Na also, nach vier halbwegs zahmen Spieltagen wird in der Bundesliga endlich wieder scharf geschossen. Jürgen Klopp mosert gegen das ZDF, Luiz Gustavo gegen seine tiefe Stimme und Matthias Sammer gegen alle, die nicht bei drei auf den Bäumen sind. Und ganz nebenbei steht eigentlich auch schon der erste Absteiger fest. In unserer Serie ziehen wir die Lehren des jeweiligen Spieltags - ganz subjektiv und auch nur ein bisschen ernstgemeint.

1. Erkenntnis: Der FC Bayern sagt der Harmonie den Kampf an

Der FC Bayern München hatte schon immer ein Problem mit diesem Sauhund, der sich "Harmonie" schimpft. Und deshalb kann man eigentlich schon fast die Uhr danach stellen, dass irgendwann so um den 5. oder 6. Spieltag herum, die ersten Brandreden geschwungen und die ersten Keile in das bajuwarische Familienglück getrieben werden.

Praktischerweise haben die Bayern für solche Geschichten Sportvorstand und Chefgrantler Matthias Sammer in ihren Reihen. Der Meister des Antizyklus haut immer dann drauf, wenn keiner damit rechnet. Aber irgendwie kann man ihn auch verstehen. Nur 2:0 haben sie gewonnen. Alles unter vier Toren gegen Hannover 96 ist für den FC Bayern natürlich eine Enttäuschung. Der Vorwurf: "Lethargisch und ohne Emotionen" sei der FC Bayern aufgetreten. Und der arme Pep Guardiola müsse jedes Mal eine Brandrede halten, dass die Spieler überhaupt in die Gänge kommen.

Doch kaum hat Sammer einmal Luft zum Atmen geholt, formiert sich natürlich schon die Gegenbewegung. Abnicken geht einfach nicht beim FC Bayern. Jetzt muss Reibung her. Und so schwingt sich Präsident Uli Hoeneß auf zum Rächer der Spielerschaft. Das Team könne doch angesichts der vielen Verletzten gar keine Topform haben und überhaupt "scheint so mancher, der früher mal Fußball gespielt hat, zu vergessen, wie das schon früher war nach Länderspiel-Reisen."

Bäm, direkt Sammers Gedächtnis angegriffen und gleichzeitig die Spieler in Schutz genommen. Die Abteilung Attacke kann eben nicht nur gegen andere schießen. Mit der Harmonie ist es jetzt jedenfalls vorerst vorbei beim FC Bayern. Fehlt eigentlich nur noch eine schöne Trainingsprügelei.

2. Erkenntnis: Verbietet den Fußballern den Stimmbruch!

Luiz Gustavo vom VfL Wolfsburg kassiert gegen Bayer Leverkusen zum zweiten Mal in Folge Gelb-Rot. Aber nicht etwa, weil sein Spiel übertrieben brutal wäre oder der Ex-Bayer an sich einfach eine aggressive Aura hätte - nein, Gustavo fliegt, weil seine Stimme zu tief ist. Dabei hat er nach eigener Aussage doch nur "laut und aggressiv gesprochen". Aber: "Wenn er was Richtung Schiedsrichter sagt, wirkt es dramatisch", weiß sein Trainer Dieter Hecking. Weil Gustavo an sich ein halbwegs windiges Kerlchen ist (80 kg bei 1,87 m - ja, wir finden das windig), können wir uns das fast gar nicht vorstellen, aber wenn der Hecking das sagt, wird schon was dran sein.

Und das würde auch erklären, weshalb Philipp Lahm in seinen 290 Bundesligaspielen noch nie vom Platz gestellt wurde. Nichts, was Philipp Lahm je sagen könnte, wirkt bedrohlich. Es wirkt nicht einmal wie Meckern. Dazu kiekst seine Stimme viel zu sehr. Das ist höchstens putzig, aber nicht dramatisch. Früher hätte man ihn noch aufgrund seines fehlenden Stimmbruchs bemitleidet, jetzt weiß man: Lahm hat einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Bundesligatrainer können aus daraus eigentlich nur eine Konsequenz ziehen: Jungen Spielern wird ab sofort der Stimmbruch verboten.

