Neuer Trainer, neues System, viele Verletzte: Der FC Bayern hat vor dem Start in die Saison einige Baustellen, dem Rekordmeister droht ein ruckeliger Beginn in die "Mission Triple".

Jetzt geht sie also los, die "Mission Triple". Jupp Heynckes hat seinem Herzensverein eine überdimensionierte Aufgabe hinterlassen und es scheint so, als wäre "das Triple oder nichts" mittlerweile integraler Bestandteil des bajuwarischen Selbstverständnisses.

Josep Guardiola ist daran "gescheitert". Wenn man denn nach drei Meistertiteln und zwei Pokalsiegen in drei Jahren von "gescheitert" sprechen mag. Nun ist es also Carlo Ancelotti, der es richten soll.

Die Bayern haben sich auf der Trainerposition verändert und sie haben ihren Kader dementsprechend angepasst. Das Dogma vom vielen Ballbesitz, vom geordneten, ruhigen Spielaufbau wurde bereits in den vergangenen Monaten unter Guardiola aufgeweicht. Die Bayern waren plötzlich auch eine gefürchtete Kontermannschaft. Und Gegenpressing konnten sie dank Guardiola auch ziemlich gut.

"Brauchen noch ein wenig Zeit"

Mit Ancelotti wird der Rekordmeister aber einen etwas anderen Stil pflegen. Unter Umständen wird dieser sogar dem Gegner angepasst, mit weniger "Mia san mia" und etwas mehr Adaption auf das, was den Bayern angeboten wird.

Einen ersten Vorgeschmack darauf lieferte die erste Halbzeit des Supercups gegen Borussia Dortmund, als es die Bayern waren, die Ball und Gegner hinterherlaufen wollten oder mussten - am Ende aber dann eben doch gewannen.

Eine Saison unmittelbar nach einem Großereignis wie einer EM ist gemeinhin für die Top-Klubs immer ein bisschen ein Lotteriespiel. Manche Spieler kommen verletzt zurück oder sind völlig ausgelaugt - oder beides. Manche kommen niedergeschlagen, andere nach ausgiebigen Feiern zurück. Fast alle aber haben gemeinsam, dass sie verhältnismäßig spät wieder in einen geregelten Trainingsbetrieb einsteigen können.

Das wird auch vor dieser Saison bei den Bayern nicht anders sein. Dazu kommt die gewollte Systemumstellung, an das "wir uns einfach noch gewöhnen müssen. Und dafür brauchen wir noch ein wenig Zeit", wie Kapitän Philipp Lahm sagt. Dass unmittelbar vor dem Auftakt im Pokal bei Carl Zeiss Jena selbst die Bayern mit Personalproblemen zu kämpfen haben, war indes nicht einkalkuliert.

Unter der Woche verletzte sich auch noch Kingsley Coman am Knöchel und fällt längere Zeit aus. Zusammen mit Douglas Costa, Arjen Robben, Renato Sanches, Jerome Boateng und Holger Badstuber, die sich alle im Aufbautraining nach Verletzungen befinden, wächst das Münchener Lazarett bedrohlich an. Dass gegen Jena nun auch Xabi Alonso und Thiago kurzfristig abgesagt haben, macht die Partie beim Regionalligisten noch brisanter.

Jena ist ein unbequemer Gegner

Jena hat bereits letzte Saison in der ersten Runde den Hamburger SV rausgekegelt. Jena hat eine Mannschaft und Vereinsstrukturen für die dritte Liga, derzeit führt das Team die Regionalliga Nordost mit vier Siegen aus vier Spielen und 8:0 Toren souverän an. Einen lockeren Auftakt wie in den vergangenen Jahren gegen Teams aus Rehden oder Nöttingen wird es im Ernst-Abbe-Sportfeld nicht geben.

Der Supercup in Dortmund hat einige Probleme der Münchener offengelegt, die die Mannschaft sehr wahrscheinlich auch in den kommenden Wochen noch begleiten werden. Die Abstimmung der derzeit gesunden Innenverteidiger Javi Martinez und Mats Hummels ist stark verbesserungswürdig, Hummels zudem erst seit zwei Wochen im Training.

Über die Flügel konnten die Bayern kaum richtigen Druck entfachen, es fehlen die Spezialisten wie Coman, Costa, Robben, um die vielen engen Spielsituationen mit einem Dribbling oder Sprint auszulösen. "Wir haben einen starken Kader, das darf man nicht vergessen. Trotzdem fehlen wichtige Spieler, die kreativ sind", sagt Lahm. "Spieler, die etwas reißen können in der Offensive, die schnell und wendig sind. Uns fehlt schon eine Qualität im Eins-gegen-eins, die nicht jeder Spieler mitbringt."

Andere können sich zeigen

Panikaktionen auf dem Transfermarkt dürften dennoch ausgeschlossen sein. "Ich bin glücklich mit dieser Mannschaft. Wir brauchen keinen neuen Spieler", sagt Ancelotti und klingt dabei ehrlich.

Vielmehr besteht nun die Chance für andere Spieler. Rafinha zum Beispiel, für den ohne die Ausfälle und die anzunehmende Versetzung Lahms ins zentrale Mittelfeld nur ein Platz auf der Bank geblieben wäre.

Oder Julian Green. Der US-Nationalspieler hat in der Vorbereitung ein paar Ausrufezeichen gesetzt. Die lahmen Flügel könnten ihm wie gerufen kommen. Zwar sieht sich Green selbst eher im Angriffszentrum am besten aufgehoben, aber für den 21-Jährigen zählen nach zwei verlorenen Jahren jetzt nur noch Einsätze.

Die Bayern könnten einen ruckeligen Start in die neue Saison haben, die Vorzeichen lassen das jedenfalls erahnen. Aber wenn die Jahre unter Guardiola eines gezeigt haben, dann die Tatsache, dass es erst im letzten Drittel einer Saison so richtig interessant wird für einen Klub wie die Bayern.

Bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit, um das wahr zu machen, was bisher in 116 Jahren Vereinsgeschichte genau einmal gelang: das Triple nach München zu holen.