Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz oder Jens Spahn - einer von ihnen wird an diesem Freitag zum neuen Parteichef der CDU gewählt. Der Ausgang ist ungewiss, das Rennen könnte knapp werden - weshalb sich immer mehr Polit-Promis und Verbände öffentlich hinter ihren Favoriten stellen. Wer unterstützt wen? Ein Überblick.

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Nach 18 Jahren Angela Merkel an der CDU-Spitze entscheiden 1.001 Delegierte am Freitag in Hamburg, wer künftig die CDU als Vorsitzender anführen wird.

Erstmals seit 1971 steht mehr als ein Kandidat zur Auswahl - das macht den Parteitag in Hamburg fast schon zu einem historischen Ereignis. Wie viele Kandidaten sich zur Wahl stellen werden, ist unklar. Die Delegierten können noch bis 12:30 Uhr am Freitag Vorschläge machen. Doch egal, wie viele es am Ende sein werden - eine realistische Chance haben aber ohnehin nur drei von ihnen: Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn.

Für wen sich die Mehrheit der Delegierten entscheiden wird, ist offen. Die Wahl ist geheim und die Abgesandten der Landes-, Bezirks- und Kreisverbände sind völlig frei in ihrer Entscheidung.

Die Positionierung mancher CDU-Größe dürfte aber durchaus Einfluss auf die Meinungsbildung der Delegierten haben. Auch die Präferenz in der Bevölkerung ist nicht zu unterschätzen - schließlich wird der neue Parteichef mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der nächste CDU-Kanzlerkandidat und will vom Volk gewählt werden.

Je näher der Parteitag rückt, desto mehr CDU-Politiker und -verbände haben sich offen für einen der drei Kandidaten positioniert. Ein Überblick.

Wer unterstützt Annegret Kramp-Karrenbauer?

Annegret Kramp-Karrenbauer gilt als Wunschnachfolgerin von Angela Merkel, doch offen äußert sich die langjährige Parteichefin dazu nicht. In der CDU unkt man, dass eine Empfehlung der Kanzlerin wohl auch mehr Handicap als Hilfe wäre, doch darauf ist "AKK" ohnehin nicht angewiesen.

Die CDU-Generalsekretärin hat nämlich zahlreiche prominente Fürsprecher. Neben ihrem Nachfolger im Saarland, Ministerpräsident Tobias Hans, haben sich auch der schleswig-holsteinische Regierungschef Daniel Günther und NRW-Innenminister Herbert Reul für Kramp-Karrenbauer ausgesprochen.

Auch der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm sowie Ex-Innenminister Thomas de Maizière haben sich klar im "Team AKK" positioniert.

Der prominenteste Unterstützer in diesem Lager dürfte Wirtschaftsminister Peter Altmaier sein. Er habe seine Präferenz bislang aus Respekt vor den Delegierten nicht öffentlich geäußert, sagte Altmaier am Donnerstag der "Rheinischen Post". "Da Wolfgang Schäuble nun den Damm gebrochen hat, kann ich sagen: Ich bin überzeugt, dass wir mit Annegret Kramp-Karrenbauer die beste Chance haben, die CDU zu einen und Wahlen zu gewinnen."

Frauen-Union unterstützt "AKK"

Neben einzelnen Unterstützern gibt es auch eine Reihe von Gruppen und Verbänden, die sich für Kramp-Karrenbauer ausgesprochen haben.

Als einer der wenigen CDU-Landesverbände hat sich das Saarland zu seiner früheren Ministerpräsidentin bekannt und eine Empfehlung formuliert. Allerdings stellt der saarländische Landesverband nur 34 der 1.001 Delegierten in Hamburg.

Einen größeren Hebel bietet die Frauen-Union, die sich schon früh für "AKK" in Stellung gebracht hat. 343 Delegierte, also rund ein Drittel, sind weiblich.

Darüber hinaus kann Kramp-Karrenbauer kann auch auf die Unterstützung des Arbeitnehmerflügels CDA, in dem sie selbst Mitglied ist, sowie der Kommunalpolitische Vereinigung der Union (KPV) hoffen.

