Bayern München hat in der Saison 2018/19 zwar die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Die meisten Herzen allerdings eroberte wahrscheinlich Eintracht Frankfurt. Franz Beckenbauer vergleicht die Eintracht sogar mit dem Champions-League-Finalisten FC Liverpool.

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So sehr hatten sich die Fans von Eintracht Frankfurt wohl noch nie über einen Sieg des Lokalrivalen 1. FSV Mainz 05 gefreut. Nur, weil die Mainzer gegen die TSG Hoffenheim aus einem 0:2-Rückstand ein 4:2 machten, blieb der Eintracht der Sturz auf den achten Tabellenplatz erspart. Ansonsten hätte Hoffenheim der Eintracht den Platz in der Europa League weggeschnappt.

1:6 gegen Bayer Leverkusen, 0:2 gegen Mainz, schlussendlich ein 1:5 beim FC Bayern München - die Eintracht zollte in ihren letzten drei Saisonspielen der hohen Belastung Tribut.

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Parallel zur Bundesliga hatte Frankfurt die Europa League aufgemischt, ganz Deutschland begeistert und wäre im Duell mit dem finanziell übermächtigen FC Chelsea fast in das Finale eingezogen. Was fehlte, war nur ein klein bisschen Glück in der Verlängerung und im Elfmeterschießen.

Das Saisonfazit von Trainer Adi Hütter fiel positiv aus: "Wir haben in der Liga mit sechs Siegen in Folge einen Rekord aufgestellt, wir haben in der Europa League mit sechs Gruppensiegen einen Rekord aufgestellt und sind bis ins Halbfinale vorgedrungen. Noch dazu haben wir viele Spieler weiterentwickelt. Das war sehr positiv, uns ist eine tolle Saison gelungen."

Fußball-Märchen Eintracht Frankfurt

Überhaupt ist die Entwicklung von Eintracht Frankfurt ein modernes Fußball-Märchen und der Beweis, dass man nicht zwingend viel Geld benötigt, um in der Bundesliga und in Europa erfolgreich zu sein.

Es ist gerade einmal drei Jahre her, da wäre Eintracht Frankfurt fast aus der Bundesliga abgestiegen. Erst in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg gelang der Klassenerhalt. Es wäre ansonsten der zweite Abstieg innerhalb von fünf Jahren gewesen.

Sportvorstand Fredi Bobic musste die Mannschaft komplett umkrempeln, hatte allerdings kaum Geld. "Ich fing 2016 mit einem kleinen Budget an, konnte 2,5 Millionen Euro investieren, musste damit aber einen komplett neuen Kader planen. Das kann man sich heute kaum vorstellen", erzählte Bobic im Interview mit dem "kicker".

Nur zwei Jahre später gewann Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal, begann in der Saison darauf den Siegeszug durch die Europa League und eroberte die Herzen vieler Fans.

Bobic: Eintracht ist ein heißer Verein

"Gefühlt ist Eintracht gerade ein sehr heißer Verein", sagt Bobic. "Viele Menschen, viele Fußballfans sind begeistert über die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, wie wir auftreten und uns darstellen, wie wir viele neue Projekte angegangen sind. Diese Mentalität und Freude sind für den Fußball-Fan spürbar."

Der Erfolgsschlüssel: ein gutes Scouting. Symbolhaft dafür ist das Offensiv-Trio Ante Rebić, Luka Jovic und Sébastien Haller. Drei Spieler, die zuvor lediglich Insidern ein Begriff waren und für wenig Geld verpflichtet wurden. In Frankfurt reiften sie zu Superstars.

Nur 16 Millionen Euro haben diese drei Spieler laut Transfermarkt.de an Ablöse gekostet. Heute wird der Marktwert dieser Offensivspieler auf insgesamt 130 Millionen geschätzt.

Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern das Konzept der Eintracht. "Wir versuchen, jedes Jahr diese Spieler zu finden, die bei dem einen oder anderen Verein vielleicht auf dem Abstellgleis sind, aber Qualität besitzen und bei uns noch einmal einen Schritt machen", sagte Bobic am 10. März anlässlich des 25. Spieltags der Bundesliga im "Doppelpass" von Sport 1.

Die Eintracht steht für Offensiv-Spektakel

Frankfurt begeistert allerdings nicht nur mit der Weiterentwicklung einzelner Spieler, sondern auch mit ihrem spektakulären Spielstil. Hüter ist laut eigener Aussage ein Trainer, der zehn Prozent mehr offensiv als defensiv denkt.

Während andere Vereine nur noch einen Stürmer bringen oder sogar mit einer sogenannten falschen Neun, also ohne echten Mittelstürmer, spielen, bläst der Eintracht-Trainer vorne zur Attacke.

Rückblickend bezeichnet es der Trainer selber als "mutig, mit drei Spitzen zu spielen. Aber für mich ist es wichtig, das einzuhalten, was ich angekündigt habe."

"Im vergangenen Sommer habe ich öfter betont, dass wir variabel sein wollen, unberechenbar, und begeisternden, attraktiven Fußball spielen wollen. Vieles davon hat die Mannschaft schon sehr gut umgesetzt", sagt Hüter.

Ein Hauch vom FC Liverpool

Selbst der Kaiser des deutschen Fußballs ist von der Eintracht begeistert. "Ich ziehe all meine Hüte, die ich zu Hause habe, vor Eintracht Frankfurt", sagte Franz Beckenbauer bei Sport1 und lobt vor allem deren Spielstil: "Das ist der moderne Fußball, der jetzt praktiziert wird, wie Liverpool zum Beispiel unter Jürgen Klopp spielt, die sehr schnelle Leute haben, das hat die Eintracht auch. Sie sind prädestiniert, sich an die neue Form des Fußballs anzupassen."

Als sicher gilt dennoch, dass die Mannschaft sich zur kommenden Saison verändern wird. Die Spieler haben Begehrlichkeiten bei den Top-Vereinen geweckt. Luka Jovic wird laut "Sport Bild" zu Real Madrid wechseln. Die mögliche Ablöse: zwischen 50 und 60 Millionen Euro.

Das Gute ist: Bobic wird das Geld in neue Spieler investieren können. Und er hat bei der Eintracht eindrucksvoll bewiesen, sogar mit viel weniger Geld eine erfolgreiche Mannschaft bilden zu können.

Verwendete Quellen

  • Transfermarkt.de: Eintracht Frankfurt
  • Sport1-"Doppelpass" mit Fredi Bobic und Klaus Allofs
  • sport1.de: "Immer Herzrasen bei der Eintracht"
  • eintracht.de: "Positive Bilanz" – Die Stimmen zum Spiel
  • sportbild.bild.de: "Real einig mit Eriksen und Jovic, Poker um Hazard, Nein zu Pogba"
  • "kicker", Ausgabe 104 / 2018: "Der 'Mann des Jahres 2018': Fredi Bobic"
  • "kicker", Ausgabe 41 / 2019: "Adi kann sich hier komplett ausleben"

Luka Jovic ist ein Symbol des Aufstiegs von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt wirkte für Luka Jovic als Karriere-Booster. Für 200.000 Euro Leihgebühr schnappten sich die Hessen im Sommer 2017 den Serben, der bei Benfica Lissabon nur auf der Bank saß. Zwei Jahre später berappt Real Madrid angeblich 60 Millionen Euro, um sich Jovics Dienste zu sichern.