Die Special Olympics World Games in Berlin neigen sich dem Ende entgegen. Basketballer Phillip Schobert und Trainer Engelbert Weidel sprechen über ihre Eindrücke von der weltweit größten inklusiven Sportveranstaltung, die Hoffnung auf eine Medaille und eine Trainingseinheit mit Superstar Dirk Nowitzki.

Ein Interview

Die Special Olympics World Games in Berlin neigen sich dem Ende entgegen. Die deutschen Basketballer hoffen noch auf eine Medaille, am Samstag steht das letzte Spiel gegen den Irak an. Danach folgt die große Abschlussfeier am Brandenburger Tor.

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Mit dabei ist Phillip Schobert, der mit den Basketballern der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach das deutsche Team bildet. Im Interview sprechen der 27-Jährige und sein Trainer Engelbert Weidel über ihre Eindrücke von der weltweit größten inklusiven Sportveranstaltung, eine Trainingseinheit mit Superstar Dirk Nowitzki und eine besondere Entscheidung.

Herr Schobert, am Donnerstag haben Sie gegen die Schweiz gespielt. Wie ist es gelaufen?

Phillip Schobert: Wir haben leider mit 11:19 verloren. Jetzt stehen noch zwei Spiele an, am Freitag gegen Polen und am Samstag gegen den Irak. Dann fällt die Entscheidung.

Basketballer hoffen auf Medaille bei den Special Olympics

Engelbert Weidel: Die Schweiz hat superstark gegen uns gespielt. Sie hatten eine Taktik, die wir nicht gewohnt waren. Wir sind in einer Fünfergruppe, jeder spielt gegen jeden. Wir haben gegen die beiden stärksten Gegner schon gespielt. Wenn wir jetzt die beiden letzten Spiele gewinnen, ist eine Medaille noch drin.

Was war bisher für Sie das schönste Spiel?

Schobert: Das Spiel gegen die Schweiz. Die sprechen auch Deutsch, die sind alle super und sympathisch

Basketball-Superstar Dirk Nowitzki hat bei Ihnen im Training vorbeigeschaut. Wie war es mit ihm?

Schobert: Sehr geil. Er ist ein netter Kerl. Wir haben Fotos mit ihm gemacht und uns Autogramme geholt. Ich habe dann auch noch gegen Dirk gespielt. Er hat mir ein paar Tipps gegeben.

Phillip Schobert und Dirk Nowitzki
Phillip Schobert (l.) und Dirk Nowitzki (r.). © Special Olympics Deutschland/Jo Henker

Nowitzki hat die deutsche Mannschaft auch bei der Eröffnungsfeier begleitet. Wie haben Sie die Feier vor 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Berliner Olympiastadion erlebt?

Schobert: Es war sehr geil. Dirk ist dazugekommen, als wir eingelaufen sind. Das war super. Olaf Scholz war auch da.

Weidel: Der Bundeskanzler war zuerst da, den haben wir allerdings kaum gesehen. Aber Dirk Nowitzki war natürlich auch zwei Köpfe größer als andere anderen. (lacht)

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Was hat es Ihnen bedeutet, dass so vielen Menschen gekommen sind?

Schobert: Es ist super, dass so viele Menschen die Special Olympics gesehen haben! Aber eine Premiere war es für mich nicht, ich habe es vor vier Jahren bei den Special Olympics in Abu Dhabi schon mal erlebt. Ich bin ein alter Hase! (lacht)

Kann man die Special Olympics in Abu Dhabi mit denen in Berlin vergleichen?

Weidel: Die Hochhäuser in Abu Dhabi haben unsere Basketballer damals sehr beeindruckt. Es war ein sechsstündiger Flug, eine andere Kultur, die wir nicht gekannt haben. Deshalb war es ein anderes Erlebnis, das kann man nicht vergleichen.

Sie trainieren normalerweise im Freizeitclub der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach. Kommen alle Ihre Mitspieler aus dem Club?

Schobert: Ja.

Wie oft trainieren Sie?

Schobert: Jeden Freitag. Vor den Special Olympics waren wir zweimal zum Training in Herzogenaurach und ich habe auch privat noch ein bisschen trainiert.

Seit wann spielen Sie Basketball?

Schobert: Seit 15 Jahren.

Was sind Ihre Stärken beim Basketball?

Schobert: In der Abwehr. Ich bin schnell beim Zurücklaufen.

Phillip Schobert: "Ich habe zwei Goldmedaillen gewonnen"

Was waren Ihre größten Erfolge bei den nationalen Wettkämpfen der Special Olympics?

Schobert: Ich habe zwei Goldmedaillen gewonnen. In Kiel 2018 und 2022 Berlin. Damit haben wir uns für die Special Olympics World Games qualifiziert.

Was machen Sie beruflich?

Schobert: Ich bin Landschaftsgartenbauer in den Jura-Werkstätten in Amberg. Im Moment bin ich für die Special Olympics freigestellt.

Drücken Ihnen die Kolleginnen und Kollegen die Daumen?

Schobert: Ja, alle. Ich muss immer allen gleich Nachrichten schreiben, wenn wir gespielt haben.

Haben Sie viele Sportlerinnen und Sportler aus anderen Ländern kennengelernt in den letzten Tagen?

Schobert: Ja. Hongkong war bei uns in der Gruppe, die waren korrekt. Auch die Spieler aus dem Irak und Australien.

Konnten Sie sich viele andere Sportarten anschauen?

Schobert: Da sind wir leider nicht zu gekommen.

Weidel: Das ist sehr schade, weil wir fast jeden Tag Spiele hatten und dann können wir uns sehr schwer andere Sportarten anschauen.

Machen Sie noch anderen Sportarten?

Schobert: Ja, hobbymäßig Fußball.

Sie sind Fan des 1. FC Nürnberg, in der Mannschaft gibt es auch Fans des FC Bayern München. Verstehen Sie sich trotzdem gut?

Schobert: Ja.

Weidel: Nein, nicht immer. Da wird schon ein bisschen gefrotzelt. Ich bin ein alter Sechziger, wir sind zwei 1860-München-Fans. Und dann haben wir mit dem Clubberer Phillip natürlich eine Gaudi.

Schobert: Da will ich lieber gar nicht drüber reden. Aber eine Dauerkarte wird nächste Saison schon drin sein. Ich bin bei fast jedem Spiel dabei.

Freuen Sie sich schon auf die Abschlussfeier der Special Olympics World Games am Samstag?

Schobert: Ja. Ich lasse mich überraschen, was da auf mich zukommt.

Weidel: Man muss dazu sagen, dass Phillips Bruder am Samstag heiratet. Und er war die ganze Zeit hin- und hergerissen, ob er heimfahren soll. Und jetzt hat er entschieden, dass er seine Mannschaft nicht verlassen wird. Es ist natürlich sehr schade, dass er nicht zu der Hochzeit von seinem Lieblingsbruder fahren kann. Aber wir haben lange mit seinem Vater und Bruder telefoniert, die verstehen das. Jetzt bleibt Phillip bei uns. Ist das nicht toll? Wir freuen uns unglaublich.

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