In Umfragen liegt Kramp-Karrenbauer vorne

Geht es nach den CDU-Anhängern, so liegt die Generalsekretärin klar vorne. In einer Umfrage von Infratest dimap für den ARD-"Deutschlandtrend" vom 30. November wünschen sich 48 Prozent der CDU-Anhänger "AKK" als neue CDU-Chefin. Das sind zwei Prozent mehr als zwei Wochen zuvor. Unter allen Befragten, ungeachtet ihrer Parteipräferenz, sind es immer noch 39 Prozent.

Von solchen Zustimmungswerten außerhalb der CDU-Delegiertenblase können die anderen beiden Kandidaten nur träumen.

Wer unterstützt Friedrich Merz?

Für Friedrich Merz sprechen sich im ARD-"Deutschlandtrend" unter allen Befragten "nur" 26 Prozent aus. Unter den erklärten CDU-Anhängern wünschen sich 35 Prozent einen Parteichef namens Merz. Das entspricht einem Zuwachs von vier Prozent - um zu "AKK" aufzuschließen fehlen dem Sauerländer aber immer noch 13 Prozent.

Macht nichts, wird sich der frühere CDU-Fraktionschef sagen. Schließlich wird der Parteichef nicht von der Bevölkerung oder der christsozialen Basis gewählt, sondern von 1.001 Delegierten.

18 davon stammen aus dem Landesverband Sachsen-Anhalt, der als einziger vorab ein Mitgliedervotum durchgeführt hat. Das Ergebnis: 55,8 Prozent sind für Friedrich Merz. Kramp-Karrenbauer kommt hier auf 39,5 Prozent, Jens Spahn auf 4,7 Prozent.

Viele Merz-Fans in Baden-Württemberg

Sehr viel mächtiger ist der Landesverband Baden-Württemberg, der zweitgrößte in der CDU. 154 Delegierte werden aus dem Südwesten zum Parteitag nach Hamburg entsandt.

Zwar hat sich der baden-württembergische Verband für keinen Kandidaten offiziell ausgesprochen, allerdings soll es Probeabstimmungen gegeben haben, bei denen immer Friedrich Merz vorne lag, wie es heißt.

In Baden-Württemberg hat Merz offenbar sehr viele Anhänger. Das hatte sich schon auf der Regionalkonferenz in Böblingen gezeigt, wo der Sauerländer am Ende sogar Standing Ovations erhielt. In dem Bundesland hat sich auch ein Unterstützerkreis "Initiative für Friedrich Merz" gebildet, dem sich auch EU-Kommissar Günther Oettinger, Staatssekretär Thomas Bareiß und rund 80 Gleichgesinnte angeschlossen haben.

Merz, der sich als Teil der oberen Mittelschicht sieht, kann sich zudem der Unterstützung der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) sicher sein. Der Bundesvorstand des 25.000 Mitglieder starken MIT hat sich mit klarer Mehrheit hinter den früheren Fraktionschef gestellt.

Außerdem darf Merz wohl auf Stimmen aus der Jungen Union hoffen. Zwar gibt es keine offizielle Empfehlung der CDU-Jugend, doch gerade von JU hätte man eine klare Positionierung erwartet – und zwar für Jens Spahn. Doch dazu gleich mehr.

Dass der Parteinachwuchs mehrheitlich Merz unterstützt, legt auch eine Umfrage innerhalb der JU-Hessen nahe: 64,7 Prozent der Mitglieder haben sich für Friedrich Merz ausgesprochen. ("AKK": 23,7 Prozent, Spahn: 11,6 Prozent)

Schäuble bekennt sich zu Merz

Unter der CDU-internen Polit-Prominenz hat Friedrich Merz wohl die populärsten Fürsprecher von allen drei Bewerbern. Neben Wolfgang Bosbach, EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger und Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch hat sich mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ein äußerst mächtiger CDU-Politiker auf die Seite des Wirtschaftsanwalts geschlagen.

"Es wäre das Beste für das Land, wenn Friedrich Merz eine Mehrheit auf dem Parteitag erhielte", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das Wort der grauen CDU-Eminenz Schäuble hat Gewicht in der Partei und dürfte wohl auf manchen Delegierten Eindruck gemacht haben.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die Schäuble dafür auch kritisiert, etwa Peter Altmaier, der die klare Positionierung als "Dammbruch" bezeichnete.

