Warum Juror Jorge González beim "Let’s Dance"-Weihnachtspecial auf eine Badekappe aus Popcorn als Kopfbedeckung setzte und Joachim Llambi zwei Kilogramm Kreide intus hatte, wird auch heute noch gerätselt. Fünf bereits erfolgreiche Promis des Tanzformats traten jedenfalls am Freitagabend im weihnachtlichem Ambiente um den Titel "Christmas Dancing Star 2022" und 10.000 Euro für den guten Zweck gegeneinander an: Artistin Lili-Paul Roncalli, Moderatorin Janin Ullmann, der isländische Ex-Kicker Rúrik Gíslason (Huh!), Ex-Speerwerfer Mathias Mester sowie Artist René Casselly.

Robert Penz
Eine Satire
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Man muss es versuchen zu verdrängen. Gedanklich einfach irgendwie ausmanövrieren. Allerdings wird es nicht einfach, die Tatsache, dass diese "Let’s Dance"-Weihnachtsshow bereits im Sommer aufgezeichnet wurde, so völlig auszublenden. Aber gut, Nächte können auch im Sommer still und heilig sein, und "Last Christmas" fliegt einem eh immer schon im Frühherbst das erste Mal um die Ohren. Wird schon irgendwie. Vielleicht wurde für dieses gewaltige weihnachtliche Sommerloch endlich der Ententanz ins Programm genommen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Jetzt geht aber los.

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20:15 Uhr: Und zwar mit einem wahnsinnig lustigen Weihnachts-Sketch gleich zu Beginn. Die Mitwirkenden: Victoria Swarovski und Daniel Hartwich, die nachher leider auch die Moderation übernehmen.

20:18 Uhr: Die Juroren ziehen mit ein paar Tänzern ein und zeigen jetzt schon, wohin der in Tanzschritten zu absolvierende Weihnachtsausflug heute gehen wird. Das Schauspiel dauert gerade mal drei Minuten, da bekommt man es schon mit der Angst zu tun. Dabei ist dieser berüchtigte Llambi, der sich hoffentlich von seinem Cholerischen in diesem Münchner Hotel neulich wieder ganz erholt hat, bisher nur ein einziges Mal kurz aufgeblitzt.

20:24 Uhr: Das Publikum wird seit geschlagenen fünf Minuten dazu genötigt, in die Hände zu klatschen. Es ist bereits mächtig angefressen. Von "O du Fröhliche" kann im Hochsommer schon keine Rede mehr sein.

20:25 Uhr: Erstmals heißt es "Let’s Dance" an diesem Abend. Artistin und "Dancing Star 2020" Lili Paul-Roncalli und Massimo Sinató tanzen zu "Feliz Navidad" von José Feliciano einen Cha – das ist dieser Tanz mit den Beinen, die sich gut bewegen sollen.

Roncalli und die Kanaldeckel-Impro

20:27 Uhr: Roncalli balanciert zu Beginn geschickt einen Kanaldeckel, den sie vermutlich irgendwo auf dem Weg zwischen Garderobe und Bühne spontan geklaut hat, auf einem ihrer Artistenfinger. Geile Impro! Aber: Kaum haben die beiden angefangen zu tanzen, ist es auch schon wieder aus. Wahnsinn, in diesen 30 Sekunden muss man als Zuseher topfit sein. Das mit den Beinen haben die beiden aber ganz gut gemacht. Da hat man aus den Augenwinkeln durchaus mitbekommen.

20:30 Uhr: Juror Jorge González, der eine Badekappe aus (hoffentlich wasserfestem) Popcorn trägt, weil er vermutlich sofort nach der Aufzeichnung im Freibad ein paar Längen kraulen wollte, sieht das auch so. Er ist voll des Lobes: "Du tanzt nicht nur Technik gut. Ich lieb dich so anschauen", sagt er unter der Badekappe. "Es ist wieder Glamour auf der Fläche", meint wiederum Llambi, der vor der Show offenbar zwei Kilo Kreide und eine Plüschteddy-Keule versenkt hat. Die Jury-Wertung: 10 von Jorge González, 10 von Motsi Mabuse und 8 von Joachim Llambi.

20:45 Uhr: Wer zum Geier ist das? Also der Typ, der nach jeder Werbepause immer irgendwas singt oder labert? Geh weg!

