Die glamourösen Sportligen in den USA verweilen momentan in einer ungewollten Zwangspause. Eine Ausnahme bildet lediglich die UFC, die seit Anfang Mai wieder regelmäßig Kampfabende austrägt und nun einen noch verrückteren Plan verfolgt.

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Die UFC ist die weltweit lukrativste und bekannteste Organisation in Mixed Martial Arts, was gemeinhin auch als Käfigkampf bekannt ist. Nach ihrer Gründung im Jahr 1993 entwickelte sich die UFC von einer Institution in der Kampfsport-Subkultur hin zu einem Milliardenunternehmen, das Stars wie Ronda Rousey und Conor McGregor hervorbrachte und zu globalem Ruhm verhalf.

Doch obwohl die UFC mittlerweile zum Mainstream des Profisports gehört, ist sie nicht vergleichbar mit altehrwürdigen Institutionen, in denen eher konservative Anzugträger das Sagen haben. Die UFC wird seit vielen Jahren von Dana White geführt – einem glatzköpfigen 50-Jährigen, der sich in Las Vegas gerne mit Callgirls umgibt und zehntausende Dollar beim Pokern verzockt.

Als die UFC vor einigen Jahren von der Casino-Familie der Fertittas an William Morris Endeavor Entertainment (heute nur noch Endeavor) für vier Milliarden Dollar verkauft wurde, kassierte White selbst 360 Millionen für den Verkauf einiger seiner Anteile. Diese immens hohe Summe trieb ihn, der Anfang der 1990er noch erfolgloser Boxlehrer mit schiefen Zähnen und Schulden bei der Mafia war, fast in den Wahnsinn. Er berichtete später, dass er sich tagelang in ein Hotelzimmer einsperrte und nichts aß oder trank.

Es ist insofern wenig überraschend, dass White nicht gerade ruhig und besonnen reagierte, als in den USA plötzlich alle Sportarenen schlossen und lokale Regierungen der UFC keine Erlaubnis erteilten, weiterhin Kämpfe auszutragen.

UFC: Seit Anfang Mai wieder aktiv

Wochenlang sprach White davon, dass er einen Weg finden würde, die UFC wieder auf die Fernsehbildschirme ihrer vielen Fans zu bringen. Zwischenzeitlich sprach er sogar davon, eine eigene Insel zu kaufen, auf welche er die Kämpfer einfliegen lassen würde. Kurzerhand sicherte sich die UFC die Namensrechte an "Fight Island".

Das sorgte in den Vereinigten Staaten für Schlagzeilen und naturgemäß auch Spekulationen. So wurde vermutet, es könnte sich bei dieser ominösen Insel sogar um jene in der Karibik handeln, die einst im Besitz des mittlerweile verstorbenen Finanzmoguls Jeffrey Epstein war.

Doch Whites Ankündigung versandete zunächst. Stattdessen ging die UFC nach Florida, dem US-Bundesstaat mit laxen Regeln und Gesetzen, und veranstaltete erste Kampfabende ohne Zuschauer in der Arena. Bis auf einzelne Ausnahmen blieben Corona-Infektionen aus. "Wir haben 1200 Tests diese Woche an 300 Menschen durchgeführt", sagte White, als die UFC gerade zurückgekehrt war.

Nach den ersten Wochen im Sonnenstaat Florida zog es die UFC dann nach Las Vegas, wo sie vor der Haustür Whites weitere Events durchführte. Seit Anfang Mai kamen so bereits sieben Veranstaltungen zusammen – eine weitere in den USA folgt in Kürze.

Vier Events auf Yas Island

Der Plan von "Fight Island" wird aber nun doch Wirklichkeit. Ab dem 11. Juli sind vier Events auf Yas Island in Abu Dhabi geplant. Die UFC pflegt ein gutes Verhältnis zum Emirat und war bereits in den Jahren 2010 und 2019 zu Gast.

Die nächsten Wochen werden jedoch alles Vorherige in ihrer Dimension übersteigen, denn Abu Dhabi mutiert in dieser Zeit zur Herzkammer des Kampfsports. Zu Beginn des Spektakels sind drei Titelkämpfe an einem Abend geplant, zwei Wochen später tritt der ehemalige Mittelgewichtsweltmeister Robert Whittaker gegen Darren Till an.

Der Mut der UFC machte sich bereits bezahlt, denn als einzige aktive Profisportorganisation verbuchte sie hohe Einschaltquoten in amerikanischen Haushalten. Mit "Fight Island" und der Verrücktheit, die sich hinter dieser Idee verbirgt, wird der PR-Effekt natürlich noch einmal um ein Vielfaches größer sein.

UFC-Besitzer in Schwierigkeiten

Allerdings hat die Reise nach Abu Dhabi auch ganz praktische Gründe: Da wäre zum einen der Faktor Geld. Obwohl die Zuschauerränge zuletzt leer blieben, sprudeln die Fernseheinnahmen, welche der Eigentümer Endeavor unbedingt braucht. Der Konzern verdient hauptsächlich als Agentur für Schauspieler und Künstler in der Unterhaltungsindustrie sein Geld.

Aufgrund der Pandemie ergaben sich zuletzt erhebliche Einnahmeausfälle, die Endeavor nur durch die Aufnahme eines Kredits von 260 Millionen Dollar abzufangen wusste. Damit belaufen sich die Verbindlichkeiten auf insgesamt über drei Milliarden. Da kommt die UFC mit ihren unorthodoxen Geschäftsideen gerade recht.

Aber selbst jemand wie White stößt in der aktuellen Zeit an seine Grenzen. Die Liste seiner Kämpfer ist multiethnisch. Sie stammen aus über 60 Ländern und können nicht einfach in die USA ein- und wieder ausreisen, um in Las Vegas oder Florida anzutreten. Neben dem PR-Effekt waren also aktuelle Planungsunsicherheiten ein Hauptgrund für das Projekt "Fight Island".

Riesige Schutzzone um die Arena

Für die Umsetzung muss die UFC einige Investitionen tätigen: abgeschottete Trainingsräume und eine Kampfarena direkt am Strand werden eingerichtet. Um dieses Areal soll es eine rund 26 Quadratkilometer große Sicherheitszone geben.

Für gewöhnlich halten sich auf Yas Island reiche Touristen in Luxushotels und Erlebnisparks auf. Nun aber nimmt die UFC in einer Zeit, in der ohnehin der weltweite Tourismus zum Erliegen gekommen ist, die Insel für sich in Anspruch.

Die UFC versucht mit der ganzen Aktion natürlich einen einmaligen Werbeeffekt zu erzeugen. Denn mit diesem außergewöhnlichen Projekt könnte die Popularität der bis heute nicht von jedem akzeptierten Kampfsportorganisation deutlich steigen.

Allein der Name "Fight Island" klingt wie aus einem Actionfilm aus Hollywood, in welchem die härtesten Typen des Planeten auf eine abgelegene Insel eingeflogen werden, um herauszufinden, wer der Beste ist.

In den Worten von Dana White klingt das dann so: "Fight Island ist so verschissen teuer und verschissen verrückt – es ist fast unmöglich, das zu organisieren. Aber ich verspreche euch, wir kriegen das hin."

Verwendete Quellen:

  • Fox Sports: Dana White locked himself in hotel room two days, didn’t sleep or eat after making $360m in UFC sale
  • WSJ: Endeavor Group Secures $260 Million Loan to Help Business Battered by Coronavirus
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