3. Erkenntnis: Der FC Augsburg steigt ab

Also erst einmal: Der FC Augsburg spielt schon seine dritte Saison in der Bundesliga. Wenn Sie das nicht glauben, dann schauen Sie doch selbst nach! Viel wichtiger ist aber, dass es die vorerst letzte Saison der tapferen Schwaben sein wird. Der FCA hat nämlich schon jetzt - am fünften Spieltag - genauso viele Punkte, wie das in der letzten Saison nach der gesamten Hinrunde der Fall war. Drei Spiele in Folge haben sie gewonnen. Das kann doch nichts werden.

Das Erfolgsrezept des FCAs lautete bisher: Hinrunde verkacken und dann in der Rückrunde genau so viele Punkte einfahren, dass es zum direkten Klassenerhalt reicht. Das war ein prima Erfolgsrezept. Damit ist es jetzt vorbei. Der FC Augsburg wird bis zum Ende der Hinrunde glauben, um die internationalen Plätze mitspielen zu können. Und dann in der Rückrunde - zackbumm - Einbruch. Ist schon vielen so gegangen, die den Weihnachtsmann mit dem Osterhasen verwechselt haben.

Es ist nur zu hoffen, dass die Augsburger ihre Erfolgsserie als Warnschuss wahrnehmen und vielleicht mal wieder ein Spiel abgeben. Es wäre nämlich eigentlich schade, wenn sich unsere Vorhersage bestätigen würde.

4. Erkenntnis: In München braucht Hamburg die Zehnerkette

Vor Fußball-Urzeiten, weit bevor Begriffe wie "falsche Neun", "Doppelsechs" oder selbst "Viererkette" zum gängigen Fan-Vokabular gehörten, ließen Trainer ihre Mannschaften noch mit Libero agieren. Doch spätestens mit Beginn dieses Jahrtausends ist die Viererkette im internationalen Spitzenfußball gang und gäbe. Auch Thorsten Fink ist sich dessen ganz sicher bewusst, dennoch wollte der HSV-Coach mal innovativ sein und probierte es in Dortmund mit einer Variation aus Dreier- und Fünferkette, die in der zweiten Halbzeit dann wieder zur Viererkette umfunktioniert wurde.

Selbst ein realitätsferner Optimist nennt den Erfolg dieser Taktikumstellungen allenfalls "überschaubar": Sechs der 32 (!) Dortmunder Torschüsse durfte der bedauernswerte René Adler am Ende aus dem Netz fischen. Wenn es zehn Tage vor Heiligabend zum FC Bayern geht, wäre die Zehnerkette zumindest eine Überlegung wert.

5. Erkenntnis: Dortmund hat einen Übermutter-Komplex

Bei Borussia Dortmund, dem mit fünf Siegen gestarteten Tabellenführer, könnte alles so schön sein. Wenn, ja wenn da nicht ein 53 Jahre alter Schwarzwälder namens Joachim Löw wäre, der es wagt, Mats Hummels in der Nationalelf auf die Ersatzbank zu verdonnern. Und dann sind da auch noch die bösen Medien, die Hummels beim DFB-Test gegen Paraguay als Hauptschuldigen des wankenden Defensivkonstrukts ausmachten. Ein Affront, den sich die Führungsriege des Vizemeisters nicht bieten lassen will.

Und so vereinen sich Hans-Joachim Watzke und Jürgen Klopp zu einer Art Übermutter, die gleich zum Schuldirektor rennt, nur weil ihr Sohn nicht mit den anderen Kindern Fußball spielen darf. Dabei übersehen sie, dass bis zur WM 2014 noch ein wenig Zeit verstreicht und sich der kleine Mats in der Nationalmannschaft ganz gewiss noch einmal beweisen darf.

Watzke kündigte bei "Sky90" jedenfalls an, aufzupassen, "ob wir unseren Spielern vielleicht mal etwas zur Seite springen müssen". Und auch Jürgen Klopp nimmt die Demission seines Abwehrchefs beim DFB allem Anschein nach persönlich. Im "Aktuellen Sportstudio" raunzte der BVB-Coach ZDF-Reporter Boris Büchler an, nachdem dieser die Leistung Hummels' gegen Hamburg als "solide" bezeichnete. "Wenn jemand schlecht spielt und man sagt, er hat schlecht gespielt, muss man, wenn er gut spielt, auch sagen, dass er gut gespielt hat", befand der sichtlich verärgerte Trainer.

Wir erledigen das jetzt mal im Namen des ZDF. Mats Hummels hat gut gespielt. Zufrieden, Herr Klopp?