20:46 Uhr: Der ehemalige paraolympische Speerwerfer Matthias Mester schleift mit Tänzerin Renata Lusin einen Charleston zu einem sommerlichen "In der Weihnachtsbäckerei" von Rolf Zuckowski ins Parkett. Sehr gut! Apropos sehr gut, apropos Weihnachtsbäckerei: Nussecken sind großartig. Zimtsterne sind okay. Florentiner gehen so. Es ist nicht auszuschließen, dass das, was die beiden gerade beim Tanzen in der Hand hielten, ein Nudelholz war. Ganz glauben kann man es aber nicht. Gibt's eigentlich Zimtnudeln oder Nudelecken?

20:52 Uhr: "Ich fand das ganz, ganz toll. Das ganze Konzept, eure Idee und wie ihr das rübergebracht habt: sehr, sehr positiv!", sagt Motsi Mabuse, die Ruth Moschner in Schwarz. Llambi hingegen steigert erstmals seine Form: "Leider wieder so ein, zwei kleine Dinger da drin, wo ich sag: Mensch, Matthias, was war da wieder los?", rügt der Hotel-Joachim den kleinen Speerwerfer. Die Bewertung: 8 von Jorge, 8 von Motsi, 7 von Llambi.

20:56 Uhr: Okay, es ist Tango-Time für den amtierenden "Dancing Star 2022" René Casselly und dessen Tanzpartnerin Kathrin Menzinger. Sie müssen zu Frank Sinatras "Santa Claus is coming to Town" einen Quickstep darbieten. Es reicht völlig, den in "Der Duft der Frauen" Tango tanzenden Al Pacino gesehen zu haben oder einmal an einer Tanzschule vorbeigegangen zu sein, um die Performance profund beurteilen zu können. Fazit: Schöne Choreo, toll getanzt, viel Action, sehr viel Dynamik. Casselly war vielleicht ein bisschen im Hohlkreuz.

Auf Jorges Badekappe tut sich was

21:02 Uhr: "Ich bin einfach ein Fan von euch", meint Ruth Mabuse. Ihr zufolge schaffe es Casselly, seine Wirbelsäule zu bewegen, wofür er auch durchaus dankbar sein muss. Jorge, bei dem in den vergangenen 20 Minuten noch die letzten Maiskörner auf der Badehaube aufgepoppt sind, fand die Performance ebenso erstklassig. Llambi hat Casselly aber besonders genau auf die Beine geschaut, seine belangvolle Kritik: "Schöne Choreo, toll getanzt, viel Action, sehr viel Dynamik. Du warst ein bisschen im Hohlkreuz." Voll einer Meinung.

21:05 Uhr: "Ich weiß nicht, was schlimmer ist: die Show an sich oder sie zusammen mit Mutter und Schwester zu schauen", meint indes jemand auf Twitter.

21:18 Uhr: Moderatorin Janin Ullmann und der rumänisch-ungarische Tanzbär Zsolt Sándor Cseke versuchen sich in einer Rumba zu "Merry Christmas Darling" von The Carpenters. "Die besondere künstlerische Charakteristik der Rumba liegt im Spiel zwischen Mann und Frau. In einer gut getanzten Rumba wird intensiv umeinander geworben", verrät die allwissende Müllkippe Wikipedia. Zum Tanz der beiden: Leider wurde überhaupt nicht intensiv umeinander geworben, sondern nur umeinander getanzt. Das ist eindeutig zu wenig! Da gehört mehr geworben. Llambi möge ihnen die Leviten lesen.

21:24 Uhr: "Also ich fand das sehr, sehr schön. Man hat gemerkt, wie stark ihr als Paar seid", irrt Motsi Mabuse, die im Folgenden wegen inflationärer Moschnerismen nicht mehr stattfinden wird, während Jorge wieder mit sprachlicher Extravaganz hinreißt: "Wieder ein Genuss zu sehen, wie ihr haben getanzt." "Sehr gut hat’s mir gefallen", meint wiederum plötzlich ein enttäuschender und unkritischer Llambi, der aber während der Performance möglicherweise auch ein paar Mal weggeknackt ist. "Es war großes Kino für eine Rumba", ergänzt der dann fast schon erratisch anmutende Jury-Oldie, ehe auch er die Höchstnote vergibt. Was ist mit ihm? (10, 10, 10)

21:28 Uhr: Der Komiker, der gerade wieder aufgetaucht ist, behauptet jetzt, er sei der Weihnachts-Basti. Geh weg!

