Kurz vor der Fortsetzung der Champions League fällt beim FC Bayern München ein Schlüsselspieler der letzten Wochen aus. Ohne Benjamin Pavard muss Flick umdisponieren. Alles spricht dabei für eine Rückkehr von Joshua Kimmich in die Viererkette.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer
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Nach dem Gewinn des Doubles aus Meisterschaft und Pokal bereiten sich die Kicker des FC Bayern München längst auf den nächsten großen Coup vor. Nach der überragenden Rückrunde wollen die Münchner nun auch in der als Turnier fortgesetzten Champions League nach dem Titel greifen.

In dieser Woche musste das Team von Meistertrainer Hansi Flick aber einen ersten herben Rückschlag verkraften. Rechtsverteidiger Benjamin Pavard wird mit einer Knöchelverletzung längerfristig ausfallen. Damit fehlt der französische Weltmeister nicht nur im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea in der kommenden Woche, sondern fällt vermutlich auch für den Rest der Champions-League-Saison aus. Das Finale soll am 23. August in Lissabon stattfinden.

Pavard: 35 Millionen Euro trotz Abstieg

Pavard war ein ungewöhnlicher Transfer für den FC Bayern. 35 Millionen Euro Ablöse zahlte der Rekordmeister im vergangenen Sommer an den VfB Stuttgart, der gerade in die zweite Liga abgestiegen war. Pavard, der in Stuttgart häufig als Innenverteidiger aufgeboten wurde, konnte den Abstieg nicht verhindern und spielte insgesamt nach dem Highlight mit dem WM-Titel im Sommer nur eine durchwachsene Saison 2018/2019.

Der FC Bayern hielt trotzdem an dem Transfer fest und der inzwischen 24-Jährige zahlte dieses Vertrauen nach etwas holprigem Start sukzessive zurück. Zuletzt war Pavard sogar kaum mehr wegzudenken.

Anders als der sehr offensiv ausgerichtete Alphonso Davies auf der anderen Abwehrseite, spielt der Ex-Stuttgarter eher kontrolliert nach vorne. Trotzdem kam er in der abgelaufenen Saison auf acht Torbeteiligungen in der Bundesliga. Vor allem bei Standardsituationen strahlte Pavard Gefahr aus.

Ansonsten konzentriert er sich eher auf balancegebende Aufgaben, fängt Konter ab oder rückt stärker ins Zentrum, wenn Davies bei einem Ballverlust zu weit aufgerückt ist und Bayern mit drei Verteidigern absichern muss. Gerade diese defensiven Bewegungen wirkten in der Bundesliga-Rückrunde, in der die Münchner mit Pavard auf dem Platz gerade einmal acht Gegentore kassierten, immer besser einstudiert. Auch das Vertikalspiel von Pavard ist passabel. Nun muss Flick allerdings umdisponieren.

Als etatmäßiger Backup gilt eigentlich Alvaro Odriozola, den die Münchner als Sicherheitslösung von Real Madrid ausgeliehen haben. Der Spanier überzeugte bisher nicht und bekam auch kaum Gelegenheiten, sich zu beweisen.

In den 153 Minuten auf dem Feld blieb er völlig blass und ohne Wirkung. Jerome Boateng wäre eine andere mögliche Option mit Erfahrung auf dieser Position. So richtig liegt sie ihm aber nicht. Flick sollte sich deshalb anders orientieren.

Thiago könnte wieder wichtig werden

Mit Joshua Kimmich steht eine hochkarätige Alternative bereit. Kimmich spielte sich in den vergangenen Jahren auf der Rechtsverteidiger-Position in die Mannschaft. Auch in dieser Saison lief er dort noch achtmal auf. Die Torgefahr, die er mit seinen zahlreichen Vorstößen ausstrahlte, waren für einen Verteidiger außergewöhnlich. Gleichzeitig bot er defensiv aber auch immer wieder einiges an.

Unter Hansi Flick hat sich Kimmich nun endgültig in einer Chefrolle im zentralen Mittelfeld festgesetzt. Kimmich redet auf dem Feld so viel wie sonst nur Thomas Müller und ist auch mit dem Ball ein entscheidender Fixpunkt geworden. Nur David Alaba (86,7) spielt mehr Pässe pro Partie als Kimmich (77,2). Hinzu kommen über zwei Torschussbeteiligungen pro Spiel - ebenfalls Rang zwei bei den Bayern nur knapp hinter Assist-König Thomas Müller. Bayerns Spiel profitierte stark von seiner Mittelfeldzentrale, die mit Kimmich, Goretzka und Müller unterschiedliche Spielertypen und Stärken kombinierte.

Kimmich muss Offensivdrang bremsen

Flick wird sich schwertun, diese Achse aufzubrechen, doch der Ausfall von Pavard lässt ihm keine echte Wahl. Für Kimmich steht mit Thiago ein logischer und hochwertiger Ersatz im Mittelfeldzentrum bereit. Der Leistungsabfall auf Rechts wäre mit einem Experiment wie Odriozola einfach zu stark. Kimmich muss zurück in die Abwehr.

Wichtig ist dabei, dass Flick in der Vorbereitung an der richtigen Balance arbeitet. Mit einem sehr offensiven Davies auf links kann Kimmich sein riskantes Spiel aus den Vorjahren nicht einfach fortsetzen.

Er muss seine Vorstöße stärker dosieren, um die Verteidigung gegen starke Gegner in der Champions League nicht in die Bredouille zu bringen. Gleichzeitig kann er mit seiner Spielintelligenz und Passstärke mithelfen, den Spielaufbau vom Flügel voranzutreiben und seine Kollegen im Zentrum zu unterstützen.

Philipp Lahm hat diese Rolle über Jahre perfektioniert. Kimmich ist absolut in der Lage, dieses Niveau zu erreichen. Nach Pavards Verletzung ist er für den FC Bayern auf dem Weg zum dritten Titel in der Champions League eindeutig die erste Wahl auf Rechts.

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