DFB-Präsident Reinhard Grindel hat den Neuaufbau der deutschen Nationalmannschaft zur Chefsache erklärt. Dabei stellt er nicht nur Mesut Özil ein Ultimatum, auch Manager Oliver Bierhoff wird von Grindel unter Druck gesetzt.

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Mesut Özil macht gerade Urlaub in Griechenland. Er postet Bilder auf Instagram, auf denen er glücklich aussieht. Seine Kommentare zu den Urlaubsbildern wirken jedoch nachdenklich und so ist davon auszugehen, dass es in Özils Kopf doch gehörig rumort.

Denn auch im Urlaub wird er mitbekommen haben, was erst Oliver Bierhoff und nun auch DFB-Präsident Reinhard Grindel über ihn gesagt haben. Dass der Manager der deutschen Nationalmannschaft glaubt, man hätte zumindest darüber nachdenken müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet.

Grindel stellt Özil ein Ultimatum

Und dass ihm der DFB-Präsident nun sogar ein Ultimatum stellt. "Es stimmt, dass sich Mesut bisher nicht geäußert hat. Das hat viele Fans enttäuscht, weil sie Fragen haben und eine Antwort erwarten. Diese Antwort erwarten sie zu Recht. Deshalb ist es für mich völlig klar, dass sich Mesut, wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt, auch in seinem eigenen Interesse öffentlich äußern sollte", erklärt Grindel im "kicker" und meint damit: Özil soll endlich reden, er soll Stellung beziehen zu den Bildern mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, sonst ...

Die Drohung steht unausgesprochen im Raum, doch Özil dürfte sie verstanden haben. Sonst ist kein Platz mehr für ihn in der deutschen Nationalmannschaft.

Vielleicht reagiert Grindel damit auch auf die Meldungen vergangene Woche, Özil habe sich entschieden, weiter Nationalspieler sein zu wollen. Offenbar will der DFB dem Spieler diese Entscheidung nicht allein überlassen.

Der DFB-Präsident will sich nach der blamablen Aus bei der WM Stück für Stück die Kontrolle über das Nationalteam zurückholen. Er will aufräumen. Das ist der Eindruck, der entsteht, wenn man Grindel so reden hört.

Mesut Özil hat sich in den letzten Wochen hervorragend als Sündenbock bewährt, auch weil er eben so beharrlich schweigt. Und weil es in der vom DFB so gerne zitierten "Basis" sicher einige Fans gibt, die es wahrscheinlich begrüßen würden, wenn Özil nicht länger im Trikot der deutschen Nationalmannschaft aufläuft.

Mit seiner Ultimatum-Rhetorik will Grindel offenbar auch die Fans wieder für den DFB gewinnen.

Auch Bierhoff steht unter Beobachtung

Doch Özil ist nicht der einzige, an dem sich Grindel abarbeitet. Auch der in seinem Krisenmanagement bislang eher glücklos wirkende Oliver Bierhoff bekommt klare Ansagen vom DFB-Präsidenten.

"Wir trauen unseren sportlichen Köpfen zu, die richtigen Schlüsse zu ziehen und eine Mannschaft auf den Platz zu bringen, die in die Erfolgsspur zurückfindet", erklärt Grindel im Interview mit dem "kicker". "Im Übrigen erwarte ich, dass wir im Präsidium vom zuständigen Direktor Oliver Bierhoff über die sportliche Entwicklung in den kommenden Monaten intensiv informiert werden. Denn dass unsere Fans Trainer und Mannschaft jetzt bei jedem Spiel auf den Prüfstand stellen, ist doch klar", betont er zudem.

Im Klartext: Bierhoff steht unter Beobachtung. Ganz offenbar war man beim DFB mit einigen Entscheidungen des Managers im Nachhinein nicht besonders zufrieden. Unter anderem wird Bierhoff häufig vorgeworfen, er sei dafür verantworlich, dass sich das Team von den eigenen Fans entfernt habe. Auch die vielen Marketingmaßnahmen haben nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft für Kritik gesorgt.

Für Grindel ist offenbar klar, dass es - obwohl Jogi Löw als Bundestrainer weiterarbeitet - ein "Weiter so" nicht geben kann. Die ersten Ergebnisse der WM-Aufarbeitung erwartet der DFB-Präsident kurz vor dem nächsten Länderspiel am 6. September gegen Frankreich: "Es geht um gravierende Veränderungen, möglicherweise im Team, beim Team hinter dem Team, auch bei einzelnen Abläufen, die die Darstellung der Mannschaft in der Öffentlichkeit betreffen. Darüber werden wir Ende August mit dem Präsidium intensiv diskutieren und dann hoffentlich Weichen stellen, die uns zu alter Stärke führen."

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