21:31 Uhr: Der Mann, der sich offenbar immer bereits sommers Weihnachts-Basti nennt, holt Peter und Elisabeth auf die Bühne – ein Pärchen Mitte 60. Für die beiden Tanz-Fans war es immer schon ein Traum, einmal selbst über die "Let’s Dance"-Bühne zu fegen. Allen Ernstes meint dieser Weihnachts-Basti dann zu Elisabeth, nachdem er sie zuvor bereits "flotte Biene" genannt hat, dass sie beim Umziehen doch gefälligst davon Abstand nehmen solle, auch ihren Oberkörper freizumachen. Will der Weihnachts-Basti nicht vielleicht irgendwo zwischen Bühne und Garderobe einen Kanaldeckel bewachen? Peter und Elisabeth, die, obwohl Gewalt auch im weihnachtlichen Hochsommer nie eine Lösung sein darf, diesem Komiker interessanterweise keine angeschoben haben, tanzen jetzt einen Jive. Charmant!

21:42 Uhr: Auch der "Dancing Star 2021" Rúrik Gíslason, der einst dem "Huh is Huh" der isländischen Fußballspieler angehört und das deutsche Publikum eben als "Pöblikum" bezeichnet hat, und Malika Dzumaev tanzen jetzt einen Jive. Und zwar zu "Incredible Christmas" von Garry Barlow, der bei "Take that" immer singen musste, weil er als einziger nicht tanzen konnte. Haha! Irgendwie lustig. Irgendwie aber auch nicht. Gíslason (Huh!) und Dzumaev räumen ab. (10, 10, 10)

Mathematiker: 318 Maiskörner auf Badekappe

21:44 Uhr: Auf Jorge González Badekappe befinden sich insgesamt 318 ganz oder zumindest teilweise aufgepoppte Maiskörner. Zu diesem Ergebnis gelangen fünf smarte Mathematik-Studenten und ein renommierter Maisbauer in einer Luschendorfer Whatsapp-Gruppe. Wann zum ersten Mal Popcorn zubereitet wurde, ist übrigens nicht bekannt. Bei Ausgrabungen stieß man aber schon mal auf 4.000 Jahre alte Puffmaiskörner (no Joke!).

22:05 Uhr: Geh weg!

22:07 Uhr: Patricia Kelly, die heute nur mit ihrem Halbbruder Mike Singer unterwegs ist, trällert mit diesem ein Weihnachts-Medley, vergisst dabei aber völlig auf den "The Pogues"-Hammer "Fairytale of New York", den besten Xmas-Track ever. So lieb, dessen Text.

"You're a Bum,
you're a Punk
you're an old Slut on Junk!”

22:10 Uhr: Der sympathische Mathias "Matze" Mester und Renata Lusin probieren nun einen Jive, der laut Wikipedia ternär geteilt wird. Es ist wirklich einfach großartig, dass der Jive ternär geteilt wird, wobei das "das leicht-lockere Durchschwingen der Hüfte auf Zwei und Vier" beim Jive natürlich auch total essenziell ist. Auf Zwei und Vier nämlich!!! Die beiden jiven zu "Frosty the Snowman" von Gene Autrey.

22:14 Uhr: Wirklich sehr schön, das Durchschwingen der Hüften der beiden auf Zwei und Vier! Und diese ternäre Teilung erst! "Immer wann ihr kommen, ihr sind wirklich geladen mit so viele Energie und so viele Spaß", freut sich Popcorn-Jorge. Auch Llambi bleibt beinhart auf Schmusekurs: "Wir hatten Spaß. Das ist schön, das ist immer unterhaltsam, was du da treibst, Mathias", konstatiert der 58-Jährige. Das wichtige Kriterium "ternär" sowie das mit der "Zwei und Vier" kennt Llambi offenbar gar nicht. Peinlich! (9, 9, 8)

22:38 Uhr: Lili Paul-Roncalli und Massimo Sinató nehmen jetzt einen Slowfox zu "Oh Santa" von Kylie Minogue in Angriff. Es heißt, dass man beim Slowfox eine volle Tasse auf den Kopf der Dame stellen können müsse, ohne dass ein Tropfen verschüttet wird, wovon Llambi sicher noch auch noch nie etwas gehört hat. Los geht’s! Okay, die Tasse ist mal leer. Okay, jetzt ist die Tasse auch im Arsch.

22:00 Uhr: "Ich liebe es, ich liebe es ganz einfach", sieht Jorge die Performance trotzdem überaus positiv. Auch der Hotel-Joachim schlägt in diese Kerbe: "Du weißt genau, auf welche Knöpfe du drücken musst, damit es funktioniert. Du hast den Slowfox sehr ordentlich getanzt." (10, 10, 9)

22:59 Uhr: Spricht Moderator Daniel Hartwich eigentlich immer so dings?

