Der FC Bayern München ist im Trainingslager in Katar angekommen. Vor der Bundesliga-Rückserie warten auf Coach Carlo Ancelotti noch einige Probleme, die er zu lösen hat.

Von gemischten Gefühlen sprach Philipp Lahm, der Kapitän des FC Bayern München. "Ich bin gerne zu Hause und gerne bei der Familie", meinte der Weltmeister am Montag, ehe es mit den Kollegen ins Trainingslager nach Katar ging. Heimweh? Sehnsucht nach den Liebsten? Trainer Carlo Ancelotti hat in Doha andere Baustellen zu bearbeiten.

1. Baustelle: Carlo Ancelotti muss Arturo Vidal zum Bleiben bewegen

Die englische "Sun" berichtet von einem Interesse des FC Chelsea an Arturo Vidal, wonach sich Coach Antonio Conte und der Chilene bereits getroffen hätten. Conte trainierte den "Krieger" einst bei Juventus Turin, beiden wird ein enges Verhältnis nachgesagt. Dem Bericht zufolge würde er den 29-Jährigen am liebsten in dieser Transferperiode nach London holen, Chelsea soll dem FC Bayern 40 Millionen Euro Ablöse bieten.

Zwar zeigen die Bayern keinerlei Interesse, Vidal (Vertrag bis 2019) gehen zu lassen, dennoch wird Ancelotti Vidal angesichts der Störfeuer wieder auf das Wesentliche fokussieren müssen.

2. Baustelle: Carlo Ancelotti muss das defensive Umschaltspiel des FC Bayern schärfen

Bis zum 11. Januar sind die Bayern in Doha, es steht in dieser Zeit nur ein Testspiel gegen die Belgier von KAS Eupen (10. Januar) an. Es ist eine eng bemessene Zeit, um die Kondition der Starspieler zu verbessern.

In der Hinrunde war in München mehrfach zu vernehmen, Ancelotti lasse zu lasch trainieren. "Die entscheidende Phase der Saison steht im Frühjahr an. Eigentlich sogar schon im Februar mit dem Start der K.-o.-Phase in der Champions League", sagte der Italiener nun im Gespräch mit der Münchner "tz". "Wären wir bereits in der Hinrunde auf Hochtouren gelaufen, so hätten wir das im Frühjahr bereut."

Spieler auf Hochtouren wird er nicht zuletzt für sein defensives Umschaltspiel brauchen. Bei Kontern der Gegner wirkten die Bayern in der Hinserie teils bedenklich anfällig. Gerade im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Arsenal mit den Tempomachern Mesut Özil, Alexis Sanchez und Alex Iwobi werden sich die Münchner bei Ballverlust schnell hinten sortieren müssen, ansonsten droht Ungemach.

3. Baustelle: Carlo Ancelotti muss taktische Alternativen entwickeln

Ancelotti halte zu stur an seinem 4-3-3 fest, sagen seine Kritiker. Dass der Italiener ganz anders kann, bewies er beim beeindruckenden 3:0-Erfolg gegen RB Leipzig, es war ein Sieg des Taktik. Mit gnadenlosem Pressing und Gegenpressing, rasantem Umschaltspiel und mehreren Verbindungsspielern in die Spitze schlug er den aufmüpfigen Aufsteiger mit dessen Waffen.

Ancelotti hat aber eines noch nicht erreicht: die Alternative 4-2-3-1 zu perfektionieren. Was, wenn die Gegner sein 4-3-3 entschärfen, etwa durch eine tief stehende Fünferkette?

4. Baustelle: Carlo Ancelotti muss Hermann Gerland zum Vertrauten machen

"Wäre nicht die Sprache, die nicht in meinen Kopf geht, wäre alles perfekt hier", sagte Ancelotti der "Gazzetta dello Sport". Das Manko: Ancelotti spricht trotz Unterrichts noch immer kein gutes Deutsch.

Das ist umso gravierender, da sein erster Assistent Paul Clement als Cheftrainer in die Premier League zu Swansea City wechselt und der langjährige Bayern-Co Hermann Gerland in der Rangfolge aufsteigt. Ancelotti und Gerland werden sich in ihrer Arbeit enger aufeinander abstimmen müssen, Sprachbarriere hin oder her.

5. Baustelle: Carlo Ancelotti muss einen Weg mit Uli Hoeneß finden

Gerland könnte nicht zuletzt mehr Einfluss von Uli Hoeneß einbringen. Der Präsident betont zwar die Unabhängigkeit des Trainers, aber auch, dass er stets mit Rat und Tat zur Seite stehe.

Gerland gilt als Intimus von Hoeneß, der an diesem Donnerstag 65 Jahre alt wird. Der Bayern-Boss wird Trainer und Mannschaft in Doha besuchen, sich vor Ort ein Bild machen. Ancelotti sagte bereits diplomatisch, dass "Bosse Spieler besser machen".

6. Baustelle: Carlo Ancelotti muss das Torjäger-Gen von Thomas Müller beleben

Ein einziges Tor hat Thomas Müller in bislang 13 Bundesliga-Einsätzen in dieser Saison erzielt, zwei sind es in der Königsklasse (sechs Spiele). Reihenweise traf nur Robert Lewandowski, zwölf Mal in der Bundesliga, fünf Mal in der Champions League. Müllers Selbstvertrauen dagegen wirkt nicht mehr unerschütterlich, so wie es einst war.

Um dieses Problem zu lösen, könnte einer von Ancelottis Bossen helfen. "Neulich meinte Rummenigge zu Lewandowski, dass er zwei Treffer erzielen würde. Und er erzielte zwei Treffer", schilderte der Bayern-Coach der "tz". "Ich habe ihn gebeten, ab sofort öfter mit Lewandowski zu reden. Schadet bestimmt nicht."

Auch Müller würde ein gewinnbringender Zuspruch nach dessen schwierigem Jahr 2016 nicht schaden. Denn die Bayern werden einen Müller in Bestform brauchen, um das große Ziel Champions-League-Sieg zu erreichen.