Der FC Bayern scheitert zum fünften Mal in Folge in der K.-o.-Runde der Champions League an einem spanischen Klub. Drei verschiedene Trainer haben sich an einem neuerlichen Finaleinzug versucht, verpasst haben sie ihn aus unterschiedlichen Gründen.

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Es war ein Schlachtengemälde - dieses Bild, das die 22 Kämpfer unten auf dem Rasen abgaben.

Sekunden nach dem epischen Kampf zwischen Real Madrid und dem FC Bayern München lagen die Spieler am Boden, zumeist waren es rot gekleidete.

Jene der Gastgeber lagen in Umarmungen, andere rannten auf die Zuschauer hinter dem Tor zu.

21 der 22 Akteure aber hatten eines gemeinsam: Sie befanden sich tief in der Hälfte von Real Madrid, das eine letzte Münchener Welle stoppen musste, bevor der erlösende Pfiff ertönte.

Sven Ulreich war 60 Meter weg vom Geschehen und sank mit Abpfiff auf den Boden.

Vereinfacht formuliert war es sein Fehler, der den Bayern die Möglichkeit auf den Finaleinzug raubte. Doch das wäre zu kurz gedacht. Mit diesem einen Fehler allein ist das Aus nicht erklärt.

Die Gäste hatten die bayerische Krankheit mit nach Madrid gebracht, die Chancenverwertung war eines Finalaspiranten wie schon im Hinspiel nicht würdig.

22 Torschüsse hatten die Bayern auf ihrer Seite - neun nur Real -, mehr als ein halbes Dutzend klarster Chancen vergaben die Roten.

Es war wie eine Kopie der Partie in München, nur dass die Bayern neben ihrem eigenen Unvermögen diesmal auch an Real-Keeper Keylor Navas scheiterten, der wohl sein bestes Spiel für Real Madrid absolvierte.

Die Zahlen aus beiden Spielen:

  • Torschüsse: 39:16
  • Torschüsse im gegnerischen Strafraum: 33:10
  • Eckbälle: 21:9

Bayern schlägt die Geschenke aus

Real Madrid hat die Geschenke, die der Gegner verteilt hat, angenommen. Die Bayern haben die der Madrilenen generös ausgeschlagen und waren deshalb am Ende mal wieder geschlagen. Vor allem von sich selbst.

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FC Bayern bei Real Madrid: Reaktionen nach Aus im Champions-League-Halbfinale

Der FC Bayern ist raus. Mal wieder hat es gegen eine spanische Mannschaft nicht gereicht. Nach dem Spiel bei Real Madrid können viele Spieler ihre Tränen nicht zurückhalten. Die Enttäuschung ist riesig. Schämen muss sich die Mannschaft aber dennoch nicht.

Es ist das fünfte Ausscheiden in Folge für die Bayern gegen ein spanisches Team, dreimal davon ereilte den deutschen Rekordmeister das Aus gegen Real Madrid. Was bleibt, ist der Wunsch nach Erklärungen für diesen Spanien-Fluch.

"Wir müssen uns nicht schämen. Es tut sehr weh, dass wir diese Möglichkeit nicht genutzt haben. Es war so viel mehr drin", sagte Thomas Müller im ZDF.

"Wir haben so viele Jungs, die oft knapp gescheitert sind. Wir müssen uns die Frage stellen, was machen wir in diesen Partien falsch? Wir sind schon so oft knapp ausgeschieden."

Vom einen zu wenig, vom anderen zu viel

Die Gründe für die vielen Niederlagen in großen K.-o.-Spielen sind mannigfaltig und greifen über drei verschiedene Trainer.

Mit Pep Guardiola wählten die Bayern einmal die falsche Spielausrichtung und Taktik, ein anderes Mal waren zu viele wichtige Spieler in den großen Duellen verletzt und einmal fehlte gegen Atlético Madrid eine Prise Glück und der letzte Wille.

Carlo Ancelotti verzockte sich im Rückspiel in Madrid in der letzten Saison mit Arturo Vidal, der dann fast mit Ansage vom Platz flog.

Dazu hatten die Bayern Pech mit Schiedsrichterentscheidung und unter Ancelotti kein funktionierendes Kollektiv mehr auf dem Platz.

Die Bayern haben Elfmeter verschossen und Platzverweise kassiert, sie haben grobe individuelle Fehler begangen und hochkarätige Möglichkeiten vergeben. Sie hatten von allem Schlechten zu viel und von allem Guten zu wenig.

In diesem Jahr servierten die Bayern dem Gegner alle vier Tore förmlich auf dem Silbertablett in einer für diese Mannschaft ungeahnten Fahrlässigkeit.

"Es ist schwer, das zu fassen. Wenn man es hochrechnet, haben wir zwei Tore hergeschenkt. Real war nicht auf dem Maximum, wir haben sie nicht hingelassen. Bei Real hat es in der Defensive oft lichterloh gebrannt. Es tut weh, es tut extrem weh. Aber Real hat weniger gravierende Fehler gemacht", sagte Mats Hummels einigermaßen fassungslos im ZDF.

Schönen Gruß an Guardiola und Ancelotti

Nur eine Sache haben alle fünf gescheiterten Versuche gemeinsam: Die Bayern haben jeweils das erste Spiel zum Teil komplett verpatzt.

Diese schwierigen Ausgangslagen bestimmten dann immer den Charakter des Rückspiels: Die Bayern mussten angreifen, sie mussten riskieren und mehr investieren als der Gegner.

"Wenn man so hohes Tempo geht, kann es sein, dass vor dem Tor die Konzentration fehlt", sagte Jupp Heynckes.

Aber auch der Bayern-Coach sah die gröberen Verfehlungen in der eigenen Defensive. "Auf diesem Niveau darf man einfach nicht so krasse Fehler machen wie wir im Hinspiel und heute kurz nach der Pause. Wir sind unverdient ausgeschieden, wenn man beide Spiele sieht. Nur darf man solche Fehler eben nicht machen."

Für Heynckes war es das letzte Spiel in der Königsklasse. Die große Bühne wollte er nicht verlassen, ohne noch eine unterschwellige Botschaft nach Manchester und Vancouver zu schicken.

"Ich habe den FC Bayern in dieser Verfassung schon viele Jahre nicht gesehen", sagte Heynckes noch, was wohl so viel heißen sollte wie: Zuletzt waren die Bayern so gut und so scharf unter Heynckes' Regie in der Triple-Saison.

Pep Guardiola in Manchester und Carlo Ancelotti in Vancouver werden es verschmerzen können, das Resultat bleibt schließlich dasselbe: Die Bayern sind mal wieder in der K.-o.-Runde gescheitert.

Und der sprichwörtliche Bayern-Dusel, der ist auf internationalem Parkett offenbar aufgebraucht.