• Jürgen Klopp kann mit dem FC Liverpool in dieser Saison mit einem Sieg gegen Real Madrid noch das Triple gewinnen.
  • Seit der 54-Jährige die Reds übernommen hat, gab es bereits einige Höhepunkte, aber auch bittere Rückschläge.
  • Spätestens mit der Beendigung einer 30-jährigen Durststrecke hat der Deutsche aber Kultstatus an der Anfield Road erlangt.

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Jürgen Klopp genießt beim FC Liverpool schon jetzt Kultstatus und das nicht ausschließlich aufgrund der zahlreichen Trophäen, die die Reds unter seiner Ägide gewinnen konnten. Der 54-Jährige steht mit Liverpool zum dritten Mal im Finale der Champions League, dort trifft der englische Vizemeister zum zweiten Mal nach 2018 auf Real Madrid.

Nur dem Schotten Bob Paisley gelang ähnliches als Liverpool-Coach. Er führte die Reds 1977, 1978 und 1981 ins Finale des damaligen Europapokals der Landesmeister, der heute als Champions League firmiert.

Klopp verspricht Titel in vier Jahren bei Amtsantritt

Eine Entwicklung, die bei Klopps Amtsübernahme im Oktober 2015 noch nicht abzusehen war. Die Reds fristeten ein Dasein im Tabellenmittelfeld, als Klopp kam und sich zunächst einmal als "The Normal One" vorstellte. "Bitte geben Sie uns Zeit für die Arbeit. Aber ich denke: Wenn ich in vier Jahren hier sitze, werden wir vielleicht einen Titel haben", mahnte der Deutsche damals bei seiner ersten Pressekonferenz.

Zu dieser Zeit heißen die Topteams in der Premier League Manchester City, FC Chelsea und Manchester United. Liverpool gilt zu jener Zeit nicht unbedingt als Titelfavorit, obwohl sie teilweise höchst dramatisch scheitern, wie 2014, als Liverpool-Ikone und Kapitän Steven Gerrard im entscheidenden Meisterduell gegen Chelsea wegrutscht und damit gleich alle Titelhoffnungen der Reds-Fans mitnimmt, die seit 1990 auf einen Titel in der Premier League warten.

Auch unter Klopp ändert sich dies nicht sofort, doch seit der ersten kompletten Saison des ehemaligen BVB-Trainers holt Liverpool im Schnitt über 83 Punkte. Ein herausragender Wert in der besten Liga der Welt.

Emotionales Duell mit BVB in der Europa League

Außerhalb der Liga hat Klopp nur wenige Monate nach seiner Ankunft die erste Titelchance, doch im Ligapokalfinale unterliegen die Reds dem Team von Manchester City im Elfmeterschießen. Im Vorfeld des Finales hatte Klopp noch betont: "Ich möchte nicht zu dramatisch klingen: Aber genießen werde ich diesen Tag nur, wenn wir gewinnen." Es sollte anders kommen.

Im April 2016 folgt das nächste emotionale Highlight für Klopp mit dem Duell gegen Ex-Klub Borussia Dortmund und Nachfolger Thomas Tuchel. Nach einem 1:1 im Hinspiel führt der BVB bei den Reds bis zur 66. Minute mit 3:1 – und verliert am Ende mit 3:4 durch einen Treffer in der Nachspielzeit. Erstmals erlebt Klopp einen dieser Anfield-Momente, von denen noch viele weitere folgen sollen. Doch auch hier ist dem Deutschen am Ende der Titel nicht vergönnt, im Finale behält der FC Sevilla die Oberhand.

In der folgenden Saison erlebt Liverpool in den Pokalwettbewerben eine Enttäuschung nach der anderen. Im FA Cup ist bereits in der vierten Runde gegen Zweitligist Wolverhampton Wanderers Schluss und im Ligapokal reicht es gegen Southampton nicht zum Finaleinzug. Immerhin in der Liga reicht es für Platz vier und damit der Qualifikation für die Playoffs zur Champions League.

"Bösewicht" Ramos schaltet Salah und Karius aus

Dort kommt es zum Duell mit der TSG Hoffenheim und deren Trainer-Jungstar Julian Nagelsmann, aber die Reds meistern die Hürde souverän und machen die Königsklasse in der Saison 2017/18 zu ihrem Wettbewerb. Unter anderem wird im Viertelfinale Manchester City ausgeschaltet, bevor es im Finale zum Duell mit Real Madrid kommt.

Real-Kapitän Sergio Ramos reißt zunächst Liverpools Stürmerstar Mohamed Salah zu Boden, sodass dieser mit einer Schulterverletzung vorzeitig runter muss. Später rammt er Reds-Keeper Loris Karius den Ellbogen an den Kopf, dadurch erleidet dieser eine Gehirnerschütterung, wie später diagnostiziert wird. Anschließend patzt Karius bei gleich zwei Gegentoren und Liverpool geht wieder einmal als Verlierer vom Feld. Für Klopp ist es bereits das zweite verlorene Champions-League-Finale nach der Pleite 2013 mit dem BVB. Die Stimmen, die an seinen Titelfähigkeiten zweifeln, mehren sich zu diesem Zeitpunkt.

