• Nach mehr als zwei Jahren Pause gehört Thomas Müller wieder zum Kreis der Nationalmannschaft.
  • Die Freude darüber ist dem 31-Jährigen in jedem Moment der Vorbereitung auf die anstehende EM anzumerken.
  • Kurz gesagt: "Radio" Müller sendet wieder - mit interessanten Zwischentönen.

Mehr Themen zur EM 2021 finden Sie hier

Die spontane Einlage im Presseraum des DFB im EM-Trainingslager in Seefeld in Tirol dokumentierte: Die Stimmung im deutschen Kader ist bestens und die Vorfreude auf die am 11. Juni beginnende EM da.

Mats Hummels platzte in die Pressekonferenz seines einstigen Münchner Kumpels Thomas Müller. Der Weltmeister von 2014 setzte sich gerade mit den Titelchancen der Belgier auseinander, als Hummels Müller an einen "Anschlusstermin" erinnerte und den Auftritt des Mit-Rückkehrers in den Schoß des DFB launig beendete: "Ich nehm' ihn euch weg. Er liefert euch in kurzer Zeit noch genug Geschichten".

Seitdem der scheidende Bundestrainer Joachim Löw Müller nach dessen 100. Länderspieleinsatz gegen die Niederlande am 19. November 2018 glaubte, ihn - wie auch Hummels - nicht mehr zu brauchen, beschäftigte die Geschichte von Müllers möglicher Wiederaufnahme die Medien und die Fans.

An den Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey kann jeder teilnehmen. In das Ergebnis fließen jedoch nur die Antworten registrierter und verifizierter Nutzer ein. Diese müssen persönliche Daten wie Alter, Wohnort und Geschlecht angeben. Civey nutzt diese Angaben, um eine Stimme gemäß dem Vorkommen der sozioökonomischen Faktoren in der Gesamtbevölkerung zu gewichten. Umfragen des Unternehmens sind deshalb repräsentativ. Mehr Informationen zur Methode finden Sie hier, mehr zum Datenschutz hier.

Löw hat diesbezüglich mit der EM-Nominierung Müllers für ein Happy End gesorgt. Es soll die Vorstufe zu einem versöhnlichen Ende der Ära Löw als Bundestrainer sein.

Lesen Sie auch: Was mit diesem Kader für Deutschland bei der EM möglich ist

Thomas Müller hat Joachim Löw seine Ausbootung vergeben

Müller hat die "persönliche Niederlage", vorübergehend aufs Altenteil abgeschoben worden zu sein, zumindest offiziell verwunden. "Meine DFB-Aufenthaltsquarantäne war länger als 14 Tage", scherzte der 31-Jährige im Stile von "Radio" Müller, um nachzuschieben: "Schnee von gestern" sei das. Bei der EM wolle er "Großes" erreichen.

"Ich habe Erfahrung im Gepäck. Ich will vorangehen. Ich will ein Katalysator sein, damit das Team den Turbo zünden kann". Voraussetzung dafür sind nicht nur fußballerische Fertigkeiten und taktisches Verständnis. Wie bei jedem Turnier geht es vor allem auch um die Teamchemie. Stimmt diese, ist das mindestens die halbe Miete.

Müller nimmt die von ihm erwartete Führungsrolle gerne an. Dabei gehe es bei ihm nicht "ums Brüllen und die Lautstärke" auf dem Platz. Aber für den Erfolg "darf es auch mal verbal scheppern". Im Training weiß Müller, dass jeder der 26 Nominierten um einen Platz in der Startelf ringt. Dementsprechend geht es - was der vermittelten Harmonie nicht zwangsläufig widerspricht - in den Einheiten zur Sache. "Ich will Spiele gewinnen, ich will Trainingsspiele gewinnen, ich will meine Mitspieler anstacheln", unterstrich Müller seinen Tatendrang.

Mats Hummels: "Mein Ziel war, wieder für Deutschland zu spielen"

Auch Hummels untermauerte, sich sportlich und als Typ" voll einbringen zu wollen. Auch ihm habe die zwischenzeitliche Verbannung aus der Nationalelf "weh getan. Es war ein Ziel von mir, mich wieder hier reinzuarbeiten. Aus Ehrgeiz - und weil es auch eine Ehre für mich ist, für Deutschland zu spielen."

Die Müller-Show, die Hummels mit seinem Eingreifen beendete, vermehrte wenige Stunden nach dem Champions-League-Triumph der deutschen Chelsea-Fraktion um Matchwinner Kai Havertz die Aufbruchstimmung. Müller, der zuvor in einem Videobeitrag auf Instagram Manchester City in der Favoritenrolle gesehen hatte, verströmte Optimismus und Energie: "Ich spüre, dass diese Mannschaft ans Limit gehen wird."

Thomas Müller, Nations League, Deutschland, Niederlande, Gelsenkirchen, 2018/19
Bildergalerie starten

EM 2021: So sieht der deutsche Kader aus

26 Spieler durfte Bundestrainer Joachim Löw für sein EM-Aufgebot nominieren. Wir zeigen, wer es ins Aufgebot geschafft hat.

Vor seinem Länderspiel-Comeback an diesem Mittwoch in Innsbruck gegen Dänemark hofft Müller auf möglichst "euphorische sechs Wochen" - an deren Ende die deutsche Finalteilnahme stehen soll. Noch einmal bei einem Turnier die "deutschen Farben zu vertreten und um den Titel mitzuspielen", reizt Müller. Was danach komme, wenn Hansi Flick als Bundestrainer übernimmt, interessiere ihn jetzt "nullkommanull".

Die von Löw tags zuvor geforderte "Gewinnermentalität" lebt der frisch gebackene Deutsche Meister vor. "Der Bundestrainer weiß, was er für ein Paket dazugeholt hat."

Joachim Löw fordert von Thomas Müller und Mats Hummels Leistung ein

Dieses Paket umfasst neben Müller auch den zweiten prominenten Rückkehrer. "Thomas und Mats wissen von mir, dass sie eine wichtige Rolle spielen, wenn man sie zurückholt. Sie können mit ihrer Erfahrung und ihrem Können der Mannschaft helfen", sagte Löw - fügte aber gleich hinzu: "Sie müssen auch Leistung bringen."

Lesen Sie auch:

Ohne die wäre Müller gar nicht in Seefeld. Seine Leistung war es in der abgelaufenen Saison - wie auch im Falle Hummels in Dortmund - die dem Bundestrainer praktisch keine andere Wahl ließ, als zweien seiner WM-Versager von 2018 wieder zu vertrauen. Müller erzielte in der abgelaufenen Saison mit elf Bundesligatoren so viele wie seit fünf Jahren nicht. Damals - in der Saison vor der EM 2016 - waren es 20. Und mit 21 Torvorlagen stellte Müller seinen eigenen Rekord in dieser Kategorie aus der Saison 2019/20 ein.

Zum Nachlesen: Der Live-Ticker zur Nominierung des deutschen EM-Kaders

Mit Material der dpa
Teaserbild: © imago images/kolbert-press/Christian Kolbert