Süßes Kissen lässt Deutschland schluchzen

23:00 Uhr: Janin Ullmann und Zsolt Sándor Cseke tanzen jetzt an, um einen Charleston zu "Jingle Bells" über die Tanzfläche zu schieben. Zuvor bekommt der Profitänzer aber von Ullmann noch ein Kissen mit ihrem und seinem Konterfei geschenkt. Dazu spielt es einen Song von Roy Black. Deutschland weint jetzt. Grundlage für den Charleston sind übrigens isolierte Bewegungen, was bedeutet, dass man in der Lage sein muss, einzelne Körperteile – insbesondere Arme und Beine – getrennt voneinander bewegen zu können. Cool! Aber tanzt man dann nicht eigentlich ständig Charleston, so man nicht als Hampelmann auf die Welt kam? Denn Llambi kann man ja sowas wieder nicht fragen. (10, 10, 10)

23:10 Uhr: Rúrik Gíslason (Huh!) – optisch eine Mischung aus Kurt Cobain und Jesus von Nazareth – und Malika Dzumaev müssen einen Contemporary zu "All I want for Christmas" von Liam Payne inszenieren. Kurzer Exkurs: Die Menschen, die an so Wikipedia-Beiträgen wie etwa jenen für "Tanz" mitgeschrieben haben, würde man irgendwie gern kennenlernen, oder? "Und? Was hast du gestern so gemacht?" "Ich hab zuerst auf Wikipedia den Eintrag "Tanz" um das Thema ‚Der eingewachsene Fußnagel – ein veritables Problem auf dem Parkett‘ erweitert und dann noch gemeinsam mit einem guten Bekannten den Eintrag ‚Schrundenentferner (Werkzeug)‘ neu erstellt." Jedenfalls heißt es auf Wikipedia: "Tanzen hat in der Gesellschaft viele Funktionen, kann aber auch Selbstzweck oder Zeitvertreib sein." Sehr interessant. Das Getanze von Gíslason (Huh!) und Dzumaev danach war indessen durchaus niedlich. Und für beide ein Zeitvertreib. "Eine ganz tolle Tanz und viele Gefuhle waren dort", findet auch Jorge. (10, 10, 10)

23:23 Uhr: Geh weg! Es ist schon 23:23 Uhr. Geh bitte schlafen!

Endlich: Llambi ist angefressen

23:26 Uhr: Der letzte Tanz des Abends. Und endlich "Last Christmas"! "Dancing Star 2022" René Casselly und Kathrin Menzinger präsentieren einen Tango zum "Wham!"-Klassiker, den man heute zwar schon einmal in der Wurstabteilung hören durfte, wo man aber zwischen Salami und Blutwurst eh viel zu sehr abgelenkt war. Motsi und Jorge lobpreisen die Performance. "Vielen Dank an euch beide, dass wir nochmal zum Abschluss…", so Joachim Llambi, den die für das Duo "Casselly-Menzinger" Jubelnden nicht mehr zu Ende ausführen lassen. Llambi ist sichtlich angefressen. Der Tango sah übrigens gut aus, was sich auch in der Jury-Bewertung manifestiert: 10, 10, 10

23:39 Uhr: Zwischenstand vor dem alles entscheidenden Telefon-Voting:

Janin & Zsolt: 5 Punkte

Rúrik (Huh!) & Malika: 5 Punkte

René & Kathrin: 4 Punkte

Lili & Massimo: 3 Punkte

Mathias & Renata: 2 Punkte

23:58 Uhr: Daniel Hartwich, der seine Texte heute wieder super gut auswendig konnte, verkündet das finale Ergebnis nach dem Live-Voting in der im Sommer aufgezeichneten Sendung: "Der Scheck für den guten Zweck und der Titel "Christmas Dancing Star" geht an: Rúrik Gíslason und Malika Dzumaev."

23:59 Uhr: Huh!

Bitte nächstes Mal auch den Ententanz

24:00 Uhr: Schön, dass der sommerliche Weihnachtstanzabend jetzt zu Ende ist. Es war streckenweise doch sehr fad. Was wir in den letzten knapp vier Stunden aber lernen durften und im Leben vielleicht irgendwann auch noch gut brauchen können: Die "Kelly Family" hat einen Singer-Songwriter als Halbruder, es gibt auf einer Popcorn-Badekappe auch Nachzügler, die erst viel später aufpoppen, und Hampelmänner sind keine guten Charleston-Tänzer. Dass es der Ententanz wieder nicht in eine Ausgabe von "Let’s Dance" geschafft hat, ist natürlich ein Jammer. Frohe Weihnachten!

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