Wenn am Mittwoch der FC Bayern die Borussia aus Dortmund im DFB-Pokal empfängt, steht eine Frage im Mittelpunkt: Wer ist die beste Mannschaft in Deutschland? Wieder einmal kämpfen der Rekordmeister und der amtierende Deutsche Meister um den inoffiziellen Titel. Doch anders als in der Vergangenheit gibt es keine großen Wortgefechte - Stille statt Säbelrasseln ist das Motto vor dem Gigantenduell.

17 Punkte Vorsprung in der Liga, im Champions-League-Achtelfinale den FC Arsenal auf der Insel mit 3:1 besiegt, am Wochenende mit dem zweiten Anzug Werder Bremen mit 6:1 nach Hause geschickt: Momentan läuft's beim FC Bayern. Doch heute Abend wartet mit Borussia Dortmund der erste wirkliche Härtetest auf die Münchner. Mit einer Niederlage im Pokal-Viertelfinale gegen Dortmund bekäme die bisher "perfekte Saison" (BVB-Trainer Jürgen Klopp über den FC Bayern) den ersten Kratzer.

Das will vor allem Jupp Heynckes verhindern. Und weil der 68-jährige Trainer "am liebsten nur gegen die gegnerische Mannschaft" und nicht gegen eine aufgeheizte Stimmung spielt, müht er sich, die Bedeutung des Duells gegen Dortmund so weit wie möglich herunterzuspielen. Dabei ist das Gigantenduell eigentlich die perfekte Vorlage für die sonst so schussfreudige "Abteilung Attacke" der Münchner. Doch die Bayern geben sich diesmal bescheiden - und das aus gutem Grund.

"Ich liefer' keine Überschriften"

Kein Team hat den Bayern in den vergangenen Jahren so viele schmerzhafte Niederlagen beigebracht wie der BVB: Seit über drei Jahren hat die Borussia mit Ausnahme des reichlich unbedeutenden Supercups 2012 kein Pflichtspiel mehr gegen die Münchner verloren - und vor dem 1:1 im Erstligaduell vor knapp vier Monaten sogar fünfmal in Serie gewonnen. Besonders deutlich war die 2:5-Klatsche im DFB-Pokalfinale des vergangenen Jahres, in dem die Münchner regelrecht vorgeführt wurden.

Zeit für die große Revanche also? "Das können sie vergessen", sagte Heynckes auf der letzten Pressekonferenz vor dem Pokalspiel. Die Borussia sei lediglich "eine Mannschaft, die sich auf Augenhöhe mit uns duelliert". Mehr nicht. Keine Kampfansage, keine verbale Attacke. Basta.

Ganz so einfach ist die Sache dann aber doch nicht. FCB-Talent Toni Kroos lehnte sich zumindest ein bisschen aus dem Fenster - und spricht offen vom Nummer-1-Status des FC Bayern in Deutschland, um die Aussage umgehend wieder zu relativieren: "Wir konnten es leider die letzten zwei Jahre nicht beweisen, auch wenn es da schon meine Meinung war." Und auch der sonst für sie seine klaren Aussagen bekannte Thomas Müller gab sich kleinlaut: "Wir wissen, womit sie uns in letzter Zeit wehgetan haben." Anschließend war er kurz davor, doch noch eine Kampfansage in Richtung Dortmund zu schicken: "Wir wollen zeigen, wer ..." Doch im letzten Moment verkniff er sie sich: "Ich liefer' keine Überschriften."

BVB: Champions League als Motivationsspritze

Das macht auch Jürgen Klopp nicht, viel zu sehr gefällt ihm die Rolle des Underdogs. So konnte er nach seinem Amtsantritt 2008 ja auch heimlich still und leise eine Top-Mannschaft zusammenstellen und in den Folgejahren den Bayern drei nationale Titel vor der Nase wegschnappen. Auch in der Champions League hat seine Strategie mit dem Achtelfinaleinzug in diesem Jahr erste Früchte getragen.

An die guten Leistungen in der Königsklasse will Klopp gegen die Bayern anknüpfen: Man nehme das Duell "wie ein Auswärtsspiel in der Champions League." Denn gerade dort haben die Dortmunder in diesem Jahr brilliert, gerade dort "hatten einige auch schon mehr Spaß als gegen uns", so Klopp.

Und auch vor den Bayern müsse sich der BVB nicht verstecken: Man sei "einer von wenigen Vereinen auf dem Planeten, die die Bayern schlagen können." Klopp weiß aber auch, dass seine Elf dazu schon "einen außergewöhnlichen Tag" erwischen müsse. "98 Prozent reichen nicht."

FCB "bescheidener und demütiger" geworden

Für die restlichen zwei Prozent könnte der in der Liga gesperrte Robert Lewandowski sorgen. Er weiß, wie man gegen die Bayern Tore schießt. Er hat sein Team im vergangenen Mai mit einem Dreierpack quasi im Alleingang zum DFB-Pokal-Gewinn geschossen und steht seitdem ganz oben auf dem Wunschzettel der Münchner.

Der polnische Stürmer sieht einen entscheidenden Vorteil für die Dortmunder: "Wir haben wesentlich weniger Druck als die Bayern. Wenn sie verlieren, ist der Aufschrei größer", sagte er der "Sport Bild". Damit hat er Recht. Zwar dürfte die titellose Zeit der Münchner in diesem Jahr ein Ende finden, bei 17 Punkten Vorsprung ist ihnen die Meisterschaft wohl nicht mehr zu nehmen. Aber zum Selbstanspruch der Münchner gehört eben auch der Sieg im DFB-Pokal - und natürlich der inoffizielle Titel, die beste deutsche Mannschaft zu sein.

Doch anders als in der Vergangenheit soll das nur noch auf dem Platz und nicht mehr verbal klar gemacht werden: Man sei nach den Niederlagen der vergangenen Jahre "bescheidener und demütiger" geworden, sagte Heynckes. Eindeutig auch ein Verdienst des BVB.

FC Bayern - Borussia Dortmund: voraussichtliche Aufstellungen

FC Bayern: Manuel Neuer - Philipp Lahm, Daniel van Buyten, Dante, David Alaba - Javi Martinez, Bastian Schweinsteiger - Thomas Müller, Toni Kroos, Arjen Robben - Mario Mandzukic

Borussia Dortmund: Roman Weidenfeller - Lukasz Piszczek, Felipe Santana (Mats Hummels), Neven Subotic, Marcel Schmelzer - Sven Bender (Sebastian Kehl), Ilkay Gündogan - Jakub Blaszczykowski, Mario Götze, Marco Reus - Robert Lewandowski

Schiedsrichter: Knut Kircher