Marco Reus kickte bereits in der Jugend für Bundesligist Borussia Dortmund und träumte einmal davon, vor der Südtribüne im größten Stadion Deutschlands zu spielen. Über Umwege ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Nun ist der 29-Jährige beim BVB nicht mehr wegzudenken. Über einen Spieler, dem der Wohlfühlfaktor wichtiger ist, als ein voller Trophäenschrank.

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"Heimat", sagt Marco Reus. Dortmund ist Heimat. Hier fühlt sich der 29-Jährige wohl. Hier ist er geboren, zur Schule gegangen, hat seine Freunde und Familie.

Dortmund ist der Grund, warum er im Frühjahr 2015, in sportlich desaströsen Zeiten, seinen Vertrag bei Bundesligist Borussia Dortmund verlängerte, sagte Reus im September 2018 bei BVB-Total, dem vereinseigenen Sender.

Obwohl Borussia Dortmund zum damaligen Zeitpunkt nur auf dem 17. Tabellenplatz stand, bekannte sich Reus zum BVB. Ein Ausrufezeichen. Ein Statement an die Mannschaft, an die Region und alle Dortmund-Fans weltweit.

Stand der BVB um Trainer Jürgen Klopp zwei Jahre zuvor noch im Champions-League-Finale, spielten sie in der Saison 2014/2015 plötzlich nur noch um den Klassenerhalt.

Reus: Real Madrid, Manchester City oder doch zum FC Bayern?

Europäische Topvereine malten sich bereits aus, die Dortmunder-Stars bei einem Abstieg für einen Spottpreis verpflichten zu können. Darunter Reus, der in den Medien immer wieder mit Real Madrid, Manchester City oder dem FC Bayern in Verbindung gebracht wurde.

Doch der BVB stieg nicht ab. Und Reus wechselte nicht. Jürgen Klopp hingegen verließ Borussia Dortmund nach der Saison. Und einige BVB-Stars, die wenige Jahre zuvor das Double aus DFB-Pokal und Meisterschaft bestehend, gewannen, wurden abgegeben. Ein Umbruch. Es war unklar, wie es weitergeht, ob der BVB künftig noch einmal an alte Erfolge anknüpfen kann.

Reus und Borussia Dortmund: Eine Herzensangelegenheit

Reus war die undurchsichtige Situation bei seiner Vertragsverlängerung vermutlich bewusst, doch die besondere Beziehung zu seinem BVB bedeutete ihm mehr als ein voller Trophäenschrank. Eine Herzensangelegenheit.

"Wenn du es einfach haben möchtest, wechselst du zu Bayern, Manchester City, Real Madrid oder Barcelona. Aber ich war immer derjenige, der gerne auch die schwierige Herausforderung gesucht hat, weil es dann sehr emotional ist, wie 2017 beim DFB-Pokalsieg", sagte Reus BVB-Total im März 2018 im Zuge seiner zweiten Vertragsverlängerung.

Damals unterschrieb Reus für weitere fünf Jahre beim BVB. Sein Vertrag endet 2023. Dann ist Reus 34 Jahre alt und das Karriere-Ende steht vermutlich kurz bevor.

Reus: In der B-Jugend noch aussortiert, heute BVB-Kapitän

Rückblickend wird in Reus' Vita kein europäischer Spitzenverein gestanden haben. Statt dem BVB den Rücken zu kehren, - dem Verein, der ihn in der B-Jugend wegschickte, als zu schmächtig für das Profi-Geschäft einstufte - wird Reus in Dortmund wahrscheinlich seine Karriere beenden. Es ist sehr gut möglich, dass es so kommt, verriet er erst kürzlich in einem Sky-Interview.

Marco Reus wurde in der B-Jugend bei Borussia Dortmund aussortiert. Er wechselte zu Rot Weiss Ahlen, wo er bis 2009 spielte und sein Debüt in der 2. Bundesliga gab.

Der 29-Jährige weiß, was er am BVB in Dortmund hat - und was er dem Verein zu verdanken hat. Nach seinem Wechsel 2012 von Ligakonkurrent Gladbach ins Ruhrgebiet wurde Reus Pokalsieger, zum besten Bundesliga-Spieler der Saison gewählt und erreichte das Champions-League-Finale. Er reifte von einem Jungen, der mehrere Jahre illegal ohne Führerschein Auto gefahren war, zu einem Mann, der am 30. März erstmals Vater geworden ist.

Seit dieser Saison führt er den BVB sogar als Kapitän aufs Spielfeld - und den BVB von Sieg zu Sieg. "Jeder, der mich kennt, der weiß, das Vertrauen sehr wichtig ist. Das Familiäre, das der Klub einfach hat", sagt Reus.

In Dortmund ruft der torgefährliche Angreifer Jahr um Jahr Top-Leistungen ab. Er dreht auf, wenn er sich wohlfühlt, das Umfeld stimmt. "Was spielt der für einen Fußball? Das ist verrückt. Er wäre einer für Barca gewesen", schwärmte Barcelonas Torwart und Reus' Nationalmannschaftskollege Marc-André ter Stegen in einem DAZN-Interview Ende Februar.

Doch auch ter Stegen merkte an: "Er ist aber sehr glücklich, weil er in Dortmund seine Familie hat. Das war ihm immer sehr wichtig."

Ein Dortmunder Junge, der seinen Traum lebt

Reus spielt in seiner Heimat. Für seinen Verein. Für ihn ist Borussia Dortmund mehr, als nur ein Arbeitgeber. "Es war immer ein Traum in diesem Stadion (Signal Iduna Park, Anm. d. Red.) zu spielen. Vor diesen Fans Erfolge zu feiern und Spiele zu gewinnen. Und gemeinsam nach dem Spiel mit den Fans zu feiern und zu jubeln", sagte Reus bei Sky weiter.

Reus lebt seinen Traum. Gerade in der laufenden Saison schwimmen die Dortmunder auf einer Erfolgswelle, feiern Sieg um Sieg.

Jubel, Zweikämpfe, Emotionen: Diese Aufnahmen bleiben im Gedächtnis.

Maßgeblichen Anteil daran hat Marco Reus, der der Meinung ist, dass der BVB "kurzfristig oder auch langfristig die Chance hat, um Titel mitzuspielen", wie er "BVB-Total" sagte.

Schießt Reus den BVB zum Meistertitel?

Mit einem Reus in der aktuellen Form ist das möglich, wie ein Blick auf die Bundesliga-Tabelle zeigt: Der BVB steht nach 27. Spieltagen auf dem ersten Platz, zwei Punkte vor dem FC Bayern.

Reus steuerte in 22 Einsätzen 23 Scorer-Punkte bei. Mehr als jemals zuvor im gleichen Zeitraum. Reus spielt zweifelsohne die beste Saison seiner Karriere - wurde von den Bundesliga-Profis zum besten Spieler der Hinrunde gewählt.

Ein Marco Reus kann den Unterschied ausmachen, ein Spiel entscheiden. Er kann Borussia Dortmund am Samstag im Topspiel gegen den FC Bayern (Anstoß 18:30 Uhr, LIVE bei uns im Ticker) zum Sieg schießen - und den BVB damit vielleicht auch zum Deutschen Meister.

Teaserbild: © picture alliance / augenklick/fi