Mit einem 10:0-Kantersieg gegen Fidschi hat sich die DFB-Elf für das Viertelfinale des olympischen Fußball-Turniers qualifiziert. Dort bekommt es die Mannschaft von Horst Hrubesch mit Portugal zu tun. Die Iberer sollen nur eine Zwischenstation sein, das Ziel ist eine Medaille.

Es war der höchste Sieg einer deutschen Olympia-Auswahl seit 104 Jahren und der erste Erfolg seit dem Turnier 1988, als Deutschland gegen Italien die Bronzemedaille gewann. Mit dem 10:0 (6:0) gegen Fidschi hat die Mannschaft von Trainer Horst Hrubesch ein Achtungszeichen gesetzt und sich als Zweiter der Gruppe C für die K.o.-Runde qualifiziert.


Nun kommt es am Samstag (18:00 Uhr/Brasilia) zum Aufeinandertreffen mit Europameister Portugal, dessen Kader wie der deutsche allerdings wenig mit dem der kontinentalen Titelkämpfe zu tun hat. Gewinnt die U23-Elf gegen die Iberer, käme es im Halbfinale zum Duell mit Nigeria oder Dänemark. Im Finale wären Gastgeber Brasilien oder Südkorea mögliche Widersacher.

Hrubesch: "Wollen eine Medaille"

Doch so weit ist es noch lange nicht, auch wenn Trainer-Altmeister Horst Hrubesch vor Turnierstart wenig Zweifel an seinen Ambitionen aufkommen ließ. "Es muss nur klar sein, warum wir da sind: Wir wollen eine Medaille", sagte der Europameister von 1980 im Interview mit "Zeit Online".

Deutschland werde mit einer schlagkräftigen Mannschaft auflaufen, die Qualität des Teams bezeichnete er trotz der schwierigen Nominierung als "absolut top". "Die meisten kennen sich auch schon seit drei oder vier Jahren. Die wissen, was sie aneinander haben", ergänzte Hrubesch, der gegen Fidschi erneut auf seinen Kapitän Leon Goretzka (Schulterverletzung) verzichten musste.

Dortmunds Sven Bender sieht ebenfalls gute Chancen für ein klasse Turnier. "Alle ziehen voll mit und freuen sich unbeschreiblich, hier zu sein. Das ist die Grundlage dafür, erfolgreichen Fußball zu spielen", sagte der Zwillingsbruder von Lars Bender (Bayer Leverkusen).

Defensive Patzer abstellen

Auch wenn beim 10:0 gegen die völlig überforderten Insulaner hinten erstmals die Null stand, muss sich die deutsche Elf vor allem in der Defensive deutlich steigern, wenn sie gegen Portugal eine Chance haben will. In der Hintermannschaft mangelt es nach der kurzen Vorbereitung noch an der nötigen Feinabstimmung.

Beim Auftakt-Unentschieden gegen den amtierenden Olympiasieger Mexiko musste Schlussmann Timo Horn (1. FC Köln) zweimal hinter sich greifen. Beim 3:3 gegen Südkorea sogar einmal mehr, nachdem sich Verteidiger Lukas Klostermann (RB Leipzig) einen späten Patzer leistete.


Die Zuversicht vorm Viertelfinale ist dennoch groß, die Motivation erst recht. Gegen Portugal kassierte Deutschland im Halbfinale der U-21-EM in Tschechien eine bittere 0:5-Pleite. "Wie ich den Trainer kenne, ist er auch ein bisschen heiß darauf, die Schmach vergessen zu machen", sagt Stürmer Nils Petersen (SC Freiburg), der neben Arsenal-Profi Serge Gnabry mit fünf Treffern bester Schütze der DFB-Elf ist.

Von den Spielern, die bei der Klatsche im vorigen Jahr zum Einsatz kamen, stehen allerdings nur noch Max Meyer (Schalke 04) und Weltmeister Matthias Ginter (Borussia Dortmund) im aktuellen Aufgebot. "Je länger das Turnier dauert", verspricht Gnabry, "desto besser werden wir als Mannschaft zusammenspielen."

Moral spricht für Deutschland

Für Deutschland spricht auch die Moral: Gegen Mexiko wurde zweimal ein Rückstand aufgeholt, gegen Südkorea sorgte Gnabry mit seinem Treffer in der Nachspielzeit für den Punktgewinn. Reicht der Dusel nun gegen Portugal?


Lautet die Antwort ja, käme es im Halbfinale zum Duell mit den starken Nigerianern um Chelsea-Profi John Obi Mikel oder Dänemark. Und im möglichen Traumfinale könnte sich Gastgeber Brasilien mit ihrem Superstar Neymar (FC Barcelona) für das 1:7 der A-Nationalteams bei der WM 2014 rächen.

Nach zwei schwachen, torlosen Remis zum Auftakt, zeigten die Männer vom Zuckerhut beim 4:0 gegen Dänemark erstmals ihre Klasse. Konservieren sie diese Leistung, geht der Olympiasieg nur über Brasilien.
Arsenal-Profi Gnabry schaut vor allem auf die deutsche Elf. "Wir sind nicht hierher gekommen, um Dritter oder Vierter zu werden", sagt der Angreifer kämpferisch. "Wir wollen die Goldmedaille."