• Ricarda Lang sprach sich im Sommerinterview des ZDF gegen eine längere Laufzeit der drei deutschen Atomkraftwerke aus.
  • Die Grünen-Vorsitzende ließ ein kleines Hintertürchen jedoch offen.
  • CSU-Chef Markus Söder warf sie beim Ausbau der "Erneuerbaren" Versagen vor.
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Eine Kritik

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Waffenlieferungen an die Ukraine, Investition in die Bundeswehr, Renaissance der Braunkohle zur Bekämpfung der Energiekrise: Die Grünen haben sich in den vergangenen Monaten von vielen traditionellen Positionen (zeitweise) verabschiedet. In Teilen der Basis brodelt es. Im ZDF-Sommerinterview aus Düsseldorf hat Parteichefin Ricarda Lang nun klargestellt, dass ihre Partie die nächste Kröte nicht schlucken will. Eine längere Laufzeit der drei deutschen Atomkraftwerke kommt für Lang nicht infrage. Zum Vorschlag von FDP-Chef Christian Lindner, die Meiler bis 2024 am Netz zu lassen, sagte die 28-Jährige: "Das, was Christian Lindner da will, ist der Wiedereinstieg in die Atomkraft und das wird es mit uns auf jeden Fall nicht geben."

Allerdings ließ Lang ein kleines Hintertürchen offen. Sie verwies auf den sogenannten Stresstest, eine vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Leistungsüberprüfung des deutschen Stromnetzes. "Wir rechnen es noch mal nach und schauen uns das Ergebnis an", so Lang. Das heißt im Umkehrschluss: Es gibt doch kein kategorisches Nein der Grünen zur befristeten AKW-Laufzeitverlängerung bis 2024.

Lang: "Wir haben kein Stromproblem"

Beim Strom sprach Lang mit Blick auf Herbst und Winter von einer "sicheren Lage", die Stromversorgung sei nicht gefährdet. "Wir haben ein Wärmeproblem, kein Stromproblem", stellte sie klar. FDP-Chef Lindner erweckt in den Augen Langs dagegen den Eindruck, dass Atomkraft in Bezug auf fehlendes russisches Gas helfen könne. Sie erklärte, dass ein Großteil des verstromten Gases aber gar nicht aus der Verstromung hinausgezogen werden könnte. "Das würde unweigerlich zu Blackouts führen." Gewönne die Industrie Strom aus Atommeilern statt aus Gaskraftwerken, würde der Gasbedarf um lediglich 0,2 bis 0,9 Prozent sinken, sagte Mona Neubaur, Grünen-Energieministerin aus NRW, kürzlich dem ZDF.

Unter diesen Voraussetzungen möchte Lang lieber länger auf Kohlekraft setzen, anstatt den Atomausstieg aufzuschieben. Eine bittere Pille – natürlich. "Das ist für mich als Klimaschützerin kein einfacher Schritt", betonte sie im ZDF. Dafür forderte die Grüne noch stärkere Anstrengungen beim Ausbau der erneuerbaren Energien – und schoss gegen CDU/CSU. Beiden Parteien warf sie vor, bei diesem Thema in den 16 Merkel-Jahren versagt zu haben. Insbesondere auch Markus Söder, dem bayerischen Ministerpräsidenten, dem sie unterstellte, den Bürgern Sand in die Augen zu streuen und sich vor Debatten ums Energiesparen und die Energieeffizienz zu drücken. "Ich erwarte zum Beispiel von einem Markus Söder, ich erwarte eigentlich von allen, die uns in diese Lage gebracht haben, dass sie endlich Teil einer Lösung werden."

Vollmundiges Versprechen von Ricarda Lang im Sommerinterview

Schließlich warnte Lang vor sozialen Verwerfungen im Lande durch die Energiekrise - und verband das erneut mit einem Appell an den liberalen Koalitionspartner. Im Herbst müssten vor allem Menschen mit geringem Einkommen durch den Staat entlastet werden. Aber auch jene, die nur knapp darüber sind, so Lang. Als Gegenmaßnahme zur Gasumlage, mit der die Unternehmen die gestiegenen Energiepreise an die Verbraucher weitergeben dürfen. Finanzieren will Lang Hilfsprogramme für die Bürger mit finanzpolitischen Maßnahmen wie der Übergewinnsteuer. Das Problem: Die lehnt die FDP bislang strikt ab.

Lang erinnerte die Freien Demokraten daran, dass ihre eigene Partie in der Ampel-Koalition schon schwierige Kompromisse eingegangen sei. Vor allem bei der Braunkohle. Dies erwarte sie nun auch von Lindner & Co. Ihr Fazit im Sommerinterview des ZDF: "Wir dürfen die Menschen mit diesen steigenden Kosten nicht alleine lassen und wir werden die Menschen nicht alleine lassen"

Ein vollmundiges Versprechen, an dem sich die Grünen-Vorsitzende in den nächsten Monaten messen lassen muss.

Verwendete Quellen:

  • ZDF-Sommerinterview mit Ricarda Lang
  • "NRW-Ministerin will Stresstest abwarten"