RB Leipzig muss sich gegen Transfer-Anfragen für Shootingstars wie Timo Werner und Dayot Upamecano stemmen. Auch Macher Ralf Rangnick könnte den Klub verlassen. Dem Projekt von Red Bull droht ein Rückschlag.

Mehr aktuelle News zur Bundesliga finden Sie hier

Beim österreichischen Getränke-Riesen und Weltkonzern Red Bull ist man stets bemüht darum, eine zu große Einmischung in die Personalpolitik des Bundesliga-Klubs RB Leipzig zu verneinen.

Zur Einordnung: Die Red Bull GmbH ist mit 99 Prozent Gesellschafter, übertrug jedoch die Stimmenmehrheit an den Verein, um nicht in Widerspruch mit der 50+1-Regel in Fußball-Deutschland zu geraten.

Wie groß der Einfluss des Salzburger Unternehmens auf die Fußballer mit den roten Bullen auf den Trikots wirklich ist, lässt sich vor allem daran erahnen, wenn Ralf Rangnick die Leipziger Kicker aus dem Nichts ermahnt.

RB Leipzig: Ralf Rangnick mischt sich von außen ein

Der 61-jährige Schwabe, sieben Jahre Sportdirektor und zwischenzeitlich Cheftrainer von RBL, hat sich als Head of Sport and Development Soccer bei Red Bull in den Hintergrund zurückgezogen – eigentlich.

Als sich aber neun Leipziger Profis Mitte Januar einen Londoner Star-Friseur einfliegen ließen, tobte Rangnick: "Wenn du diesen Weg gehst, ist es bis zum Goldsteak nicht mehr weit." Zeitgleich hatte die Mannschaft die Bundesliga-Tabellenführung an den FC Bayern verloren, dessen Widersacher die Sachsen sein wollten - eigentlich.

Auch kürzlich sah sich Rangnick genötigt, sich in die Belange der Bundesliga-Tochter einzumischen. "Ich sehe keinen Umbruch. Bei Dayot Upamecano zum Beispiel habe ich vor Corona befürchtet, dass er RB Leipzig verlässt. Doch jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, ob er wirklich geht. Die Spieler wissen alle, was sie an der Mannschaft und der Stadt haben und dass sie im Zweifelsfall, trotz Corona, pünktlich ihr Gehalt bekommen", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung".

Rangnick-Angebot aus Mailand?

Einen Umbruch beim Bayern-Verfolger könnte nun aber just Rangnick selbst einleiten. Wie die stets gut informierte "Gazzetta dello Sport" berichtet, soll der Ex-Bundesliga-Trainer Sportdirektor des schwer angeschlagenen Italien-Riesen AC Mailand werden und demnach ein "Milan im deutschen Format" aufbauen.

Rangnick hatte Kontakte zu den Lombarden nicht verneint, doch das war vor der Coronavirus-Pandemie, die eben jene Lombardei schwer traf. Mehrheitseigner Gordon Singer hatte zuvor viel Geld in die Mailänder gesteckt.

Kolportierte 104,5 Millionen Euro an Ablösen gaben die Norditaliener vor der Saison aus, dazu die Leihe von Ante Rebic (Eintracht Frankfurt). Doch vor der Corona-Pause belegte Milan in der Serie A nur Platz sieben.

Um langfristigen Erfolg zu ermöglichen, würde Rangnick laut "Gazzetta dello Sport" am liebsten RBL-Coach Julian Nagelsmann mitbringen. Dass der 32-jährige Bayer (Vertrag bis 2023) den Bundesliga-Dritten verlässt, gilt indes als sehr unwahrscheinlich.

FC Liverpool wirbt um Timo Werner

Wahrscheinlicher ist da schon ein Abgang von Torjäger Timo Werner. Der FC Liverpool soll seit langem an einem Transfer des 24-jährigen Schwaben (21 Saisontore) arbeiten.

Davon und von einer Ausstiegsklausel über 60 Millionen Euro berichtet die "Sport Bild" – und, dass auch Milan, Stadtrivale Inter Mailand und der FC Barcelona Interesse signalisieren sollen.

"Es ist einfach so, dass mich die Herausforderung in einer anderen Liga noch etwas mehr reizen würde als ein Wechsel innerhalb der Bundesliga", sagte Werner unlängst der "Bild" mit Blick auf ein angebliches Werben des FC Bayern.

FC Bayern will wohl Dayot Upamecano

Bei 60 Millionen Euro soll auch die Ausstiegsklausel für Dayot Upamecano liegen. Der erst 21-jährige Franzose hat sich in den vergangenen beiden Spielzeiten zum absoluten Abwehrchef der Sachsen entwickelt. Beim 0:0 im Spitzenspiel Anfang Februar in München ließ "Upa", wie ihn Fans und Kollegen rufen, Bayerns Robert Lewandowski mit teils herausragenden Zweikämpfen keine Chance.

Wohl auch deshalb will der deutsche Rekordmeister ihn verpflichten, wie die "Sport Bild" berichtet, die Ablöse wegen der Coronakrise aber drücken. Beide Klubs haben die Personalie nie dementiert.

Leipzig steht beim Innenverteidiger, anders als bei Werner, unter Druck. Sein Vertrag endet im Sommer 2021. Und sowohl Sportdirektor Markus Krösche als auch Geschäftsführer Oliver Mintzlaff kündigten an, Upamecano in keinem Fall ablösefrei gehen zu lassen.

Ethan Ampadu muss gehen, Yussuf Poulsen und Emil Forsberg sind unzufrieden

Gut, dass mit Ibrahima Konaté der zweite Stammverteidiger nach langwieriger Muskelverletzung zurückgekehrt ist. Doch: Obwohl der 20-jährige Franzose seit Monaten kein Spiel bestritten hat, soll sich laut französischem Portal "le10sport.com" Manchester United intensiv um den Abwehrmann bemühen.

Die Leipziger haben nicht erst seit dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League die Aufmerksamkeit der Premier League auf sich gezogen. So gilt Tottenham-Teammanager José Mourinho als Fan von RBL-Angreifer Christopher Nkunku (22), und der FC Chelsea will RB-Innenverteidiger Ethan Ampadu (19) nach dessen Leihe bis Saisonende laut Krösche nicht ziehen lassen.

Zudem sollen Yussuf Poulsen (25) und Spielmacher Emil Forsberg (28) mangels Startelf-Einsätzen chronisch unzufrieden sein und den Klub verlassen wollen. Bayern-Jäger RB Leipzig steht so vor einem ungewollten Umbruch. Und das mitten im Meisterschafts-Endspurt nach dem Corona-Shutdown.

Verwendete Quellen:

  • Gazzetta dello Sport: Milan alla tedesca: con Rangnick idea Nagelsmann per la panchina
  • welt.de: Leipzig zwischen Friseur-Affäre und Einmischung von Rangnick
  • Mitteldeutsche Zeitung: Ralf Rangick im Interview: "Salzburg drohte mit Entsendung ins Leipziger Exil"
  • sportbild.de: Klopp-Klub braucht Zeit! Warum Liverpool bei Werner zögert
  • le10sport.com: Mercato: Manchester United bouge sur un joyau du football francais!
Bildergalerie starten

Die Bundesliga im Corona-Modus: "So haben wir früher als Kinder gespielt"

Freiburgs Trainer Christian Streich bekam angesichts der fehlenden Atmosphäre von den Rängen Angst, mit seinen lauten Anweisungen seine Spieler zu verwirren. Gemischte Gefühle beherrschen die Bundesliga nach dem Restart, der sich für manchen Profi nach Jugendfußball anfühlte.