Wer will Jens Spahn?

Als Jens Spahn im Oktober auf dem Deutschlandtag der Jungen Union als Redner auftrat, wurde er von den Anwesenden gefeiert wie ein Rockstar.

Stehende Ovationen, ekstatischer Applaus - es bestand kein Zweifel daran, dass sich der 38-Jährige der Unterstützung der Jungpolitiker sicher sein kann.

Doch kaum hatte Friedrich Merz wieder die Bühne betreten, wandten sich Spahns Unterstützer von ihm ab und zu dem früheren CDU-Fraktionschef hin.

Junge Union lässt Spahn im Stich

Das scharfe, konservative Profil und der schon fast legendäre Leumund des Juristen Merz hat binnen kürzester Zeit eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Mitglieder der Jungen Union entfaltet – dabei dürfte sich ein Großteil der Mitglieder gar nicht an den aktiven CDU-Politiker Friedrich Merz erinnern können.

In der Umfrage innerhalb der JU-Hessen landete Spahn mit 11,6 Prozent lediglich auf Platz drei hinter Merz und Kramp-Karrenbauer, der JU-Bundesvorstand hat eine offizielle Positionierung bislang vermieden.

Auch aus seiner Heimat Nordrhein-Westfalen bekommt Spahn keinen Rückenwind. Der größte Landesverband der CDU (296 Delegierte) stellt mit Spahn und Merz gleich zwei Bewerber im Rennen um den CDU-Vorsitz und vermeidet eine klare Positionierung.

Spahn wurde Rückzug der Kandidatur nahegelegt

Viele populäre und einflussreiche Fürsprecher kann Spahn in den eigenen Reihen ebenfalls nicht vorweisen. Der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor ist einer der wenigen, der offen erklärt, für den Gesundheitsminister stimmen zu wollen.

Stattdessen legte ihm der Parteifreund Norbert Barthle, parlamentarischer Staatssekretär im Entwicklungsministerium, sogar nahe, seine Kandidatur zurückzuziehen. "Würde er mich persönlich um Rat fragen, würde ich ihm sagen, dass es klug wäre, nicht anzutreten", sagte Barthle der "Rheinischen Post". Er habe keine Chance, gegen Merz und Kramp-Karrenbauer zu gewinnen.

Auch unter den CDU-Anhängern wird der 38-Jährige mehr und mehr zum Außenseiter. Nur zwei Prozent sprachen sich im ARD-"Deutschlandtrend" für Spahn aus – das sind satte zehn Prozent weniger, als noch zwei Wochen zuvor. Unter allen Befragten finden nur neun Prozent, dass der Münsterländer der geeignete Kandidat für den CDU-Vorsitz ist.

Rennen entscheidet sich zwischen Kramp-Karrenbauer und Merz

Die Aussichten von Jens Spahn sind also verschwindend gering. Aufgeben kommt für den ehrgeizigen Politiker aber nicht infrage. Im Gegensatz zu seinen beiden Mitstreitern hat der 38-Jährige auch noch Zeit - für ihn kann sich auch später noch die Chance auf das höchste Parteiamt ergeben.

Davon abgesehen ist das Rennen um den CDU-Vorsitz offen. Innerhalb der Partei geht man von einem knappen Rennen zwischen "AKK" und Merz aus. Die "Bild am Sonntag" hatte vergangene Woche versucht, alle 1.001 Delegierte zu kontaktieren und nach ihrer Präferenz zu befragen. Hier lag Merz zwar vorne, jedoch gaben sehr viele an, sich noch nicht endgültig festgelegt zu haben.

Damit kommt den Parteitagsreden am Freitag besondere Bedeutung zu: Wer am Ende siegt, dürfte wohl davon abhängen, wer die Delegierten in seiner 15-minütigen Rede am meisten von sich begeistern kann. (jwo)

Verwendete Quellen:

Friedrich Merz stellt Forderungen auf. Der Millionär, der für den CDU-Vorsitz kandidiert, will eine verschärfte Agenda.