In Nürnberg wird die Verwarnung gegen einen Leipziger annulliert, doch fast niemand bekommt es mit. Als er ein zweites Mal Gelb sieht, aber nicht des Feldes verwiesen wird, gibt es deshalb Verwirrung. Auch in Bremen und Gladbach wird mit dem Schiedsrichter gehadert.

Alex Feuerherdt
Eine Kolumne
von Alex Feuerherdt, Schiedsrichter-Coach und freier Publizist

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In der Partie zwischen dem 1. FC Nürnberg und RB Leipzig (0:1) waren 58 Minuten gespielt, als sich auf den Rängen große Verwirrung breitmachte.

Schiedsrichter Daniel Schlager hatte dem Leipziger Ibrahima Konaté soeben die Gelbe Karte gezeigt. Und weil dieser schon nach neun Minuten verwarnt worden war, rechneten nun alle damit, dass der Unparteiische auch die Rote Karte hervorholen wird.

Doch Konaté durfte auf dem Platz bleiben - und das sorgte für viele erstaunte Gesichter. Hatte der Referee sich etwa nicht notiert, dass er diesen Spieler schon verwarnt hatte? Und warum griff der Video-Assistent nicht ein?

Es war der Nürnberger Stadionsprecher, der schließlich für Aufklärung sorgte. Allerdings ging das nicht ohne weiteres Stirnrunzeln vonstatten. Denn verkündet wurde, dass Konatés erste Verwarnung nach Angaben des Vierten Offiziellen in der Halbzeit vom Schiedsrichter zurückgenommen worden sei.

Gemeint war vermutlich, dass die Auskunft des Vierten Offiziellen in der Pause übermittelt worden war. Doch die Durchsage ließ sich auch so verstehen, dass die Annullierung der Gelben Karte für Konaté erst in der Halbzeit erfolgt war.

Das stimmte allerdings nicht, wie Referee Schlager klarstellte. Er habe vielmehr beide Spielführer sofort zu sich gerufen und sie, wie auch Konaté selbst, über die Rücknahme der Verwarnung informiert, erklärte er im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF.

Der Leipziger Kapitän Willi Orban konnte das bestätigen. Er berichtete, der Unparteiische habe „die Gelbe Karte gezogen und dann mit Köln kommuniziert. Er hat mir und Nürnbergs Kapitän Behrens dann gesagt, dass er die Gelbe Karte zurücknimmt.“

Warum die Gelbe Karte gegen Konaté zurückgenommen wurde

Grundsätzlich gilt: Der Schiedsrichter kann eine Entscheidung ändern, solange das Spiel noch nicht wieder fortgesetzt ist. Danach steht sie unwiderruflich fest. Es ist also nicht möglich, in der Halbzeitpause eine persönliche Strafe zu streichen, die wenige Minuten nach Spielbeginn verhängt wurde.

Aber warum kam es überhaupt zur Rücknahme der Verwarnung? Konaté hatte an der Strafraumgrenze der Leipziger das Bein gegen den ballführenden Tim Leibold stehen lassen. Der Nürnberger fädelte ein und ging zu Boden.

Referee Schlager wertete das als taktisches Foul. Bei diesem Vergehen gilt: Findet es im Strafraum statt, gibt es neben dem Elfmeter nur dann eine Gelbe Karte, wenn der Ball nicht gespielt werden konnte und sollte, also etwa bei einem Stoßen oder Halten. Außerhalb des Strafraums dagegen wird in jedem Fall auch eine Verwarnung fällig.

Deshalb sah Konaté zunächst Gelb, denn der Schiedsrichter hatte das Vergehen außerhalb des Strafraums verortet und deshalb auf Freistoß entschieden.

Als der Video-Assistent die Entscheidung überprüfte, bemerkte er jedoch, dass sich der Kontakt auf der Strafraumlinie ereignet hatte. Daher korrigierte der Referee seine Entscheidung und gab einen Strafstoß für Nürnberg.

