Vor dem zehnten Spieltag in der 2. Liga sind sowohl der VfB Stuttgart als auch der FC St. Pauli zum Siegen verpflichtet. Die Ausgangslagen beider Klubs könnten nicht verschiedener sein: Stuttgart will die Tabellenspitze nicht aus den Augen verlieren, St. Pauli das rettende Ufer.

Der VfB Stuttgart will nach dem Abstieg aus der Bundesliga den sofortigen Wiederaufstieg schaffen. Doch die 0:5-Klatsche bei Dynamo Dresden am vergangenen Spieltag hat den Ambitionen der Schwaben einen Dämpfer versetzt. Dort bestätigte sich, was Kapitän Christian Gentner im Vorfeld des Debakels im Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" gesagt hatte: "Die Liga ist sauschwer!"

Kämpferisch werde von einem im Unterhaus mehr abverlangt als in der Bundesliga, sagte Gentner der Zeitung weiter: "Gegen uns sind die Gegner hochmotiviert, meist spielen sie gegen uns auch anders als sie sonst spielen würden. Etwas zurückhaltender, mit vielen langen Bällen. Das macht es für uns nicht einfacher, soll aber von unserem Ziel nicht ablenken."

Enges Rennen um die Aufstiegsplätze

Und dieses Ziel hat der VfB trotz des Stolperers in Dresden klar vor Augen. Zwar steht Stuttgart nach neun Spieltagen nur noch auf Platz sechs der Tabelle, allerdings hat der 1. FC Heidenheim auf Platz zwei gerade mal zwei Punkte mehr auf dem Konto.

Ekaterina Kostyunina gilt als die "heißeste Schiedsrichterin der Welt".

Das belegt wiederum, wie eng das Anwärterfeld auf die zwei sicheren Aufstiegsplätze sowie den Relegationsplatz aktuell ist. Nach Eintracht Braunschweig an der Tabellenspitze sind auch Heidenheim, Hannover 96, die Würzburger Kickers und Union Berlin in dieser frühen Phase der Saison oben mit dabei.

Trainerwechsel nach nur vier Spieltagen

Die starke Konkurrenz um die Aufstiegsplätze erhöht auch den Druck auf Stuttgarts neuen Trainer. Der erst 35 Jahre alte Hannes Wolf hatte Ende September die Leitung beim VfB übernommen, nachdem sein Vorgänger Jos Luhukay nach nur vier Spieltagen von seinem Amt zurückgetreten war. Der Grund dafür soll andauernde Uneinigkeit mit Stuttgarts Sport-Vorstand Jan Schindelmeiser gewesen sein.

Und der Auftrag des neuen Mannes an der Seitenlinie hat es in sich: Der Aufstieg soll es sein. Keine leichte Situation für einen Trainer, der zuvor - obgleich sehr erfolgreich – "nur" als Jugendtrainer bei Borussia Dortmund gearbeitet hat.

Seine drei bisherigen Spiele als VfB-Trainer hätten kaum unterschiedlicher verlaufen können: Das Debüt in seiner Heimatstadt Bochum endete 1:1, im eigenen Stadion gewann seine Mannschaft gegen Greuther Fürth mit 4:0, um sich am darauf folgenden Spieltag in Dresden mit 0:5 verprügeln zu lassen.

Wolfs wichtigste Aufgabe ist es nun, der Mannschaft zu Stabilität zu verhelfen. Denn weitere Totalausfälle wie in Dresden würden dazu führen, dass der VfB den Kontakt zur Tabellenspitze allmählich verliert. "Wir wollen schnell, intensiv und emotional Fußball spielen", hatte der neue Trainer bei seiner Vorstellung in Stuttgart gesagt. Die nächste Gelegenheit, sich dem anzunähern, kriegen die Stuttgarter heute Abend. Dann ist 1860 München zu Gast in der Mercedes-Benz-Arena (18:30 Uhr, LIVE bei Sky und bei uns im Ticker).

Der tiefe Sturz des FC St. Pauli

In die Liste der Teams, die um die Aufstiegsplätze rangeln, gehörte in der vergangenen Saison auch der FC St. Pauli. Nach neun Spieltagen stand der Klub damals auf Platz drei; am Saisonende auf Rang vier. Und heute? Da belegt St. Pauli den letzten Tabellenplatz: Sechs Niederlagen, zwei Unentschieden und nur ein Sieg aus neun Spielen bei einem Torverhältnis von 7:15 ergeben ein jämmerliches Zwischenzeugnis.

... und vier weitere Punkte, die Ancelotti dringend verbessern muss.

Die Realität am Millerntor ist nunmehr der Abstiegskampf. Und wie auch das Aufstiegsrennen könnte dieser bis zum Saisonende prominent besetzt sein. Vor St. Pauli stehen aktuell Arminia Bielefeld, der 1. FC Kaiserslautern, der Karlsruher SC und 1860 München im Tabellenkeller.

Sogar Lienen steht in der Kritik

Nach der jüngsten 1:2-Heimniederlage gegen Aufsteiger Erzgebirge Aue haderte St.-Pauli-Trainer Ewald Lienen vor den Kameras des Pay-TV-Senders Sky mit dem Schicksal, als er schimpfte: "Das ist eine Saison, in der man nicht davon sprechen kann, dass wir in irgendeiner Form vom Glück begünstigt werden." Gemeint waren wohl vergebene Großchancen seiner Mannschaft und prompt bestrafte Nachlässigkeiten in der eigenen Defensive.

Es zieht sich durch die bisherige Saison, dass individuelle Fehler den FC St. Pauli um dringend benötigte Punkte bringen. Auch sind einige Spieler weit entfernt von ihren starken Leistungen aus der Vorsaison. Linksverteidiger Daniel Buballa, um nur ein Beispiel zu nennen, gehörte im vergangenen Jahr zu den Stützen der Mannschaft – und fällt derzeit vor allem als Unsicherheitsfaktor auf. Sogar Lienen selbst wird in der Hamburger Presse mittlerweile kritisiert; nach der Niederlage gegen Aue wurden ihm taktische Fehler vorgeworfen.

Zwar hatte der Trainer schon vor der Saison gewarnt, dass der FC St. Pauli nicht um den Aufstieg kämpfen werde, sondern in erster Linie um den Klassenerhalt. Aber dass die Lage nach einem guten Viertel der Saison so ernst sein würde, hat wohl selbst er nicht erwartet.

Sechs-Punkte-Spiel am Samstag

Es gehört zur Logik des Fußballgeschäfts, dass die öffentliche Aufmerksamkeit immer dann am größten ist, wenn sich eine Krise zuspitzt. So wurde Lienen am Tag nach der Niederlage gegen Aue von einem Kamerateam auf dem Trainingsgelände begrüßt. "Wenn die Jungs da sind, weiß man, was die Stunde geschlagen hat", sagte er dazu dem "Hamburger Abendblatt" – im Scherz, denn noch steht sein Job laut Sportdirektor Thomas Meggle nicht zur Diskussion.

Am Samstag spielt St. Pauli auswärts beim SV Sandhausen (13:00 Uhr, LIVE bei Sky und bei uns im Ticker), der sich ebenfalls im Magnetfeld der Abstiegszone befindet. Gelingt St. Pauli dort der zweite Sieg der Saison, fährt das TV-Team am Sonntagmorgen womöglich zu einem anderen Stadion.