Ein Kind mischt die U17-Bundesliga auf und alle Welt fragt sich: Ist Dortmunds Supertalent Youssoufa Moukoko wirklich erst zwölf Jahre alt? Um Deutschlands Wunderstürmer ist längst eine hitzige Diskussion entbrannt.

Das Bezirksamt Hamburg Nord hat in diesen Tagen eine durchaus veritable Berühmtheit erlangt. Aus der Behörde kam zu Wochenbeginn jene Bestätigung, über die halb Fußball-Deutschland derzeit debattiert. Es geht um den Nachwuchsspieler Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund und wie alt der Junge denn nun wirklich ist.

Moukoko spielt in der U17 des BVB, davor war er Spieler des FC St. Pauli und in Hamburg wohnhaft. Dem Bezirksamt liegt eine amtliche Geburtsurkunde aus Moukokos Heimatstadt Yaounde in Kamerun vor, ausgestellt vom deutschen Konsulat. Und die bestätigt das von Youssoufas Vater verteidigte Geburtsdatum des 20. November 2004. Demnach ist der Junge, der für Dortmunds U17-Junioren aufläuft, gerade einmal zwölf Jahre alt.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestreitet allerdings, dass die Ukrunde vom deutschen Konsulat in Yaounde ausgestellt worden sei. Womit auch schon das Dilemma der Geschichte erzählt wäre, das sich auf die Frage vereinfachen lässt: Ist Youssoufa Moukoko wirklich erst zwölf Jahre alt?

19 Tore in neun Spielen

Nun sieht Youssoufa nicht aus wie ein 12-Jähriger. Er ist groß gewachsen, stämmig, hat einen massiven Körper und einen unglaublichen Antritt. Und Youssoufa spielt auch nicht wie ein 12-Jähriger unter 17-Jährigen. Er spielt besser als fast alle seiner Mitspieler und Gegner.

Am Wochenende hat er im Derby gegen den FC Schalke 04 in der B-Junioren-Bundesliga West zwei Tore erzielt. Es waren seine Treffer 18 und 19 in dieser Saison. Bisher sind erst neun Spieltage absolviert. Er führt damit die Torschützenliste der West-Staffel mit großem Vorsprung an, der derzeit zweitplatzierte Schalker Rene Biskup bringt es auf lediglich neun Tore.

Und auch im deutschlandweiten Vergleich aller B-Junioren-Staffeln sind Moukokos Werte unerreicht. Der Spieler wäre auch ein Wunderkind, wenn er bereits 16 oder 17 Jahre alt wäre. Als Zwölfjähriger in dieser Liga ist er aber schlicht eine Sensation.

Selbst beim BVB sind sie uneins

Borussia Dortmund könnte sich glücklich schätzen so einen überbegabten Spieler in den eigenen Reihen zu wissen. Für die U17 ist Moukoko ein Segen und vielleicht schafft er es in ein paar Jahren ja tatsächlich zu den Profis. Aktuell beschäftigen die Verantwortlichen beim BVB aber nicht Moukokos Tore, sondern die Debatten um sein Alter. "Uns liegen die Geburtsurkunden vor. Sowohl aus Kamerun als auch aus Deutschland", bekräftigte Pressesprecher Sascha Fligge nochmals.

Aber auch innerhalb Dortmunds Nachwuchsleistungszentrum gehen die Meinungen einigermaßen auseinander. Nachwuchskoordinator Lars Ricken hat "keinen Zweifel" am Alter des Spielers und wollte zuletzt einigermaßen brüsk alle Vorwürfe aus der Welt schaffen. "Er ist zwölf, das ist ein Fakt", sagte Ricken den "Ruhr Nachrichten".

Der Teammanager der U23 Ingo Preuß formulierte seine Sicht der Dinge weniger unmissverständlich. "Ich könnte mir vorstellen, dass sein Alter lediglich geschätzt worden ist. Vielleicht ist er in Wirklichkeit ein, zwei Jahre älter." Dass ein Instagram-Foto von Moukoko mit dessen 18-jähriger Freundin die Runde machte, trägt nicht unbedingt zur Beruhigung der Lage bei.

Forderung nach einem MRT-Test

Für den BVB steht einiges auf dem Spiel, ebenso wie für den Deutschen Fußball-Bund. Moukoko spielt in der U16 des DFB und trifft auch dort regelmäßig. Gegen Österreich doppelt, vor wenigen Tagen gegen Belgien traf er fünf Minuten nach seiner Einwechslung. Längst steht die Forderung nach einem Alterstest im Raum.

Aber so einfach lässt sich ein Geburtstag bei einem Zwölfjährigen nicht einkreisen. Außerdem verweigert Youssoufas Vater bisher strikt jede medizinische Altersbestimmung. Die Borussia und der DFB halten sich vielleicht auch deshalb daran.

Die FIFA ist da allerdings stringenter. Nachdem immer wieder "Betrugsfälle" auftauchten oder es zumindest erhebliche Zweifel am Alter einiger Spieler bei großen Turnieren wie Weltmeisterschaften gab, hat der Weltverband ein Kernspinverfahren eingeführt, das anhand der Beschaffenheit der Handwurzelknochen bestimmen soll, wie alt ein Spieler ungefähr ist.

Dieses MRT kommt seit einigen Jahren vor den Turnieren zum Einsatz und war vor der U17-WM 2013 der Grund dafür, dass insgesamt 26 Spieler aus Nigeria nicht zum Turnier zugelassen wurden.

Alle Spieler seien angeblich deutlich älter als angegeben gewesen und hätten den Stichtag nicht eingehalten. "Eine MRT des Handgelenks ist eine einfache, zuverlässige, nicht invasive und völlig ungefährliche Methode zur Altersbestimmung", sagt Prof. Jiri Dvorak vom Zentrum für medizinische Auswertung und Forschung der FIFA.

Das Verfahren ist jedoch umstritten. Schon 2009 meinte die Interessenvertretung der deutschen Ärzte, die Methode der Knochenaltersbestimmung sei zur Bestimmung des Lebensalters ungeeignet. Der Grund: Menschen entwickeln sich unterschiedlich schnell. Daher weist nicht jeder das gleiche Knochenwachstum auf.

"Die Angst vor der Wahrheit"

2020 findet die nächste U17-WM statt, trotz aller Zweifel wird auch dort vermutlich im Vorfeld wieder getestet werden. Spielt Moukoko nur annähernd so weiter wie bisher, wird er definitiv ein Teil des deutschen Kaders sein. Bis dahin, so finden einige, sollten der DFB und die Borussia alle Zweifel beseitigt und die Sache endgültig und stichfest aufgeklärt haben.

Guido Tognoni, ehemaliger FIFA-Direktor, sieht im Interview mit dem "NDR" durchaus eine Gefahr für den Klub und den Verband und kann nicht verstehen, wieso Moukoko nicht längst getestet wurde. "Es ist die Angst vor der Wahrheit, womöglich noch als Rassist dazustehen. Aber dann kommt etwas heraus, was für den Deutschen Fußball-Bund allenfalls viel peinlicher wäre, als wenn man jetzt eine Untersuchung erzwingen würde."

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