Nach jahrelanger Pause betreten Eintracht Frankfurt und der SC Freiburg die europäische Fußball-Bühne. Zunächst empfängt die Mannschaft von Trainer Armin Veh Girondins Bordeaux (heute 19:00 Uhr live hier im Ticker und auf Sky), im Anschluss haben die Breisgauer Slovan Liberec (heute 21:05 Uhr hier im Ticker, auf Kabel1 und auf Sky) zu Gast. Frankfurt will seinen Aufwärtstrend fortsetzen, Freiburg das dringend benötigte Erfolgserlebnis einfahren.

Nach sieben Jahren Abstinenz erleben die Fans von Eintracht Frankfurt wieder europäischen Fußball. Und passend zum Auftaktmatch gegen Girondins Bordeaux zeigt die Formkurve der Mannschaft von Trainer Armin Veh nach oben. Der souveräne und hochverdiente 3:0-Erfolg bei Werder Bremen ließ den misslungenen Bundesliga-Start vergessen. "Wir sind heiß auf die Europa League", betont Veh und spiegelt damit die Gefühlslage einer ganzen Stadt wieder.

Bordeaux verzichtet auf Stammkräfte

Und die Vorzeichen auf einen Sieg könnten deutlich schlechter sein. Bordeaux gelang in der heimischen Ligue 1 in fünf Versuchen erst ein Dreier. Der ruhmreiche Klub rangiert auf Platz 16. Zudem schont Trainer Francis Gillot zahlreiche Profis – mit Marc Planus, Hadi Sacko, Ludovic Lamine Sané und Joël N'Guémo stiegen gleich vier Stammkräfte gar nicht erst in den Flieger ein.

Für die Frankfurter Vereinsführung Grund genug, vor einer zu fahrlässigen Gangart zu warnen. "Viele Leute tun so, als ob wir mit links gewinnen können", sagt Sportdirektor Bruno Hübner, "aber diese Mannschaft wird völlig zu Unrecht unterschätzt." Auch Veh weigert sich, trotz der diversen Probleme des Gegners die Favoritenrolle anzunehmen. Vom derzeitigen Tabellenplatz des französischen Pokalsiegers solle man sich "nicht blenden" lassen.

Und immerhin fehlen auch der Eintracht einige Leistungsträger: Bastian Oczipka, Pirmin Schwegler und Jan Rosenthal fallen verletzungsbedingt aus. Torjäger Alex Meier hofft nach Oberschenkelproblemen zumindest auf der Bank Platz zu nehmen.

Dafür steht Veh Torjäger Vaclav Kadlec zur Verfügung. Der für 3,5 Millionen Euro von Sparta Prag verpflichtete Tscheche netzte für die Hessen bereits dreimal ein, zuletzt doppelt beim Auswärtssieg in Bremen. "Er ist ein außergewöhnliches Talent und kann ein außergewöhnlicher Spieler werden", prophezeit Veh dem 21-Jährigen im "kicker" eine vielversprechende Zukunft. Sportdirektor Bruno Hübner ist mit den gezeigten Leistungen des Zugangs ebenso zufrieden: "Es hat sich definitiv gelohnt, so lange um ihn zu kämpfen."

Mit einem Sieg gegen Bordeaux könnte Frankfurt einen großen Schritt in Richtung Zwischenrunde machen. Mit Apoel Nikosia und Maccabi Tel Aviv warten im Anschluss zwei machbare Gegner. "Wir wollen international überwintern", macht Hübner die folgerichtigen Ambitionen deutlich.

Freiburg benötigt Erfolgserlebnis

Etwas verhaltener dürfte die Zielsetzung des zweiten deutschen Europa-League-Starters sein. Der SC Freiburg hat in der Liga einen klassischen Fehlstart hingelegt. Nun will das Team von Christian Streich das internationale Geschäft zunächst einmal dafür nutzen, sich das abhanden gekommene Selbstvertrauen zurückzuholen. "Wir sind gegen Slovan Liberec bestrebt, ein Erfolgserlebnis zu haben, was uns für die nächsten Spiele sehr gut tun würde", erklärt Freiburgs Kapitän Julian Schuster. "Das Spiel kommt uns sehr gelegen", gibt auch SC-Coach Streich zu Protokoll.

Schlechte Stimmung herrscht im Breisgau trotz der mageren Ausbeute von zwei mickrigen Bundesliga-Punkten nicht. Die Vorfreude auf den ersten Auftritt in Europa seit zwölf Jahren will sich der Sportclub nicht nehmen lassen. "Selbstverständlich freuen wir uns, im Europapokal zu spielen. Das haben wir uns in der vergangenen Saison hart erarbeitet", betont Streich, um die Duelle in der Gruppe mit Liberec, Estoril Praia und den FC Sevilla dann aber doch noch richtig einzuordnen: "Natürlich ist die Bundesliga das Wichtigste für uns." Als Freiburg zuletzt international kickte, folgte am Ende der Abstieg in Liga zwei. Das soll sich in diesem Jahr nicht wiederholen. Trotzdem gilt der Fokus momentan dem Europa-League-Gegner.

Streich warnt vor Kontern

"Slovan Liberec ist sicher neben Viktoria Pilsen im Moment die beste Mannschaft in Tschechien", glaubt Streich. "Sie spielen kompakt und sind sehr konterstark, bewahren die Ruhe und sie sind physisch wie mental eine ganz starke Mannschaft." Vor allem das schnelle Umschaltspiel der Tschechen bereitet dem Sportclub Sorgen. Schuster fordert bei "baden.fm" daher, den Gegner nicht "einzuladen" und "kompakt und gut gestaffelt" zu stehen.

Einer, der im Vergleich zu seinen Mannschaftskollegen über reichlich internationale Erfahrung verfügt, ist Mike Hanke. Der Stürmer schätzt sein Team trotz der momentanen Schwächeperiode als "Mitfavorit" in der Gruppe ein. Das Ziel müsse sein, "die Gruppenphase zu überstehen." Wie das geht, weiß der 29-Jährige auch: Man solle die Europa League "genießen", so die einfache Antwort Hankes. "Druck" bleibt in Freiburg anscheinend ein Fremdwort.