Umso beeindruckender ist der Ligastart in der Saison 2018/19, als Klopps Team sieben Spiele in Folge zum Auftakt gewinnt. Am Ende fehlt nur ein Punkt auf Meister Manchester City, das aberwitzige 98 Zähler holt. Während in den nationalen Pokalwettbewerben erneut nichts zu holen ist, glänzen die Reds aber wieder in der Champions League. Im Achtelfinale wird der FC Bayern mit einem 3:1-Sieg in der Allianz Arena ausgeschaltet.

Magisches Halbfinale gegen Barcelona

Unvergessen ist aber das Halbfinale gegen den FC Barcelona. Im Camp Nou verlor Liverpool mit 0:3, doch ein Gänsehautabend an der Anfield Road inklusive Eckentrick von Verteidiger Trent-Alexander Arnold lässt Liverpool mit 4:0 gewinnen und damit ins Finale einziehen. Dort wartet Ligarivale Tottenham Hotspur, die Liverpool in einer zähen Partie, in der beiden Mannschaften der Druck anzumerken ist, mit 2:0 schlägt. Endlich! Der erste Titel für Klopp in Liverpool und er hat Wort gehalten. Nach vier Jahren ist tatsächlich die erste Trophäe in der Vitrine der Reds.

Ein Bann scheint gebrochen, denn nur wenige Wochen später setzt sich Liverpool im europäischen Supercup gegen Chelsea im Elfmeterschießen durch, im Dezember 2019 folgt der Sieg bei der Klub-WM. Auch in der Liga eilt Liverpool von Sieg zu Sieg und verpasst mit 18 Erfolgen in Serie nur knapp den Rekord von 19 Siegen am Stück. Dann der erste Dämpfer: Im Achtelfinale der Champions League scheitert Liverpool an Atletico Madrid. Kurz danach legt die Corona-Pandemie den Spielbetrieb komplett lahm.

Klopp beendet Liverpools Meister-Flaute

Erst im Juni 2020 startet die Premier League wieder durch und Liverpool sichert sich bereits am 31. Spieltag vorzeitig die Meisterschaft. 30 Jahre Warten haben ein Ende und spätestens jetzt macht sich Klopp in Liverpool endgültig unsterblich. Das geforderte Social Distancing wird an diesem Abend in Liverpool komplett umgangen, der Teil der Stadt, der zu den Reds hält, befindet sich im kompletten Ausnahmezustand, trotz Corona-Pandemie.

Mit der Meisterschaft im Rücken und dem Erreichen des Legendenstatus folgt ein ruhigeres Jahr für Klopp und Liverpool, das in der Saison 2020/21 komplett ohne Titel bleibt.

Die Fans der Reds werden dafür aber in dieser Spielzeit komplett entschädigt. Erstmals in der Ära Klopp gewinnt Liverpool einen nationalen Pokal. Zuerst den Ligapokal und einige Wochen später auch noch den FA Cup. Beide Male wird der FC Chelsea mit Coach Thomas Tuchel im Elfmeterschießen bezwungen. In der Liga kämpft sich das Klopp-Team nach zwischenzeitlichen 13 Punkten Rückstand wieder bis auf einen Zähler an Manchester City heran. Am 38. Spieltag besitzen sie im Fernduell mit den Citizens zwischenzeitlich alle Chancen auf den Titel, müssen sich aber am Ende dann noch auf Rang zwei einordnen.

Liverpool mit Chance auf Pokal-Triple

Der Traum vom Quadruple ist damit zwar geplatzt, doch im Champions-League-Finale gegen Real Madrid kann das Pokal-Triple perfekt gemacht werden.

Und die Ära Klopp hat gerade erst an Fahrt aufgenommen, denn vor wenigen Wochen verlängerte der 54-Jährige seinen Vertrag vorzeitig bis 2026. Klopp kann also mindestens noch vier weitere Jahre an seinem Vermächtnis, das schon jetzt riesig ist, an der Anfield Road weiterarbeiten.

Verwendete Quellen:

  • Sportschau.de: Vier Titel in einem Jahr: Klopps historisches Ziel
  • Transfermarkt.de: Klub-Profil FC Liverpool
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Deutsche Trainer in der Champions League: Eine bemerkenswerte Erflogsgeschichte

Das Champions-League-Finale wird in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge mit mindestens einem deutschen Trainer gespielt. Jürgen Klopp setzt eine Serie fort, an der er in den vergangenen Jahren selbst großen Anteil hatte. Gegner am Samstag ist Real Madrid mit dem früheren Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.