Douglas Costas Sahne-Auftritte lassen Franck Ribéry derzeit beim FC Bayern München in Vergessenheit geraten. Obwohl der Franzose noch lange nicht wieder fit ist, stellt sich bereits die Frage, ob er nach einer möglichen Rückkehr beim FCB überhaupt noch unantastbar sein kann.

Douglas Costa will seinen Vornamen ausgesprochen wissen wie den des Hollywood-Schauspielers Michael Douglas. Das "ou" wie ein "a". Bei seiner Vorstellung vor einigen Wochen wurde darauf noch einmal explizit hingewiesen, gemerkt haben sich einige Berichterstatter und Fans das aber nicht.

Es dürfte aber nicht mehr lange dauern, dann sollte sich auch beim Letzten die richtige Herangehensweise an den Rufnamen des Bayern-Zugangs durchgesetzt haben.

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Die Verpflichtung des Brasilianers durch den FC Bayern München hat ja durchaus für Naserümpfen gesorgt, vor allem in Tateinheit mit dem Abgang von "Mia-san-Mia"-Ikone Bastian Schweinsteiger. Aber auch deswegen, weil man dem europäischen Leichtgewicht Costa, der jahrelang bei Schachtjor Donezk zwar zuverlässig gespielt, aber nie ganz groß aufgefallen war, die ganz großen Spiele gegen Ende einer Saison irgendwie nicht zutraute.

Costa - der große Gewinner des Supercups

Am Wochenende hat Douglas Costa nun das erste Pflichtspiel für seinen neuen Verein gespielt und im Team der unterlegenen Bayern war er der einzige Gewinner. Er habe noch nie gegen einen Spieler mit einer derart hohen Geschwindigkeit gespielt, sagte danach sein Wolfsburger Gegenspieler Vieirinha, der immerhin einer der besten Rechtsverteidiger der Bundesliga ist.

Costa spielte seinem Gegenüber in den ersten 45 Minuten förmlich Knoten in die Beine, war zu schnell, zu wendig, zu trickreich für den Wolfsburger, der "sich eine ganze Zeit klang nicht auf Costa einstellen konnte", wie Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking zu gab.

30 Millionen Euro haben die Bayern für Costa hingelegt. Dafür soll der 24-Jährige irgendwann einen der beiden Flügel übernehmen, den von Arjen Robben auf der rechten oder den von Franck Ribéry auf der linken Seite. Dieses "Irgendwann" ist im Fall Ribérys schon eingetreten. Der Franzose wird den Bayern noch bis in den Herbst hinein fehlen, mindestens. Die Verletzung am Sprunggelenk wird einfach nicht besser.

Die Sorge um eine Rückkehr des Routiniers vergrößert sich mit jeder weiteren verlorenen Woche. Allerdings, das haben die Tests gegen hochklassige Gegner und nun der Supercup gezeigt, scheinen die Bayern nach Jahren der Suche einen adäquaten Ersatz gefunden zu haben. "Der FC Bayern war immer am besten mit Robben und Ribéry. Ohne Franck und Arjen hatten wir Probleme im Eins-gegen-eins. Deshalb haben wir uns so um Douglas bemüht", sagt Pep Guardiola.

Zu früh für den Abgesang?

Es ist zu früh für einen Abgesang. Aber die Stimmen mehren sich, die Ribéry eine Rückkehr zwar noch zutrauen - sich dann aber gleichzeitig fragen, ob der in die Jahre gekommene Franzose jemals wieder seine volle Schaffenskraft entfalten kann. 32 Jahre alt ist Ribéry mittlerweile. Nimmt man die Faustregel, dass ein Spieler ebenso viel Zeit benötigt wieder in Topform zu kommen, wie er davor verletzt war, sehen wir einen zauberhaften Ribéry frühestens im kommenden Jahr.

Als Ribéry - und einige andere - in der heißen Phase im Frühjahr verletzt fehlten, gingen den Bayern ohne einen Plan B zwei Titel flöten. Jetzt gibt es wieder einen Plan A und der heißt Douglas Costa. "Er gibt uns einen Extra-Schuss Spritzigkeit", sagt Thomas Müller. Es sind Aussagen wie diese, die man vor ein paar Wochen, Monaten, sogar Jahren noch eins zu eins auf Ribéry hätte ummünzen können.

Die beiden ähneln sich in ihren Stärken und ihrer Spielanlage tatsächlich sehr, selbst die Sache mit den Vornamen haben sie gemeinsam. Auch Monate nach Ribérys Ankunft in München, da war er längst zum "neuen König von Bayern" erkoren, weigerten sich Uli Hoeneß oder Karl-Heinz Rummenigge beharrlich, "Fronck" statt "Frank" zu sagen.

Ribéry ist torgefährlicher

Abseits dieser eher zufälligen Anekdote gibt es aber auch noch ein paar wichtige Unterschiede zwischen beiden Spielern. Ribéry ist deutlich torgefährlicher und robuster im Zweikampf, der Franzose schiebt einen Gegenspieler während des Dribblings auch mal mit der Hand zur Seite und verschafft sich so Platz. Aber er ist eben auch acht Jahre älter als sein Kontrahent.

Costa verlässt sich auf seinen Antritt und auf die Tatsache, dass er schlicht zu gewandt ist für den Gegner. Momentan ist er sogar noch einen Tick zu selbstlos, wie in den ersten Spielen in einigen Situationen zu sehen war. Diese Eigenart wird er sich im Starensemble der Bayern schnell abgewöhnen.

Sein ehemaliger Trainer Mircea Lucescu traut ihm nicht zu, dass er den Sprung bei den Bayern schaffen wird. Die ersten Spiele deuten auf das Gegenteil hin. Jetzt gilt es, die starke Form zu konservieren und den Belastungen der Bundesliga und Champions League zu trotzen. Dann dürfte die Frage, ob die Bayern Franck Ribéry überhaupt noch brauchen, auch weniger ketzerisch sein.

"Franck ist ein großes Vorbild"

Den Franzosen und seine Karriere bei den Bayern hat Costa jedenfalls schon jeher verfolgt. "Franck ist ein großes Vorbild", hat er der Münchener "tz" erzählt. In vielerlei Hinsicht. Ribéry und später Robben haben die Flügelzange beim FC Bayern quasi erfunden. Beide sind aber verletzungsanfällig.

Durch Spieler wie Costa hat Ribéry einerseits nicht den ganz großen Druck, schnell wieder auf den Platz zu müssen. Auf der anderen Seite macht ihn jedes erfolgreiche Spiel der Mannschaft entbehrlicher. Zumal die Bayern nicht nur Costa in der Hinterhand wissen, sondern auch David Alaba, Juan Bernat, Mario Götze oder Thomas Müller auf der linken Seite einsetzen könnten - je nach Spielsystem.

Franck Ribéry steht unter Druck. Das weiß er selbst am besten, weshalb er sich seit Wochen öffentlich zurückhält und sich voll auf seine Rückkehr vorbereitet. Wenn er wieder fit sei, werde er auch wieder spielen, das war eine seiner letzten Botschaften. Nach derzeitigem Stand würde man darauf nicht besonders viel Geld setzen. Der neue König steht schon bereit.