Mit dem Sieg gegen Paris Saint-Germain setzt der FC Bayern ein starkes Signal an die Konkurrenz. Wichtigste Erkenntnis für Jupp Heynckes: Vermeintliche Problemfälle bestätigen gegen PSG ihre starke Form und könnten in Zukunft noch wichtiger für die Mannschaft werden.

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Mats Hummels war der einzige, der aus der Reihe tanzte. Die Bayern standen im Mittelkreis, ausgelaugt aber doch irgendwie beseelt.

Nur Hummels trottete Richtung Kabine, raunzte Co-Trainer Peter Hermann noch ein paar Worte zu und verschwand dann im Tunnel.

Das 3:1 der Bayern gegen Paris Saint-Germain war dem Innenverteidiger offenbar nicht genug, die Münchner hatten einen Sieg mit vier Toren Unterschied gebraucht, um in ihrer Champions-League-Gruppe doch noch Gruppenerster zu werden.

Phasenweise hatte es den Anschein, als würden die Bayern das Wunder gegen PSG tatsächlich schaffen können.

Der deutsche Rekordmeister hatte noch ein paar Dinge geradezurücken aus dem Hinspiel, als er von Paris ausgekontert und phasenweise gedemütigt wurde.

Im Vorfeld war viel von einem Prestigeduell zu lesen und davon, dass die Bayern sich zurückmelden müssten im Zirkel der ganz Großen Europas.

Ein Spiel, um die Zweifel auszuräumen, ob es die Bayern immer noch können in der Champions League.

Bayern aggressiv und clever

Das Ergebnis mag handelsüblich erscheinen, das Spiel in der Allianz Arena war es nicht.

Ein guter Indikator dafür war Schiedsrichter Cüneyt Cakir. Der Türke gilt als einer der besten Referees der Welt und er hatte sich womöglich auf einen eher geruhsamen Abend eingestellt.

Dann spielten die Bayern und PSG aber Hochgeschwindigkeitsfußball der Extraklasse, es rappelte in den Zweikämpfen und schon in der ersten Halbzeit wandelte der eine oder andere Spieler nahe an einem Platzverweis.

Die Bayern spielten dabei noch ein bisschen intensiver und aggressiver, sie schnürten die Gäste ab der Mittellinie ein und verstellten die Passlinien auf den Supersturm Neymar-Mbappé-Cavani.

Das funktionierte zwar nicht immer, aber die ebenso schlaue wie konzentrierte Defensivleistung erinnerte schon ein wenig an jene Bayern aus der Triple-Saison.

"Der Schlüssel zum Erfolg war die gesamte Mannschaft, vor allem, dass wir clever gespielt haben. Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Gegen Paris darf man nicht offen spielen, das haben wir nur ein- oder zweimal gemacht", zeigte sich Jupp Heynckes sehr zufrieden mit seiner Mannschaft.

In der Offensive ging es viel und schnörkellos über die Außen. James und Kingsley Coman bestätigten ihre derzeit ausgezeichnete Form und lieferten den greifbaren Gegenentwurf zum Hinspiel.

Coman dreht wieder auf

James war zwar der erklärte Wunschspieler von Ex-Trainer Carlo Ancelotti, durfte aber nur vereinzelt ran und fand unter dem Italiener nicht zu seiner Form.

Coman hatte sogar einen noch schwereren Stand. Der Franzose zweifelte an sich selbst und ließ seine Trainer und die Fans nicht selten verzweifeln.

In den vorherigen Spielen blühen beide aber regelrecht auf und deuten an, dass sie im heißen Frühjahr mit den wirklich wichtigen Spielen noch von entscheidender Bedeutung sein könnten für die Bayern.

"Kingsley wird immer stärker, ist körperlich topfit, kann lange Sprints anziehen und hat auch die nötige Übersicht. Er hat jetzt mehr Selbstbewusstsein und mehr Anerkennung von den Kollegen und den Fans", sagte Heynckes über seinen Flügelspieler, der immer häufiger andeutet, dass er sehr wohl ein legitimer Nachfolger von Franck Ribéry oder Arjen Robben werden könnte.

James und Coman bereiteten vor, Corentin Tolisso und Robert Lewandowski vollstreckten.

Tolisso wirkt wie ein Gegenentwurf zu den Stars des Gegners, mit 41 Millionen Euro Ablöse zwar immer noch der teuerste Transfer der Klub-Geschichte - aber eben auch ein Schnäppchen im Vergleich zu Paris' kostbaren und kostspieligen Juwelen.

Ulreich ein starker Rückhalt

Und dann war da noch Sven Ulreich. Der Ersatzmann des dauerverletzten Manuel Neuer hatte den schwersten Stand und Start von allen.

Die turmhohe Aufgabe schien Ulreich in den ersten Spielen für die Bayern zu erdrücken, in den vergangenen Wochen hat sich Ulreich aber freigeschwommen und gegen Paris mit einigen spektakulären Paraden den Sieg festgehalten.

Nicht die Etablierten, nicht Hummels, Ribéry oder Lewandowski, waren die auffälligen Spieler in diesem bedeutenden Spiel.

Sondern die ehemaligen Sorgenkinder, von einigen schon etwas voreilig gewogen und für zu leicht befunden.

So schön und befreiend der Sieg auch war und den Bayern vermutlich eine gute Portion Selbstvertrauen schenken wird, gab es doch auch Phasen, in denen die Partie zu kippen drohte.

Paris spielte zwar engagiert, aber nicht bis zum Äußersten entschlossen. Als die Mannschaft dann zehn Minuten vor und 15 Minuten nach der Pause das Tempo anzog und andeutete, wie explosiv die Offensive sein kann, bekamen die Bayern schnell Probleme.

Erneut kassieren die Bayern ein Gegentor

Die Bayern haben in ihren Spielen immer noch Phasen, in denen der Gegner zu frei agieren kann.

Auch gegen Paris stand am Ende nicht die Null, es war das vierte Pflichtspiel in Folge mit mindestens einem Gegentor und damit die längste Serie im Kalenderjahr 2017.

Die Bayern haben sich zurückgemeldet und geben in dieser Form einen der unangenehmeren Gruppenzweiten ab.

Sie sind auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Aber man hat jetzt wieder das Gefühl, dass die Maßnahmen der Verantwortlichen einem großen, übergeordneten Ziel folgen.

Jupp Heynckes hat gegen PSG auf wichtige Spieler verzichtet, unter anderem auf den zuletzt bärenstarken Javi Martinez.

Weil Heynckes weiß, wie wichtig auch die Kaderspieler mit den Nummern 15 bis 20 sind und nicht nur eine erste Elf plus drei Ergänzungsspieler.

Diese Spieler aus der zweiten Reihe hält der 72-Jährige nicht nur bei Laune, sondern macht sie mit seiner dosierten Rotation auch wieder besser.

Das könnte sich auf Sicht noch als großer Vorteil entpuppen. Mehr noch als der Sieg in einer Gruppe mit Paris Saint-Germain.

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