Werder Bremen, der Hamburger SV und Darmstadt 98 kämpfen am Sonntag um Platz zwei und drei in der 2. Bundesliga. Im Interview mit unserer Redaktion erklärt Sky-Experte Torsten Mattuschka, wer die besten Chancen hat. Und warum.

Ein Interview

"Tusche" wird er genannt. Torsten Mattuschka ist Kult in Fußball-Deutschland. Bis heute. Zwischen 2005 und 2014 spielte der heute 41-Jährige für Union Berlin, unter anderem in der 2. Bundesliga.

Seit 2019 ist der Berliner Experte für den Rechte-Inhaber Sky, kommentiert etwa die Samstagabendspiele mit. Er kennt sich aus. An diesem Sonntag (ab 15.30 Uhr) spielen nun Werder Bremen, der HSV und Darmstadt 98 am letzten und 34. Spieltag um den direkten Aufstieg (2. Platz) oder zumindest die Relegation (3. Platz). Im Interview mit unserer Redaktion erklärt Mattuschka, worauf es jetzt ankommt.

Herr Mattuschka, der 34. Spieltag der 2. Bundesliga ist im Aufstiegskampf ein wahres Saison-Finale, oder nicht?

Torsten Mattuschka: Da ist alles drin. Bremen reicht ein Unentschieden, Werder kann aber auch Vierter werden. Darmstadt kann auf Platz zwei rutschen und durchmarschieren. Der HSV kann Zweiter, Dritter oder Vierter werden. Das ist ja das Geile. Bremen darf sich trotz drei Punkten Vorsprung auf Rang drei nicht sicher sein. Man hat am vergangenen Wochenende gesehen, wie Schalke zur Pause 0:2 daheim zurücklag. Ich freue mich tierisch auf den Sonntag und finde, dass der HSV in Rostock das schwierigste Spiel hat.

2. Bundesliga: Der Hamburger SV hat eine Serie

Die Hamburger haben viermal in Serie gewonnen, bei 14:3-Toren.

Der HSV hat in den letzten Wochen eine wahnsinnige Serie gestartet. Nach dem 0:1 in Kiel waren es sieben Punkte Rückstand. Solch einen Rückstand nochmal aufzuholen, hat bis dato kein Klub geschafft. Sie haben sich wahrscheinlich in der Kabine gesagt: ‚Jungs, was haben wir zu verlieren? Wir versuchen jetzt einfach, jedes Spiel zu gewinnen‘. Das Gute für den HSV war, dass es zuletzt im Aufstiegskampf viele direkte Duelle der Konkurrenz untereinander gab - die anderen Klubs haben sich die Punkte weggenommen. Der HSV hat mit plus 31 zudem das beste Torverhältnis.

Was macht die Aufgabe Hansa Rostock dennoch knifflig?

Bei Hansa will jeder Spieler nochmal was für die Urlaubskasse machen. Da gibt es noch eine Prämie für den Sieg, für den Verein ist der Platzierungsbonus mit Blick auf die Fernsehgelder wichtig. Es ist vor allem eine kleines Nordderby.

Warum hat der HSV zuletzt die Wende geschafft?

Sie sind in einen Flow reingekommen. In den vergangenen Jahren haben sie alles stets im April verspielt. Jetzt ist es eine Maschinerie, die nicht aufzuhalten ist. Plötzlich geht alles einfach von der Hand. Der HSV hat die wenigsten Niederlagen (6) in der 2. Bundesliga. Hätten sie zweimal weniger Unentschieden gespielt, wären sie schon durch. Es hat klick gemacht.

Wataru Endo, Benno Schmitz, Marvin Schwäbe, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Bundesliga, 34. Spieltag
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2. Bundesliga: Werder Bremen und der HSV haben Druck

Steht gerade Bremen als Tabellen-Zweiter mit der vermeintlich besten Ausgangslage besonders unter Druck?

Werder hat Druck. Schalke hat Druck. Der HSV hat Druck. Das sind die drei größten Klubs der Liga. Schalke ist durch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Bremen daheim gegen Jahn Regensburg verliert. Selbst dann müssten sowohl Darmstadt als auch der HSV gewinnen, damit Werder noch Vierter werden würde. Aber: Sie haben unter Trainer Ole Werner in 18 Spielen im Schnitt 2,22 Punkte geholt. Das ist der blanke Wahnsinn.

Unter diese großen Klubs hat sich frech der SV Darmstadt gemischt.

Ich glaube, dass Trainer Torsten Lieberknecht die Jungs richtig heiß machen wird. Seine Truppe ist ein zusammengeschweißter Haufen. Natürlich hätten sie in Düsseldorf nicht verlieren dürfen (1:2, d. Red.). Für sie heißt es jetzt nochmal, Gas geben gegen den SC Paderborn, der aktuell die zweitbeste Auswärtsmannschaft hat. Lieberknecht ist ein Menschenfänger, er wird die richtigen Worte finden: ‚Guckt, was wir gearbeitet haben. Wir hatten eklige Trainingseinheiten, haben uns gequält. Jetzt können wir was Großes erreichen‘.

Was macht eine Profi-Mannschaft vor solch einem Showdown? Mancher Spieler schläft vielleicht schlecht. Holt man sich die Lockerheit in einem Mannschaftsabend, schaut man sich Videos von Fan-Choreos an?

Mannschaftsabend eher nicht, der kann schon mal ausarten. Drei oder vier Tage vor so einem Spiel ist das vielleicht nicht so gut. Du veränderst in den Abläufen nichts. Ob jemand schlafen kann oder nicht, hängt von den Typen ab. Es gibt Fußballer, die genießen diese ‚Jetzt-erst-recht-Spiele‘. Ich habe das auch genossen, in den großen Spielen war ich immer online. Man muss bedenken: Die 1. Bundesliga kann für viele Spieler finanziell sehr viel verändern.

2. Bundesliga: Beim HSV kommt es auf Robert Glatzel an

Da verdoppelt sich auch mal ein Fußballer-Gehalt?

Na klar. Na logo. Und wenn es sich nicht verdoppelt, verdoppeln oder verdreifachen sich die Prämien.

Sind Typen gefragt? Und wer sind diese Typen bei den Aufstiegskandidaten?

Einer alleine macht es selten in der 2. Liga. Beim HSV ist natürlich Robert Glatzel wichtig, weil er die meisten Tore (21 Saison-Tore, d. Red.) schießt. Aber auch Sonny Kittel als Spielmacher. Bei Werder hast du das unfassbare Sturmduo mit Marvin Duksch und Niclas Füllkrug. Die beiden haben zusammen 38 Tore geschossen.

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Ömer Toprak, Leonardo Bittencourt, Mitchell Weiser - die haben alle schon so viele Bundesliga-Spiele. Darmstadt kommt dagegen über das Kollektiv. Ich hoffe nur, dass der Videoschiedsrichter VAR keine Rolle spielt. Mit irgendeinem Handspiel, was wir diese Saison schon oft hatten.