron James: Circumstances, not opponent, would make 2020 championship remarkable"
  • Sportschau.de: "Der Titel führt nur über LeBron James"
  • Stats.NBA.com
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