Es ist schon etwas ungewohnt. 33 Bundesliga-Spieltage sind gespielt. Die Saison ist kurz vor dem Ende. Und klar ist trotzdem so gut wie nichts. Zumindest, was den FC Bayern angeht.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

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Ein Bundesliga-Spiel und ein Pokalfinale machen in München den Unterschied zwischen einer guten Saison und einer ziemlich schlechten. Das Double ist möglich. Oder nichts. Lange hat der deutsche Fußball auf eine so spannende Schlussphase gewartet.

Bayern-Coach Niko Kovac hätte sich dagegen durchaus einen ruhigeren Saisonendspurt vorstellen können. Zwei Mal schon vergab der FC Bayern einen Matchball auf die Meisterschaft. In Nürnberg und in Leipzig.

Umgang mit Trainer Niko Kovac sei "an der Grenze der Unanständigkeit".

Nun geht es für Kovac um alles, denn auch seine persönliche Zukunft beim Rekordmeister dürfte eng mit dem Ausgang der Saison verknüpft sein. Vor allem mit der Meisterschaft, die als absolute Pflicht in München gilt.

Die Aussagen aus der Führungsetage der Münchner ließen in den vergangenen Tagen tief blicken. Rummenigge verweigerte mehrfach ein klares Bekenntnis zum Trainer, und am Wochenende ließ sich Hasan Salihamidzic auf die Frage nach Kovacs Zukunft im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF nur Folgendes entlocken: "Das werden wir sehen."

Warum lassen die Bayern-Bosse Kovac zappeln?

Es fällt schwer, die Hintergründe dieser merkwürdigen Kommunikationsstrategie zu verstehen. Planen sie längst ohne Kovac? Oder soll der öffentliche Druck Mannschaft und Trainerteam im Saisonfinale zu Höchstleistungen treiben?

Am Wahrscheinlichsten ist, dass es tatsächlich maßgeblich auf das Ergebnis gegen Frankfurt am Wochenende und das anschließende Pokalfinale ankommt. Einen Trainer direkt nach einem Titel entlassen? Das wäre selbst in der manchmal unruhigen Bayern-Geschichte ein ziemliches Novum.

Die Kritik an Kovac ist natürlich nicht neu. Zu wechselhaft waren die Leistungen in dieser Saison. Zu klar das Ausscheiden gegen Liverpool in der Champions League.

Die starke Aufholjagd in der Rückrunde, sowie der klare Sieg im Rückspiel gegen Dortmund stehen aktuell auf der Habenseite.

Kovac hat daran definitiv seinen Anteil. Er stabilisierte die Mannschaft mit einem harten Ende der Rotation und insbesondere der Hereinnahme von Javi Martínez ins Mittelfeldzentrum.

Bayerns Spiel wurde dadurch deutlich stabiler, auch wenn der Rekordmeister in der Rückrunde zu viele Gegentore kassierte. Allein in der Liga sind es bisher 31. So viele wie zuletzt in der schwachen Saison 2010/11.

Individuell hat vor allem Serge Gnabry unter Kovac einen Riesensprung gemacht. Ansonsten fehlen Nachweise, dass Kovac sichtbar Spieler besser machen konnte. Titel würden seiner bisher sehr gemischten Bilanz also fraglos gut tun.

Auffällig ist: Auch aus der Mannschaft ist immer mal wieder verdeckt oder verklausuliert Gemurre über die Ausrichtung oder Trainingsinhalte zu hören. Öffentlich in die Bresche springt für Kovac kaum jemand.

Kein Guardiola auf dem Markt

Auf der anderen Seite wussten die Münchner Verantwortlichen vor der Saison genau, dass der Kader etwas zu überaltert und satt für allerhöchste Ansprüche ist. Sehr bewusst entschieden sich die Bayern gegen neue Impulse durch teure Neuverpflichtungen.

Angegriffen werden soll erst in diesem Sommer. Auch deshalb gibt es Stimmen, die es nur fair finden, Kovac mit einem deutlichen aufgerüsteten Kader in der kommenden Saison eine Chance zu geben. Unabhängig vom Ausgang der laufenden Saison. Doch die Mechanismen in München sind andere.

Völlig unklar ist, wer Kovac nachfolgen könnte. Die deutschen Star-Trainer von Jürgen Klopp (in Liverpool) bis Julian Nagelsmann (ab 2019/20 in Leipzig) sind alle vertraglich gebunden.

Erik ten Hag von Ajax Amsterdam, der früher die Bayern-Amateure trainierte, genießt in München einen sehr guten Ruf. Gleiches gilt für Mark van Bommel, der mit dem PSV Eindhoven hinter ten Hag Zweiter in der niederländischen Liga ist.

Andere Namen wie Tottenhams Mauricio Pochettino oder ein Überraschungscoup mit Red-Bull-Mann Ralf Rangnick dürften als reine Spekulation gelten.

Auch, wenn spannende Namen dabei sind: Ein logischer Top-Kandidat, der den FC Bayern sofort und ohne Zweifel auf die nächste Stufe hebt - wie 2013 Pep Guardiola - ist aktuell nicht verfügbar.

Und so heißt es für Kovac, geduldig zu sein, die Diskussionen hinunterzuschlucken und zu arbeiten - ganz so, wie er es schon die gesamte Saison über tut.

Ohnehin hat Kovac mit seinem gelassenen, fast stoischen Arbeitseifer in den vergangenen Wochen eher an Profil gewonnen. Er weiß, dass er das schwächste Glied beim FC Bayern ist, wenn die Saison in die Hose geht und sogar ohne Titel endet.

Öffentliche Aussagen oder die Einforderung von mehr Unterstützung durch die Bosse, würden daran nichts ändern. Auch deshalb konzentriert er sich auf seine Arbeit und lässt die öffentliche Debatte völlig an sich abprallen. Der richtige Weg in seiner Situation.

Am Ende dieser langen Saison zählt ohnehin nur das Ergebnis. Für den FC Bayern und für Kovac. Bei Eintracht Frankfurt schaffte der Kroate den Sprung von einem unerfahrenen Bundesliga-Trainer zum Kandidaten beim FC Bayern. Nun darf er als Bayern-Trainer gegen seine alte Mannschaft alles tun - nur nicht verlieren.

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