Bei "maischberger.die woche" gibt es am Mittwochabend viel zu besprechen: Dieter Hallervorden wettert gegen Theaterschließungen, Sigmar Gabriel tritt seiner Partei vors Schienbein. Und zum Thema US-Wahl wird sogar über einen Staatsstreich diskutiert.

Fabian Busch
Eine Kritik
von Fabian Busch

Von wegen Palim Palim: Ulknudel Dieter Hallervorden ist am Mittwochabend bei "maischberger. die woche" ausnahmsweise nicht in komödiantischer Mission unterwegs.

Wegen des Teil-Lockdowns kann die Premiere des neuen Stücks an seinem Berliner Schlosspark-Theater an diesem Samstag nicht stattfinden. Dabei ist das Bühnenbild schon aufgebaut, die Proben sind gemacht.

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"Wenn das jetzt alles ins Tiefkühlfach wandern sollte, wäre das nicht nur schade, sondern auch ungerecht", findet der Schauspieler. Die Schließung der Kultureinrichtungen ist das eine große Thema in der Talksendung von Sandra Maischberger. Das andere ist - wie könnte es anders sein - Donald Trump (alle News zur US-Wahl hier im Live-Ticker).

Wer sind die Gäste bei "Maischberger"?

Dieter Hallervorden: Der Schauspieler klagt derzeit gegen die Schließung seines Theaters. Die Freiheit von Kunst und Kultur sei im Grundgesetz festgeschrieben, die Schließung daher rechtswidrig, sagt er. "Es wird Zeit, dass richterlich entschieden wird, welchen Rang die Kultur auch in Zeiten der Pandemie in Deutschland einnehmen soll."

Markus Peichl: "Am Anfang habe ich es heruntergespielt", sagt der Galerist und Medienexperte über das Coronavirus. Im Frühjahr erkrankte er aber selbst schwer an COVID-19.

40 Prozent seines Lungenvolumens habe er nach einem langen Aufenthalt auf der Intensivstation eingebüßt, erzählt er. Und im Sommer griff sein überschießendes Immunsystem dann auch das Gehirn an.

Christina Berndt: "Das sieht gut aus", sagt die Wissenschaftsredakteurin der Süddeutschen Zeitung über die Aussicht auf einen Corona-Impfstoff, dem das Mainzer Unternehmen Biontech einen großen Schritt nähergekommen ist.

Sie schränkt aber ein: "Es sind noch ganz viele Fragen offen." Zum Beispiel, ob es auch bei älteren Patienten wirke.

Sigmar Gabriel: Auch mit einem US-Präsidenten Joe Biden werde es Konflikte geben, glaubt der frühere Bundesaußenminister.

Allerdings werde man mit ihm reden können – zum Beispiel ob Europa zusammen mit den USA, Japan und Australien ein gemeinsames Gegengewicht zu China bilden kann. "Solche Debatten gehen mit Biden. Mit Trump wären sie undenkbar."

Sandra Navidi: Die USA-Expertin und Unternehmensberaterin hatte schon 2017 zu Donald Trumps Amtsantritt gewarnt, er werde eine autokratische Machtübernahme versuchen. Durch die jüngsten Ereignisse in Amerika sieht sie sich bestätigt.

Nikolaus Blome: Surreal findet auch der RTL-Politikchef Donald Trumps Weigerung, seine Wahlniederlage anzuerkennen. Das gelte ebenso für US-Außenminister Mike Pompeo, der gerade eine reibungslose Amtsübergabe an eine zweite Trump-Regierung versprochen hat. "Es gibt offenkundig keine Begrenzung, sich lächerlich zu machen", so Blome.

Was ist der Moment des Abends?

Der frühere Bundesaußenminister und Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel ist natürlich gekommen, um weltmännisch die US-Präsidentschaftswahl einzuordnen. Doch Gabriel wäre nicht Gabriel, wenn er sich eine Chance entgehen lassen würde, seine Nachfolger in der SPD zu piesacken.

Ob es für ihn eigentlich schwierig sei, in dieser aufgewühlten Zeit nicht mehr politisch mitzumischen, will Sandra Maischberger wissen. Gabriel winkt ab: "Wenn man draufschaut, wie wenig sich die eigene Partei mit dieser Welt und der Rolle von Deutschland und Europa auseinandersetzt, dann ist man doch ganz froh, dass man dafür keine Verantwortung hat."

Da ist auch die Gastgeberin überrascht - und fragt sicherheitshalber nach, ob er denn Parteimitglied bleiben wolle. "Warum sollte ich austreten?", fragt Gabriel dagegen. "Vielleicht gibt es welche, die es sich wünschen würden. Aber dann wäre es ein Grund drinzubleiben."

Was ist das Rededuell des Abends?

Von einem Duell kann keine Rede sein, aber in der Kommentatorenrunde kommen doch zwei unterschiedliche Einschätzungen zur Lage in den USA zur Sprache. Unternehmensberaterin Sandra Navidi hält es nicht für ganz ausgeschlossen, dass Trump versuchen wird, sich mit Hilfe des Militärs an der Macht zu halten.

Schließlich drohen ihm mehrere Anklagen, wenn er nicht mehr im Amt ist. "Was hat er zu verlieren?", fragt die Juristin, die in den USA arbeitet.

Ein Staatsstreich in den USA? Das findet Journalist Nikolaus Blome dann doch übertrieben. "Das weigere ich mich zu glauben", sagt er. "Dazu sind die Institutionen in den vergangenen vier Jahren viel zu stabil geblieben."

Was ist das Ergebnis?

Dieter Hallervorden kann auf jeden Fall zufrieden sein. Er hat nicht nur kräftig die Werbetrommel für sein Theater gerührt - eine Chance, die sich viele andere Kulturschaffende in dieser Zeit auch wünschen würden. Er erhält auch viel Zuspruch.

Wissenschaftlich könne man nicht erklären, warum die Kultureinrichtungen jetzt wieder dicht sind, sagt Journalistin Christina Berndt. Auch Nikolas Blome findet die von der Bundeskanzlerin angekündigten Ungerechtigkeiten im aktuellen "Wellenbrecher-Lockdown" nicht überzeugend.

Diskutiert wird an diesem Abend kaum. Trotzdem ist die Sendung kurzweilig. Die Themenmischung passt - auch wenn das beim aktuellen Geschehen kein Kunststück ist.

Zwei Gäste üben aber auch durchaus angebrachte Medienkritik: "Irgendwann müssen wir mal aufhören, über Trump zu reden", findet Sigmar Gabriel. Und Corona-Patient Markus Peichl will nicht ständig über die Demonstrationen von Corona-Leugnern sprechen, wie sie am vergangenen Wochenende wieder in Leipzig stattgefunden haben: "Ich würde mir wünschen, dass der Humbug, der auf diesen Demonstrationen gesagt wird, nicht eins zu eins in Nachrichtensendungen gezeigt wird."

Das ist verständlich - wird aber wohl eher ein Wunsch bleiben. Sowohl an Trump als auch am Coronavirus wird das Talkshow-Publikum in den kommenden Wochen kaum vorbeikommen.

Christina Berndt äußert zum Abschied noch eine besonders beunruhigende Einschätzung: Der aktuelle Lockdown wird wohl nicht der letzte sein. "Ich gehe eigentlich davon aus, dass wir durch diesen Winter nicht ohne einen weiteren kommen."

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