Das aber bedeutete, dass die Gelbe Karte gegen Konaté revidiert werden musste, denn der Einsatz des Leipzigers war ballorientiert. Den Zuschauern entging die Rücknahme der Verwarnung jedoch. Erst der Stadionsprecher informierte sie darüber - wenngleich mit missverständlichen Worten.

Zwayer in Gladbach mal großzügig und mal kleinlich

Bei Borussia Mönchengladbach gab man derweil zwar unumwunden zu, dem FC Bayern München bei der 1:5-Pleite deutlich unterlegen gewesen zu sein.

Trotzdem ärgerte sich nicht nur Trainer Dieter Hecking darüber, dass Schiedsrichter Felix Zwayer das frühe Führungstor des Rekordmeisters durch Javi Martínez anerkannt und der Video-Assistent nicht interveniert hatte.

Dabei hatte der Münchner nach einem Eckstoß seinen Gegenspieler Nico Elvedi mit dem Arm deutlich weggedrückt, woraufhin dieser zu Boden gegangen war. Anschließend konnte Martínez den Ball unbedrängt in den Torwinkel köpfen.

War das ein Foul? Oder ging es noch als typischer, meist nicht geahndeter Körpereinsatz vor Spielfortsetzungen in Tornähe durch? Letzteres, entschied Zwayer durchaus überraschend, und sein Assistent an den Bildschirmen in Köln fand das zumindest nicht klar falsch.

Damit hatte der Referee eine großzügige Linie bei der Zweikampfbeurteilung vorgegeben, die er allerdings nicht konsequent durchhielt. Das fiel besonders bei der Strafstoßentscheidung für den FC Bayern in der Schlussminute auf.

Denn dass das leichte Halten von Thorgan Hazard gegen Joshua Kimmich und der geringfügige Kontakt am Knie wirklich die Gründe für den Sturz des Münchners waren, darf man bezweifeln.

Die Zweikampfbeurteilung durch den Unparteiischen war hier jedenfalls wesentlich kleinlicher als vor dem 0:1. Und das passte einfach nicht zusammen.

Wolfsburg trifft - und jubelt verhalten

In Wolfsburg hielten sich unterdessen die Hausherren in der Begegnung gegen Werder Bremen (1:1) mit dem Jubel über ihren Führungstreffer sehr zurück. Denn sie waren sich selbst nicht sicher, ob er anerkannt werden würde.

Der Grund dafür: Als Maximilian Arnold einen Freistoß vor das Tor der Gäste geschlagen hatte, war neben dem Torschützen John Brooks auch Wout Weghorst zum Ball gegangen – und zwar aus deutlicher Abseitsposition.

Brooks war allerdings schneller gewesen und hatte den Ball über Werders Torhüter Jiri Pavlenka geköpft, der einen Moment zu spät aus seinem Tor geeilt war. Die Frage war nun: Hatte Weghorst den Schlussmann der Gäste in dessen Möglichkeit beeinträchtigt, den Ball zu erreichen? Dann nämlich wäre das Abseits strafbar gewesen.

War der Wolfsburger Führungstreffer regulär?

Für eine Beeinflussung sprach, dass sowohl Weghorst als auch Brooks zum Ball liefen und Weghorst eindeutig den Versuch unternahm, die Kugel zu erreichen, dabei dem Bremer Keeper am Ende sehr nahe kam und Pavlenka snicht sicher sein konnte, welcher Wolfsburger den Ball erreichen wird.

Auf der anderen Seite hatte sich Pavlenka beim Herauslaufen erkennbar verschätzt und wäre deshalb aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin nicht mehr an den Ball gekommen.

Deshalb könnte man argumentieren, dass Weghorsts Abseitsstellung letztlich ohne Bedeutung für den Ausgang der Szene war. Womöglich haben das auch Schiedsrichter Daniel Siebert, sein Assistent an der Seitenlinie und der Video-Assistent so gesehen. Abwegig war das jedenfalls nicht.

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