Anhänger von US-Präsident Trump verbreiten die Verschwörungstheorie QAnon. Sie glauben, dass das Land von einem Ring prominenter Kinderhändler unterwandert wird. Schon jetzt zeigt sich, wie gefährlich diese Behauptungen werden können.

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Das große "Q" ist ihr Markenzeichen: Die Anhänger einer Verschwörungstheorie sorgen derzeit in den USA für Aufsehen, bei Auftritten von US-Präsident Donald Trump zeigen sie sich mit entsprechenden T-Shirts oder halten ausgeschnittene Buchstaben in die Höhe.

Durch Trump und seine Auftritte habe es eine komplizierte Verschwörungstheorie vom Rand der sozialen Medien in die Öffentlichkeit geschafft, fürchtet die britische BBC.

Politiker und Schauspieler als Kinderhändler

Begonnen hat alles im Oktober 2017: Im anonymen Internetforum 4chan meldete sich ein User unter dem Namen Q zu Wort. Seine Botschaften verbreiteten sich in anderen Foren, dann auch in den sozialen Medien.

Nutzer setzten die Einzelstücke zur obskuren Verschwörungstheorie QAnon zusammen. Q steht dabei für den unbekannten Nutzer, "Anon" für anonym.

Der Kern der Theorie: In den USA soll ein verdeckt operierender Ring von Prominenten am Sturz von Präsident Donald Trump arbeiten. Diese Gruppe soll zudem als "Sex-Ring" fungieren und Kinderhandel betreiben. Prominente wie die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, der Schauspieler Tom Hanks und der Regisseur Steven Spielberg werden als Mitglieder genannt.

Der US-Sonderermittler Robert Mueller, der derzeit wegen vermuteter russischer Einflussnahme auf den Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump ermittelt, hat nach Überzeugung der QAnon-Anhänger in Wirklichkeit eine ganz andere Aufgabe: Er solle im Auftrag des Präsidenten verdeckt gegen diesen Kinderhändler-Ring vorgehen.

USA - Land der Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien sind in den USA nichts Neues. Zudem sei das gesamte politische Spektrum dafür anfällig, sagt Joseph Uscinski, Politikwissenschaftler an der Universität von Miami und Experte für das Thema, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Es gebe Republikaner, die glauben, dass Barack Obama seine Geburtsurkunde gefälscht habe und kein echter Amerikaner sei. Und es gebe Demokraten, die glauben, dass George W. Bush am 11. September die Twin Towers in New York explodieren ließ, um sich danach als starker Mann präsentieren zu können.

Im Fall von QAnon stehen die Anhänger allerdings klar hinter dem aktuellen US-Präsidenten.

"Einem evangelikalen, für Verschwörungen empfänglichen Trump-Anhänger fällt das im Fall von QAnon leicht. Diese Theorie erzählt eine Geschichte, die zu seinem Weltbild passt", sagt Joseph Uscinski

"Wunsch, die Welt zu erklären"

Aber warum glauben Menschen überhaupt an Verschwörungen, selbst wenn diese besonders abenteuerlich sind?

"Der Wunsch, die Welt zu erklären, ist etwas zutiefst Menschliches", sagt Marius Raab, Psychologe an der Universität Bamberg, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wenn Menschen an Verschwörungstheorien glauben, stecke häufig der Wunsch dahinter, die Komplexität der Welt zu reduzieren, so eine wissenschaftliche Annahme.

Marius Raab betont allerdings, dass es auch Theorien gebe, die die Welt eher noch komplexer machen. "Häufig verschwimmen bei Verschwörungstheorien berechtigte Sorgen der Bevölkerung mit abstrusen Annahmen."

Ist QAnon wirklich eine Bewegung?

Wer hinter QAnon in den USA steckt, ist bisher ein Rätsel. "Niemand weiß es. Es könnte eine Person sein, es könnten mehrere sein", sagt Joseph Uscinski. Auch die Zahl der Menschen, die an die Theorien glauben, sei schwer einzuschätzen. Zahlen in den USA rangieren von einigen Zehntausend bis zu einer Million. Uscinski geht aber von eher wenigen Anhängern aus.

Als prominente Unterstützer gelten bisher die Schauspielerin Roseanne Barr und Alex Jones.

Der Betreiber des ultrarechten Internetportals "Infowars" glaubt unter anderem, dass die damalige US-Administration unter Barack Obama 2012 den Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule inszeniert habe.

Die Q-Fans hoffen laut einem Artikel der "Washington Post", dass Präsident Trump die Bewegung öffentlich erwähnt.

Ein Präsident als Verschwörungstheoretiker

Das hat er bisher zwar nicht getan, allerdings hat Trump laut "Washington Post" früher selbst falsche Behauptungen verbreitet – etwa die, sein Vorgänger Obama sei gar nicht in den USA geboren.

"Wir haben jetzt einen Präsidenten, der selbst Verschwörungstheoretiker ist", sagt Joseph Uscinski. "Er und seine Mitarbeiter sind in der Lage Theorien unter einem großen Publikum zu verbreiten."

Wie gefährlich können Verschwörungstheorien werden? Es komme auf die Inhalte an, sagt Psychologe Marius Raab.

"Einige Theorien lenken Aufmerksamkeit auf die Mächtigen und können das Bewusstsein schärfen, dass Politiker gerade auch in einer Demokratie kontrolliert werden müssen. Wenn aber, wie es leider auch immer wieder der Fall ist, einzelne gesellschaftliche Gruppen wie zum Beispiel Juden für alles verantwortlich gemacht werden, ist das sehr gefährlich."

Im Fall von QAnon sind mögliche Folgen schon sichtbar geworden: Im Dezember 2016 schoss ein Mann auf Besucher eines Pizza-Restaurants in der Hauptstadt Washington, weil er glaubte, dass von dort aus der demokratische Kinderschänder-Ring operieren würde.

"Und auch derzeit gibt es Menschen, die in der Wüste von Arizona mit Waffen nach Sex-Camps suchen", sagt Joseph Uscinski.

Verwendete Quellen: