Die schlimme Klatsche im spanischen Clasico gegen Barcelona hat bei Real Madrid wohl unmittelbare personelle Konsequenzen. Aus dem Umfeld von Real-Präsident Florentino Perez heißt es, dass Trainer Julen Lopetegui den Hut nehmen muss. Ein prominenter Nachfolger steht bereits bereit.

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Wenige Stunden nach der herben Clasico-Klatsche beim FC Barcelona war die kurze Ära von Julen Lopetegui als Trainer von Real Madrid wohl schon vorbei. Als Nachfolger wolle Real-Boss Florentino Pérez bereits am Montag den Italiener Antonio Conte verpflichten, berichteten am Sonntagabend unter anderem die gewöhnlich gut informierten Madrider Sportzeitungen "Marca" und "AS".

Die Pérez-Pläne wurden der Deutschen Presse-Agentur dpa auch von Personen bestätigt, die dem Clubpräsidenten nahe stehen. "Man hat sich für Conte entschieden, weil er zum Club passt. Es bleibt nur abzuwarten, wann es offiziell mitgeteilt wird", hieß es. Conte, der bis Juli 2018 den FC Chelsea trainiert hatte, werde voraussichtlich am Montag nach Madrid fliegen, um den Vertrag zu unterzeichnen, hieß es weiter.

Zuvor hatte der FC Barcelona den Erzrivalen noch tiefer in die Krise geschossen. Der Tabellenführer und Titelverteidiger der Primera División fegte vor eigenem Publikum den Champions-League-Sieger um Toni Kroos mit 5:1 (2:0) vom Platz und baute damit den Vorsprung auf die Madrilenen nach zehn Runden bereits auf sieben Punkte aus. Held des Tages war der Uruguayer Luis Suárez mit einem Dreierpack, der verletzte Superstar Lionel Messi wurde nicht vermisst.

Mannschaft steht hinter dem Trainer

"Wir stehen bis zum bitteren Ende hinter dem Trainer. Die Entscheidungen werden aber oben getroffen", sagte Real-Kapitän Sergio Ramos vielsagend. Man werfe noch nicht das Handtuch. "Ich habe schon Ligatitel gewonnen, bei denen wir schon zehn Punkte zurücklagen", sagte Ramos nach nun fünf Liga-Spielen in Serie ohne Sieg. Es gehe jetzt darum, "den Kopf hochzukriegen". Auch der Trainer gab sich kämpferisch - doch er hatte keine Chance mahr. Der 52-Jährige hatte erst im Juli die Nachfolger des zuvor zurückgetretenen Zinédine Zidane angetreten.

Nach der vierten Liga-Niederlage fiel Real auf Platz neun zurück (14 Punkte). Barcelona (21) führt LaLiga vor Atlético Madrid (19) und Espanyol Barcelona (18) an. Vor knapp 100 000 Zuschauern im ausverkauften Camp Nou traf Suárez nach dem Führungstreffer durch den Brasilianer Philipe Coutinho (11.) in der 30. Minute durch einen selbst herausgespielten Foulelfmeter zunächst zum 2:0. Fünf Minuten nach der Pause sorgte der Brasilianer Marcelo mit seinem Treffer zum 1:2 aber für etwas Hoffnung bei den Gästen, zumal Real mit einem 15-minütigen Sturmlauf die gegnerische Abwehr vor Nationaltorwart Marc-André ter Stegen mehrfach in Verlegenheit bringen konnte.

Classico verschärft Real-Krise dramatisch

Doch in der letzten halben Stunde spielten plötzlich erneut nur noch die Hausherren. Suárez köpfte das 3:1 in der 74. und schoss den vierten Treffer in der 82. Minute. Der 31 Jahre alte Sturmroutinier war nach Abpfiff glücklich und sagte mit Verweis auf Messi: "Wir können sehr stolz auf uns sein. Wir haben gezeigt, dass wir auch ohne Lio eine Supermannschaft sind." Das fünfte Tor erzielte der frühere Bayern-Profi Arturo Vidal in der 86. Minute auf Vorlage des Ex-Dortmund-Stürmers Ousmane Dembélé.

Die Begegnung vom Sonntag war nicht nur wegen der schlimmen Real-Krise ein ganz besonderer Clásico. Erstmals seit 2007 stand bei einem Aufeinandertreffen der spanischen Fußball-Giganten keiner der beiden "Dauer-Weltfußballer" auf dem Platz: weder der im Sommer von Real zu Juventus abgewanderte Cristiano Ronaldo noch Barça-Superstar Messi. Der Argentinier muss wegen eines Armbruchs noch rund zwei Wochen pausieren. Am Sonntag verfolgte er das Match im Camp Nou an der Seite seines ältesten Sohnes Thiago (5). (mc/dpa)

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