Werder Bremen auf Rang 13, der VfB Stuttgart auf Rang 14 und der Hamburger SV gar auf Rang 17 - die einstmals großen Bundesliga-Klubs taumeln dem Abstieg entgegen. Zumal die aktuelle Form gegen die Traditionsteams und für die Konkurrenz aus Nürnberg, Freiburg und Frankfurt spricht. Doch was sind die Gründe für den Niedergang? Was kann jetzt noch helfen? Eine Bestandsaufnahme.

Wie von den meisten Experten vor der Saison angekündigt, scheint Eintracht Braunschweig als erster direkter Absteiger festzustehen. Vor den Niedersachsen geht es allerdings enorm eng zu - und mittendrin taumeln gleich drei Größen der Liga dem GAU entgegen.

Am 20. Spieltag setzte es für den Hamburger SV, Werder Bremen und den VfB Stuttgart satte Heimklatschen. Sie bedeuten die Fortsetzung des Trends im Jahr 2014. In den zehn Spielen der drei Klubs - Stuttgarts Nachholpartie gegen den FC Bayern München eingerechnet - holte lediglich Werder einen mickrigen Punkt von 30 möglichen Zählern. In einem Heimspiel gegen den designierten Absteiger Eintracht Braunschweig.

Es war für die drei Vereine, einst stolze Teilnehmer der Champions League, in den vergangenen Jahren schon so manches Mal eng. Nach jeder Rettung gelobten die Verantwortlichen rasche Besserung und riefen einen Umbruch aus nach dessen Ende wieder an längst vergangene, glorreiche Zeiten angeknüpft werden sollte.

Fan-Wut vor allem in Hamburg

In Hamburg, in Bremen und in Stuttgart mag man das Wort "Umbruch" schon lange nicht mehr hören. Beim HSV gingen die Fans nach der dritten 0:3-Niederlage der Rückrunde und der insgesamt sechsten in Serie in der Liga auf die Barrikaden.

In Stuttgart ist es noch verhältnismäßig ruhig. Allerdings sind die Verstimmungen auch da längst nicht mehr zu überhören. Als Werder Bremen am Wochenende von Borussia Dortmund mit 1:5 vom Platz geschossen wurde, machte sich auf den Rängen eine eigenartige Mischung aus gedrosselter Wut, zaghafter Anfeuerung und Gleichgültigkeit breit. So richtig kann sich der Bremer Fan offenbar noch nicht entscheiden, wie er mit den Leistungen seiner Mannschaft umzugehen hat.

Der HSV hat da sicherlich die schlechtesten Voraussetzungen. In der Medienstadt Hamburg wird nicht lange gefackelt, die horrende Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit findet jeden Tag Niederschlag in den entsprechenden Schlagzeilen. Dazu kommt die ständige Unruhe in den Gremien des Klubs. Die Posse mit dem geplanten Sturz von Präsident Carl-Edgar Jarchow am Sonntag war der bisherige Tiefpunkt einer Chaos-Saison.

Dagegen wächst der mediale Druck in Stuttgart und Bremen erst langsam. In beiden Klubs herrscht zumindest auf den Führungsebenen (noch) die nötige Ruhe.

Trainer-Wechsel ohne Erfolg

Gemeinsam ist den drei Klubs, dass sie Wechsel auf der Trainerbank vorgenommen haben. Werder hatte sich bereits vor der Saison entschlossen, nach 14 Jahren mit Thomas Schaaf etwas Neues auszuprobieren. Der VfB reagierte nach drei Spieltagen, Hamburg zog nur zwei Wochen später nach. Bis jetzt haben alle drei Wechsel kaum nennenswerte Verbesserungen gebracht.

