Franck Ribéry und Arjen Robben gehören zum Inventar des FC Bayern, im Sommer laufen aber beide Verträge aus. Die Spieler würden gerne verlängern, aber nur für einen gibt es auch eine echte sportliche Perspektive. Und am Ende wird eine Person entscheiden, die der Verein noch gar nicht gefunden hat.

Den einen haben sie einst in den Stand des neuen Königs gehoben, der andere hat die Wembley-Nacht entschieden und ist damit für alle Zeiten unsterblich.

Franck Ribéry, der König von Bayern und Arjen Robben, dessen Lupfer das Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund entschied, sind Ikonen des FC Bayern und Identifikationsfiguren eines Klubs, der in der jüngeren Vergangenheit einige seiner Säulen verloren hat.

Ribéry und Robben, das sind insgesamt 19 Jahre Bayern München, das sind 643 Pflichtspiele, 247 Tore und 265 Assists. Das sind sieben Meisterschaften, fünf Pokalsiege, ein Champions-League-Triumph und ein Weltpokalsieg. Das ist Geschichte.

Wohl kein anderes ausländisches Spielerpärchen hat den Rekordmeister so geprägt wie der Franzose und der Niederländer. Beide waren sich nicht immer grün, legendär ist Ribérys Backpfeife für Robben beim Auswärtsspiel in Bremen.

Aber beide konnten sich immer wieder auch zusammenraufen, alles dem Erfolg unterordnen und wurden im Laufe der Zeit sogar Freunde.

Nun hat das herzlich wenig mit der rauen Wirklichkeit des Profigeschäfts zu tun, beim FC Bayern aber schreiben sie sich den familiären Zusammenhalt so groß auf die Fahne, dass es im Hinblick auf den kommenden Sommer zwei elementar wichtige Fragen zu klären gilt: Was geschieht mit Ribéry? Und was geschieht mit Robben?

Robben sportlich wichtiger als Ribéry

Die Verträge beider Spieler laufen zum 30. Juni 2018 aus. Seit Monaten kursieren allerhand Gerüchte, es wird teilweise wild spekuliert.

Von Vereinsseite hält man sich bedeckt, die beiden Spieler reagieren zunehmend genervt oder ausweichend auf die dauerhaften Nachfragen. "Ich habe keinen Bock mehr, jede Woche darüber zu reden", sagte Robben nach dem Rückrundenauftakt der Bayern in Leverkusen. "Der Verein muss selbst entscheiden. Am Ende der Saison bin ich frei, da muss ich mir um meine Zukunft keine Sorgen machen."

Ribéry erzielte in der BayArena das vorentscheidende 2:0, rannte zum Fanblock und klopfte sich demonstrativ auf das Bayern-Emblem auf seiner linken Brust. Nach der Partie gab sich der Franzose einigermaßen zugeknöpft, was seine Zukunft in München angeht.

Die Bayern befinden sich im Umbruch und Ribéry und Robben sind die zwei letzten Speerspitzen jener Generation, die in der letzten Dekade insgesamt drei Champions-League-Finals erreicht hat.

Robben wird in wenigen Tagen 33 Jahre alt, Ribéry im Frühjahr sogar 35. Gerade der Franzose hat in den letzten Jahren doch etwas von seiner Explosivität eingebüßt.

Im Zusammenspiel mit David Alaba ist er immer noch bärenstark, das Prädikat Weltklasse bröckelt aber nun schon etwas länger.

Robben auf der anderen Seite ist eine Bank, sofern er nicht verletzt ist oder aus einer längeren Verletzungspause zurückkommt. In Leverkusen merkte man dem Niederländer die fehlende Spielpraxis an.

Mitte der Hinrunde aber, als die Bayern unter Jupp Heynckes langsam wieder zu mehr Sicherheit und auch den entsprechenden Erfolgen fanden, war Robben der Fixpunkt in einer verunsicherten Mannschaft.

Mögliche Nachfolger gibt es genug

Ribéry ist als Flügelspieler in bestimmten Momenten immer noch eine Waffe, als Führungsspieler oder Ankerpunkt für den Rest der Mannschaft hat er aber nicht die Aura und Größe wie Robben. Der ist auch sportlich flexibler einsetzbar, gerade wenn Joshua Kimmich als rechter Verteidiger eine Position hinter ihm spielt. Dann lässt sich Robben auch ins Zentrum fallen, wird von Kimmich hinterlaufen und kommt selbst zum Abschluss. Und auch sein Torschuss ist besser als der von Ribéry.

Robbens Stellenwert für die Mannschaft ist noch eine Spur höher einzuschätzen. Ist der Niederländer fit, dann ist er einer der Spieler im Kader, die auch in den wichtigen Duellen gegen die großen Gegner noch den Unterschied ausmachen können.

Ribéry fällt in der Beziehung doch deutlich ab, in Kingsley Coman hat der Franzose auch einen Landsmann im Nacken, der spielt wie der junge Ribéry: Unerschrocken, unaufhaltsam, flink.

Und trotzdem, so lässt sich vermuten, wird es im Falle einer möglichen Vertragsverlängerung für beide weitergehen bei den Bayern. Dann allerdings unter etwas anderen Voraussetzungen.

Robben dürfte der Allesspieler bleiben, ein Mann für die Startelf. Da ist es auch egal, wer sein Konkurrent auf der rechten Außenbahn wird.

Serge Gnabry soll ja nach seiner Leihe zurückkehren. Julian Brandt soll ein Kandidat sein, auch Atleticos Yannick Carrasco. Außenseiterchancen werden auch Bordeaux‘ Malcolm oder Florian Thauvin von Olympique Marseille eingeräumt.

Brazzo, Hoeneß und Mister X

Es werde für beide keine Gnadenverträge auf Grund früherer Verdienste geben, stellte Karl-Heinz Rummenigge dieser Tage nochmal klar. Das kann man Rummenigge glauben.

Auf der anderen Seite ist folgendes Szenario auch nahezu undenkbar: Robben bekommt noch einen Anschlussvertrag, Ribéry aber nicht. Der Franzose ist Uli Hoeneß ans Herz gewachsen, die beiden verbindet ein inniges und freundschaftliches Verhältnis.

Hasan Salihamidzic ist als Sportdirektor zwar eine entscheidende sportliche Instanz, es gilt aber als ausgeschlossen, dass sich Brazzo über Hoeneß' Willen hinwegsetzen und Ribéry vor die Tür setzen würde.

Gut denkbar ist deshalb ein etwas abgewandeltes Modell. Robben und Ribéry bekommen beide neue Verträge, wobei mit Ribéry eine etwas andere Rolle vereinbart wird: Der Routinier wird eine Art Stand-by-Profi, wie es zum Beispiel Lukas Podolski während der WM 2014 war. "Meine Präsenz ist sehr wichtig für die Mannschaft, für die Stimmung", sagte Ribéry der "Sport-Bild".

Das entscheidende Zünglein an der Waage dürfte aber der ab Sommer verantwortliche Trainer werden. Bei einer möglichen Weiterbeschäftigung von Heynckes hätten beide Spieler gute Chancen.

Sollte aber etwa Thomas Tuchel ab Juli übernehmen, dürften die Tage von Rib und Rob in München gezählt sein. Tuchel soll bei ersten Sondierungsgesprächen im Herbst schon angedeutet haben, dass er auf Sicht nicht mehr mit Ribéry und Robben plane, sollte er den Trainerposten bei den Bayern übernehmen.

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