Die Erleichterung ist groß, der erste Schritt aus der Krise getan: Borussia Dortmund zeigte beim Sieg in Freiburg endlich wieder sein altes Gesicht. Ein Grund dafür sind auch die Maßnahmen von Trainer Jürgen Klopp.

Roman Weidenfeller stürmte über den Platz und schrie seine unbändige Freude heraus. Auch der Torwart wollte ein Teil der schwarz-gelben Jubeltraube sein, die sich nach dem Tor von Pierre-Emerick Aubameyang zum 3:0 bildete. Borussia Dortmund hätte die Partie beim SC Freiburg wahrscheinlich auch ohne diesen zweiten Treffer Aubameyangs gewonnen. Und dennoch ist dieses Tor für den BVB von immenser Bedeutung.

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Denn wie die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp den Treffer herausspielte, erinnerte stark an die alten, glorreichen Zeiten. Der eingewechselte Jakub Blaszczykowski leitete den Angriff ein, über eine schnelle Kombination zwischen Marco Reus und Shinji Kagawa landete der Ball bei Aubameyang, der aus zwölf Metern trocken in die rechte Ecke traf - ein in der Entstehung absolutes Traumtor.

Pierre-Emerick Aubameyang überzeugt als Sturmspitze

Der Gabuner krönte mit diesem Treffer in der 72. Minute seine ohnehin schon herausragende Leistung. Klopp setzte den 25-Jährigen als einzige Sturmspitze ein, Kevin Kampl, Kagawa und Reus unterstützen ihn aus dem Mittelfeld. Und das mit Erfolg. Die laufstarke Offensivreihe des BVB setzte die Freiburger Defensive mit dauerhaftem Pressing unter Druck. So forcierte Dortmund bereits nach neun Minuten einen folgenschweren Fehlpass von Freiburgs Mike Frantz. Aubameyang spritzte dazwischen, Reus staubte am Ende zur Führung ab.

In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor. Dass hier der Tabellenletzte die schwarz-gelben und nicht die roten Trikots des SC Freiburg trägt, konnte man kaum glauben. Endlich zeigte der BVB wieder den Tempofußball, den er unter Klopp jahrelang in Perfektion zelebrierte.

Jürgen Klopp vertraut seinen alten Stars

Nach der verdienten 0:1-Niederlage gegen den FC Augsburg am 19. Spieltag wechselte Klopp auf drei Positionen. Kagawa, Lukasz Piszczek und Neven Subotic ersetzten Kevin Großkreutz, Sokratis und Ciro Immobile. Vor allem für Immobile dürfte es sehr schwierig werden, in naher Zukunft wieder zur ersten Elf zu gehören. Denn während der leicht hüftsteife Italiener seit Beginn der Saison - mit wenigen Ausnahmen - wie ein Fremdkörper im BVB-Spiel wirkt, zeigte Aubameyang in Freiburg, was Klopp von einem Stürmer erwartet: Laufbereitschaft, Schnelligkeit und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.

Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc verteilte nach dem Sieg ein Sonderlob an den Matchwinner. "Er macht viel intuitiv, bleibt immer locker. Mit seiner Schnelligkeit kann er natürlich ein unglaublich wichtiger Faktor sein, auch taktisch hat er sich enorm verbessert. In Freiburg hat es mit ihm hervorragend funktioniert", sagte der 52-Jährige der "Sport Bild Plus".

Auch Adrian Ramos ist außen vor

Doch nicht nur Immobile ist ein Verlierer des Freiburg-Spiels. Sommer-Verpflichtung Adrian Ramos wurde von Klopp nicht einmal in den Kader berufen. Und mit Sokratis und Matthias Ginter saßen ebenfalls zwei Spieler zu Beginn auf der Bank, die in den Meister-Saisons 2011 und 2012 noch nicht beim BVB unter Vertrag standen. Dafür ließ Klopp erstmals seit dem verlorenen Champions-League-Finale gegen den FC Bayern München 2013 (1:2) die Viererkette Piszczek, Mats Hummels, Subotic und Marcel Schmelzer vor Torwart Weidenfeller auflaufen.

Während der größten BVB-Krise seit Jahren vertraut Klopp also wieder den Spielern, auf die er sich bereits zu erfolgreichen Zeiten verlassen konnte. Hinzu kommt mit Kampl ein Spieler, der sein großes Potenzial in der Vorbereitung und den ersten Rückrundenspielen angedeutet hat. Auch die oft gescholtenen BVB-Rückkehrer Kagawa und Nuri Sahin haben in Freiburg endlich wieder gezeigt, warum die Top-Klubs Manchester United (Kagawa) und Real Madrid (Sahin) die beiden Mittelfeldstrategen einst verpflichteten.

Borussia Dortmund immer noch in der Gefahrenzone

Im Moment herrscht erst einmal große Erleichterung bei Borussia Dortmund. Das Match in Freiburg belegt das ohnehin Offensichtliche: Der BVB ist eigentlich zu gut für den Abstiegskampf.

Klar ist aber auch: Dortmund war auch in der Hinrunde eigentlich zu gut für den Abstiegskampf - und überwinterte dennoch als Vorletzter. Trotz des Sieges in Freiburg befindet sich der BVB noch immer in der tabellarischen Gefahrenzone.

Der klare und spielerisch beeindruckende Erfolg ist nur der erste Schritt aus der Krise. Und wer in Dortmund glaubt, dass die Trendwende geschafft und der Abstiegskampf überstanden ist, könnte bereits am kommenden Freitag eines Besseren belehrt werden. Dann gastiert der 1. FSV Mainz 05 (20:30 Uhr, live bei "Sky" und bei uns im Livescore) in Dortmund. Verliert der BVB, wird die Stimmung prompt wieder kippen. Das hat sich die Borussia mit ihren Leistungen in der Hinrunde selbst eingebrockt.