Am Dienstagabend diskutierte Sandra Maischberger mit ihren Gästen über die Ergebnisse der Landtagswahl in NRW, die Nato-Beitrittsbekundungen von Finnland und Schweden sowie die Versorgungssicherheit in Deutschland. Es gab wenig Streit unter den Gästen, der Ton wurde mehrmals trotzdem ziemlich scharf.

Eine Kritik
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In Nordrhein-Westfalen haben die Bürgerinnen und Bürger über ein neues Landesparlament abgestimmt. Die Wahlsieger heißen CDU und Grüne, die Ampel-Parteien SPD und FDP holen sich ziemliche Klatschen ab.

Was bedeutet das für den Bund? Gleichzeitig bekunden Finnland und Schweden zum Wochenbeginn ihren Wunsch, der Nato beizutreten. Ein provokantes Signal an Putin?

Das ist das Thema bei "Maischberger"

Bei Maischberger gab es am Dienstag einen Rundumschlag von heimischer Energiepolitik bis hin zu internationaler Diplomatie. Über die Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) und Wählerwanderungen bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen sprachen die Gäste im Studio ebenso wie über den Nato-Beitritt von Finnland und Schweden sowie Sorgen um die deutschen Gasvorräte.

Das sind die Gäste

  • Wolfgang Ischinger: Der langjährige Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz sagte: "Ich glaube, dass die Entscheidung in Stockholm und Helsinki die Lage eher stabilisiert und nicht destabilisiert." Die Beitrittsbekundungen seien keine Provokation Richtung Russland, weil die Länder nicht zum ehemaligen sowjetischen Territorium gehörten. "Nachdem, was sich Putin geleistet hat, würde ich sagen: Jetzt holen wir die Ukraine erst recht in die Nato", so Ischinger.
  • Klaus Müller: Der Leiter der Bundesnetzagentur gab zu: "Ich blicke mit Sorge auf den nächsten Herbst und Winter". Wie schnell und hart ein Gasstopp Deutschland treffe, hänge davon ab, wann es geschehe. "Es kommt drauf an, zu welcher Jahreszeit es passiert und wie voll die Speicher sind", so Müller. In der aktuellen Situation sei man gezwungen in Sachen Klimaneutralität einen Umweg zu gehen. "Er führt zeitlich begrenzt über Flüssiggas", so Müller.
  • Günther Jauch: "Ich denke, das tut jedem weh, wenn man in NRW verliert", sagte der Moderator mit Blick auf die Landtagswahl. Olaf Scholz habe sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt, er sei auf fast jedem Plakat in NRW zu sehen gewesen. "Lambrecht ist inzwischen nur noch zur Selbstverteidigungsministerin geworden", kritisierte Jauch die SPD weiter.
  • Tina Hassel: Die Leiterin des "ARD"-Hauptstadtstudios übte ebenfalls Kritik an der SPD: "Der Helikopter-Flug an sich sind Peanuts. Ein paar Tage vor der Wahl war das aber natürlich maximaler Gegenwind", analysierte sie. Zur Landtagswahl in NRW sagte Hassel: "Mit den beiden jungen Gewinnern in Schleswig-Holstein und NRW ist die Methode Merz in Frage gestellt. Die beiden haben einen völlig anderen Führungsstil."
  • Helene Bubrowski: Ob die Klatsche in NRW ein Misstrauensvotum für den Kanzler Olaf Scholz gewesen sei? "Ja", sagte die Journalistin der "FAZ" und erinnerte: "Er wollte ja nach der Bundestagswahl das sozialdemokratische Jahrzehnt einleiten. Stattdessen müssten nun die Grüne Mona Neubaur und ihr Team in Düsseldorf zeigen, dass sie auch regieren könnten. "Die Reaktion der Grünen im Bund auf den Wahlsieg ist sehr bescheiden ausgefallen", analysierte Bubrowski. Das sei klug, um die Ampelpartner nicht bloßzustellen.

Das ist der Moment des Abends bei "Maischberger"

In anderen Kontexten hätte es vermutlich einfach wie der Appell des Politiklehrers aus Schulzeiten geklungen, aber Jauch hatte die derzeitige Lage auf seiner Seite, sodass seine Worte die gewünschte Wirkung entfalten konnten.

"45 Prozent der Menschen sind nicht zur Wahl gegangen", betonte der Journalist noch einmal mit Blick auf die NRW-Landtagswahl. "In der Ukraine lechzen die Menschen nach Demokratie, sie setzten dafür ihr Leben ein", erinnerte er.

In Deutschland hingegen würden die Leute einfach zuhause bleiben und "dieses demokratische Grundrecht in die Tonne hauen", so Jauch. In anderen Ländern hätten der Wunsch nach Freiheit, Demokratie und die Zugehörigkeit zu Europa eine enorme Kraft. "Während bei uns das in dieser satten Selbstgefälligkeit einfach als Selbstverständlichkeit genommen wird und die Leute sich gar nicht mehr darum scheren", ärgerte sich Jauch.

Das ist das Rede-Duell des Abends

Dicke Luft gab es am Dienstagabend bei Maischberger so gut wie gar nicht. Stattdessen prägten Zustimmung und Konsens die Debatte. Unstimmige Töne konnte man aber an einer Stelle vernehmen. Moderatorin Maischberger bat Jauch um eine Einschätzung des ukrainischen Sieges beim "Eurovision Song Contest".

Er antwortete: "Normalerweise finde ich das sehr schade, wenn solche politischen Sachen mitreinspielen." In diesem Fall habe er aber eine Sympathie für die Demonstration gehabt, es sei ein schönes Zeichen. Bubrowski war skeptischer: "In der Ukraine haben die Leute die Nase voll von Zeichen und Symbolen", war sie sich sicher. Ein angestrahltes Brandenburger Tor trage nur ein paar Tage. "Das ist dann mehr ein Wohlfühlding für uns, als dass es den Leuten dort hilft", so die Journalistin.

So hat sich Sandra Maischberger geschlagen

Sandra Maischberger schaffte es an diesem Abend nicht, für Debatte im Studio zu sorgen. Zu viel Zeit verschwendete sie für Themen, die eigentlich schon ausdiskutiert sind: Die offenen Briefe an Kanzler Scholz und die Personalie Christine Lambrecht beispielsweise.

Es hätte sich gelohnt, länger über Themen wie die niedrige Wahlbeteiligung in NRW, die Signale der Landtagswahlen an den Bund oder die Versorgungssicherheit für die Industrie zu sprechen.

Das ist das Ergebnis bei "Maischberger"

Die Sendung am Dienstagabend brachte vor allem eine Erkenntnis: Die Themen Gasversorgung und Ukraine-Krieg müssen noch deutlich stärker auf die Lebensrealität der Bürgerinnen und Bürger heruntergebrochen werden. Kann meine Sauna abgeschaltet werden und sollte ich mir vorschreiben lassen, wie oft ich pro Woche warm dusche? Solche auf den Alltag anwendbaren Fragen bieten noch Potenzial.

Verwendete Quellen:

  • ARD: Sendung "Maischberger" vom 17.05.2022
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Teaserbild: © WDR/Oliver Ziebe