Wer wird einmal Nachfolger von Arjen Robben und Franck Ribéry? Seit Jahren wird diese Frage beim FC Bayern diskutiert. Dabei steht die Antwort vielleicht schon jetzt im Kader: Kingsley Coman.

Es fehlte nicht viel und der Matchwinner des Münchner 3:1-Sieges gegen Hannover 96 hätte seine Fußballschuhe längst für Juventus Turin oder einen ganz anderen Verein geschnürt. Kingsley Coman kam im Sommer 2015 zunächst auf Leihbasis zum FC Bayern. Im Frühjahr 2017 endete die Frist für eine Kaufoption, die den Flügelspieler für rund 20 Millionen Euro endgültig von Turin nach München transferieren sollte.

Coman glänzte unter Guardiola

Die Verantwortlichen des Rekordmeisters zögerten lange, diese Option zu ziehen. Erst wenige Tage vor Ende der Frist im April fiel die Entscheidung. Coman trat nach einem vielversprechenden Start unter Pep Guardiola, bei dem er mit zehn Torbeteiligungen in der Liga vor allem als Joker glänzte, auf der Stelle. Carlo Ancelotti wusste nicht viel mit ihm anzufangen. Zudem warf ihn Ende 2016 eine schwere Verletzung zurück.

Coman wirkte verunsichert. Der Franzose, bekannt für seinen unglaublichen Antritt und eine unheimliche Reaktionsschnelle, litt am stärksten unter der fehlenden individuellen Arbeit des Trainerteams. Er ist alles andere als ein ausgereifter Spieler. Fehlende Orientierung und fehlende Vorgaben machen sich bei ihm schnell bemerkbar.

Auch heute, trotz eines sichtbaren Entwicklungssprunges unter Heynckes, ist die Entscheidungsfindung in Strafraumnähe seine größte Schwäche. Mal agiert er zu überhastet, wenn er seine ganze Wucht in einen Schuss wirft, statt präzise und ruhig zu agieren wie sein erfahrener Nebenmann Arjen Robben. Mal denkt er zu viel nach und macht den berühmten Haken zu viel, obwohl im Strafraum Mitspieler in aussichtsreicher Position lauern.

Durch seinen Treffer und seine Vorbereitung gegen Hannover schraubt er seine Torbeteiligungen auf immerhin vier in der Bundesliga. Nach 13 Einsätzen und einer enormen Anzahl von Strafraumaktionen ein absurd schwacher Wert.

Coman könnte "Robbery" beerben

Und doch wird immer mehr sichtbar, dass Coman die Antwort auf die Frage lauten könnte, wer die Topstars Robben und Franck Ribéry einmal beerbt. Xherdan Shaqiri und Douglas Costa sind aus unterschiedlichen Gründen an diesem Anspruch gescheitert. Coman schickt sich an, in diese Rolle hineinzuwachsen.

Die Wucht und vor allem die Dribbelstärke, die er mitbringt, sind im internationalen Fußball schwer zu finden. Coman kommt pro 90 Minuten über vier Mal an einem Gegner vorbei, seine Dribblings haben eine Erfolgsquote von 60 Prozent. Gerade einmal fünf Spieler in Europas Topligen haben einen besseren Wert. Darunter mit Lionel Messi, Eden Hazard und Naby Keita, der im Sommer für 70 Millionen Euro nach Liverpool wechseln wird, absolute Weltklasse-Spieler.

Coman kann Spiel beleben

Coman kann ein erlahmtes Spiel aus dem Nichts beleben. Eins gegen eins ist er wie Robben und Ribéry vor einigen Jahren nicht mehr zu verteidigen. Er zieht inzwischen regelmäßig zwei oder drei Gegenspieler auf sich. Dazu hat er auch gegen den Ball ein gutes Zweikampfverhalten, wenn er wie unter Heynckes häufiger selbst mit ins Gegenpressing geht.

In der französischen Nationalelf ist Coman fester Bestandteil des Kaders und regelmäßiger Gast in der Startelf. Spricht man mit Kennern des Marktes, wird über den kolportierten Marktwert von 20 Millionen nur müde gelächelt. Der 21-Jährige ist heute schon mehr als 50 Millionen Euro Wert. Trotz seiner beschriebenen Defizite.

Sicher weist der ein oder andere jetzt darauf hin, dass ein überragendes Spiel gegen Hannover nicht überbewertet werden sollte. Das stimmt. Coman muss sich auch in den wichtigen Spielen beweisen. Ohnehin wird es spannend, ob Heynckes Coman auch nach der Rückkehr von Ribéry und Robben weiter vertraut.

Klar ist: Ihm fehlt nicht mehr viel zu einem absoluten Weltklasse-Flügelspieler. Wird er torgefährlicher und ruhiger im Strafraum, hat Bayern seinen nächsten Weltstar. Und damit auch einen Nachfolger für das Erfolgsduo "Robbery".

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