Cem Özdemir als Abschieber und Alice Weidel, die sich mehr Menschlichkeit wünscht: Bei Frank Plasberg versuchen zwei Wahlkämpfer, sich von einer anderen Seite zu zeigen. Und ein junger Studiogast lockt die AfD-Politikerin aus der Reserve.

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Thema und Gäste lassen am Montagabend bei "Hart aber fair" eigentlich auf eine explosive Konstellation schließen: Die Spitzenkandidaten von Grünen, AfD und CSU diskutieren mit Frank Plasberg über Zuwanderung und Integration.

Das Spitzenduo der Grünen wirkt heute bieder. Das war nicht immer so.

Die Sendung verläuft dann aber recht gesittet – Alice Weidel jedenfalls stürmt nicht aus dem Studio wie jüngst im ZDF. Und irgendwie wollen bei dem Thema alle gleichzeitig ein bisschen streng und ein bisschen menschlich sein.

Özdemir will Verbrecher konsequent abschieben

Grünen-Chef Cem Özdemir zum Beispiel wirbt zwar für einen großzügigen Familiennachzug für Flüchtlinge: "Wer die Familie da hat, integriert sich besser."

Unangenehm wird es für ihn aber, als Plasberg auf Abschiebungen nach Afghanistan zu sprechen kommt. Jüngst sind acht afghanische Straftäter in ihre Heimat zurückgeflogen worden – darunter seien auch verurteilte Vergewaltiger gewesen, betont der Moderator.

Weder Weidel noch Gauland scheinen so recht in die AfD zu passen.

Die Grünen sehen Abschiebungen in das asiatische Land kritisch. Özdemir fürchtet sich aber offensichtlich vor dem möglichen Vorwurf, er nehme die Straftäter in Schutz. "Wer vergewaltigt hat, muss in der Regel abgeschoben werden", sagt er. "Und wer nicht abgeschoben werden kann, der wird hier in Deutschland eingesperrt."

Als es um Flüchtlinge aus Nordafrika geht, legt Özdemir noch einmal mit Sätzen nach, die nicht jedem in seiner Partei gefallen dürften: "Ich will die Leute, die straffällig werden, aus dem Land schaffen."

Weidel will Schutzbedürftige ausbilden

Auch AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel will offenbar zumindest stellenweise nicht alle Klischees zu ihrer Partei bedienen.

Sie spricht sich zum Beispiel dafür aus, dass syrische Flüchtlinge schon in Lagern nahe ihrer Heimat Asylanträge in Deutschland stellen können. Es sei doch "zutiefst inhuman", die Menschen erst über Landwege wandern zu lassen.

Als ein Zuschauer in einem eingespielten Video die Frage stellt, warum der Staat so viel in Integration und Bildung von Menschen investierte, die in einiger Zeit sowieso zurück in ihre Herkunftsländer müssen, stellt Weidel klar: "Wir haben bei Schutzbedürftigen die Aufgabe, sie auszubilden."

Das macht die ADD - nicht die einzige exotische Partei, die bei der Wahl antritt.

Es ist eher ein junger Studiogast, der die AfD-Politikerin aus der Reserve lockt.

Junger Student lockt Weidel aus Reserve

Der Student Omid Saleh, dessen Eltern aus dem Iran stammen, beklagt, dass Vorurteile und Feindseligkeit gegenüber Einwanderern in den vergangenen Jahren zugenommen hätten.

Und er hat eine differenzierte Erklärung dafür. Das sei erstens der "chaotischen" Flüchtlingspolitik der Bundesregierung geschuldet."Das kommt aber auch durch eine Partei wie die AfD, die die Leute heiß macht, um ihre Probleme auf Ausländer zu schieben", sagt der Student.

"Was wollen Sie tun, damit Leute wie ich sich nicht ausgegrenzt fühlen?", fragt er Weidel.

Ganz konkret antwortet sie darauf nicht, sondern sucht lieber die Schuld der anderen.

"Sie sind Opfer einer komplett verkorksten Wahrnehmung, die resultiert aus einer verkorksten Flüchtlingspolitik", sagt sie. Was ihre eigene Partei mit dieser Wahrnehmung zu tun hat, fragt Weidel dann aber keiner.

Mehrheit für Einwanderungsgesetz

Die AfD-Spitzenkandidatin fühlt sich bei Frank Plasberg offensichtlich wohler als bei Marietta Slomka – was auch damit zu tun haben dürfte, dass Plasberg sie recht geschickt mal unterstützt, mal kritisiert.

Beim Thema Kriminalität durch Zuwanderer präsentiert er Zahlen, die der AfD in die Hände spielen.

Als Weidel sich aber darüber ärgert, dass gut ausgebildete Inder und Chinesen keine Lust mehr haben, nach Deutschland zu kommen, fragt Plasberg geschickt, ob das nicht auch an der Wahlkampagne der AfD liegen könne.

Zum Schluss sind sich fast alle Gäste bei einem Thema sogar noch einmal einig: Deutschland brauche ein Einwanderungsgesetz. Nur der bayerische CSU-Innenminister Joachim Herrmann stellt sich quer.

Ansonsten sprechen sich sowohl Student Omid Saleh als auch der stellvertretende "Bild"-Chefredakteur Nikolaus Blome dafür aus. Und auch Özdemir und Weidel fordern ein Einwanderungsgesetz. Die großen Unterschiede dürften da natürlich im Detail liegen.