Bremen bekommt die Defensive auch mit Robin Dutt nicht im Griff. Beim VfB ist kein Spielsystem zu erkennen, der HSV kassierte die meisten Gegentore aller 18 Bundesligisten (47). Stuttgart hat sich im Vergleich zur Vor-Saison um zwei Plätze verschlechtert, Werder nur um einen Platz verbessert. Der HSV stürzte ab von Platz sieben in der Abschlusstabelle der vergangenen Saison auf Platz 17. Die Rochaden auf den Trainerbänken sind ins Leere gelaufen.

Die Möglichkeiten, die den jeweiligen Verantwortlichen nun noch bleiben, sind begrenzt. Personell lässt sich an den Kadern nichts mehr drehen. Ein zentrales Problem bei allen drei Krisenklubs sind die vermeintlichen Führungsspieler, die in dieser Saison die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen können.

Rafael van der Vaart kein Krisen-Kapitän

Rafael van der Vaart hat auf dem Papier überzeugende Werte vorzuweisen, kommt auf 13 Scorerpunkte. Wenn die Mannschaft in kniffligen Situationen einen Anführer braucht, ist vom Niederländer aber nichts zu sehen. Van der Vaart taucht erst wieder auf, wenn es nach den Partien darum geht, die Niederlage zu erklären. Auf dem Platz ist der Routinier ein Mitläufer.

In Bremen ist bei Clemens Fritz vergleichbares zu erkennen, Neuzugang Cedrik Makiadi sollte unterstützend mithelfen - am Wochenende fand sich der teuerste Transfer des Sommers auf der Bank wieder. In Stuttgart teilen sich Vedad Ibisevic, Christian Gentner und Cacau diese Rolle. Einer ist derzeit verletzt (Gentner), der andere Reservist (Cacau). Und Ibisevic hat sich am Sonntag durch seine Rote Karte als Wiederholungstäter für Wochen selbst aus dem Spiel genommen.

Besonders in Stuttgart und Hamburg scheinen mentale Blockaden die Ursache zu sein. Die Qualität des Kaders sollte eigentlich für andere Ziele als den Kampf gegen den Abstieg reichen. Die Trainer Thomas Schneider und Bert van Marwijk sind nun in erster Linie als Psychologen gefragt. Etwas anders ist die Lage in Bremen: Da ist der Kader allenfalls mittelprächtig besetzt. Die erzielten Punkte hat Werder über das Kollektiv eingefahren. Funktioniert auch das nicht wie zuletzt, wird es schnell duster.

In den nächsten Wochen treffen alle drei Klubs im direkten Vergleich noch aufeinander. Und dann wird es ums nackte Überleben gehen. Ein möglicher Abstieg käme einer sportlichen und finanziellen Katastrophe gleich.

Abstieg wäre wirtschaftlich ein Desaster

Die Einnahmen nur aus den TV-Töpfen würden auf etwa ein Drittel der derzeitigen Erlöse schrumpfen; dazu kämen drastische Einbußen im Ticketing, Merchandising und Marketing. Zudem würden die besten Spieler abwandern. Die viel zitierte "reinigende Wirkung" bei einem Abstieg hat sich in der Vergangenheit bei keinem vergleichbaren Fall eingestellt. Der 1. FC Köln oder der 1. FC Kaiserslautern sind klassische Fahrstuhlmannschaft geworden, 1860 München krebst auch im zehnten Jahr nach dem Abstieg noch in der 2. Liga rum.

Es kann für Werder, Stuttgart und den HSV nur darum gehen, den Abstieg irgendwie zu verhindern. Die besten Chancen dürfte dabei der VfB Stuttgart haben. Die Schwaben besitzen genügend Offensivpotenzial und Tiefe im Kader, um die nötigen Punkte einzufahren. Es deutet einiges darauf hin, dass der HSV oder Werder es mit den restlichen Abstiegskandidaten (Freiburg, Nürnberg, Frankfurt, Hoffenheim) werden aufnehmen müssen. Die Tendenz spricht dabei klar gegen die Nordlichter und für den Rest. Denn Freiburg, der Club und Frankfurt zeigen große spielerische Fortschritte.