Die Rückkehr der Schutzschwalbe, ein modifizierter FC Bayern München, entfesselte Dortmunder, ein siegreicher HSV: Die Lehren des 13. Spieltags der Bundesliga kommen ebenso explosiv wie schrullig daher.

1. Lehre: Eine Schwalbe, nur Verlierer

Gleich mal zum Aufreger des Wochenendes: Man wusste gar nicht mehr, ob das jetzt alles besonders ulkig oder besonders dämlich war - und schon gar nicht mehr, wer was wann zu wem gesagt hatte: Timo Werners Faller nach 19 Sekunden jedenfalls war in seiner Einfältigkeit so schön, dass sich manch älterer Beobachter an Andy Möllers Schutzschwalbe aus den finsteren 90er Jahren erinnert fühlte.

Was danach aber passierte, mit Wendungen fast im Minutentakt, war noch weiteraus grotesker als Bastian Dankerts Elfmeterpfiff selbst. Werner wollte alles zugegeben haben, Schalke-Keeper Ralf Fährmann und Kapitän Benedikt Höwedes bestätigten im Prinzip diese Version, Schiri Dankert aber behauptete genau das Gegenteil.

Leipzigs Stürmer entschuldigt sich nach unberechtigtem Elfmeter.


Am Ende kam in der Posse keiner gut weg, eigentlich gab es nur Verlierer: Schwalbenkönig Werner, der vor seinen Statements unmittelbar nach dem Spiel offenbar nicht besonders gut von Leipzigs Medienabteilung instruiert worden war und ab jetzt die Schutzschwalbe 2.0 ist. Die Schalker, deren Matchplan nach einer gespielten Minute kaputt war und die sich - pardon - grob verarscht fühlten. Und Schiedsrichter Dankert, dem im "Doppelpass" die Bundesligatauglichkeit wegschwadroniert und nahegelegt wurde, in dieser Saison doch besser gar nicht mehr zu pfeifen.

2. Lehre: Der erbärmlichste Elfmeter aller Zeiten

Ach, Bayer 04. Du hättest ein gruseliges Spiel gegen Freiburg (in der ersten Halbzeit gab es keinen einzigen Torschuss für die Werkself) doch noch zum Guten wenden können. Mit einem Strafstoß, nach einem Foul aus der Kategorie Kreisklasse. Die volle Sense von Bulut gegen Wendell.

Aber dann: Chicharito, ein einziger Murks. Freiburgs Keeper Schwolow dürfte jetzt noch auf dem Boden liegen vor Lachen.

Leverkusen hat jetzt vier Elfmeter in Folge in der Bundesliga verballert und rechnet man die drei beim Pokal-Debakel in Lotte noch dazu, kommen wir schon auf sieben. So kann man sich eine Spielzeit natürlich auch kaputt machen.

"Klar, wenn man mit 100 km/h in den Winkel schießt, ist der Ball drin, aber nach 86 Minuten in einem kräftezehrenden Spiel sieht die Sache ein bisschen anders aus", hatte Leverkusens Trainer Roger Schmidt ein etwas merkwürdige Erklärung parat.

So langsam wird sich auch Schmidt nervenden Fragen stellen müssen und die werden dann nicht nur mit der Qualität der Elfmeter zu tun haben. Sondern damit, warum dieser formidabel besetzte Kader mit mehr Niederlagen als Siegen im Niemandsland der Tabelle feststeckt.

3. Lehre: Auf eine Tasse Kaffee bei Kalle

Die Bayern können ja doch noch Fußballspielen! Klar, es war "nur" Mainz und am Ende ein Pflichtsieg. Aber Carlo Ancelotti hat erstmals so etwas wie Flexibilität bewiesen, er ist abgerückt von seinem heiligen 4-3-3-System und hat Thomas Müller wieder da hingestellt, wo er am besten funktioniert: Ins offensive Zentrum.

Gegen Mainz gab es alsbald ein astreines Kontertor, einen Treffer nach einem Standard und ein Kopfballtor von Arjen Robben. Es war also so ziemlich alles anders als in den letzten Wochen und Monaten und sogar Jahren. Die Bayern erfinden sich ein bisschen neu, nur Arjen Robben, der ist immer noch der Alte.

Und soll das auch noch eine Weile bleiben in München. "Mein Vater ist bereit, er trinkt gerne mal einen Kaffee mit Herrn Rummenigge. Ein Gespräch, und die Sache ist erledigt", sagte Robben nach der Partie in Mainz. Vater Hans ist ja gleichzeitig auch sein Berater - und der wird das Ding schon schaukeln.

4. Lehre: Ein Sieg für den Trainer

Unter der Woche herrschte in Dortmund beinahe Untergangsstimmung. Nach der Kritik von Thomas Tuchel an seiner Mannschaft war die Gemengelage äußerst diffus, in einschlägigen Foren und wohl auch an den Stammtischen wurde der Coach schon vehement angezählt.

Tuchel passe mit seiner distanzierten, asketischen Art einfach nicht zum Emotionsklub BVB, er würde sich Schritt um Schritt von seiner Mannschaft entfernen, statt endlich eine innige Verbindung einzugehen. Und überhaupt 'issa nich so wie da Kloppo'.

Deshalb war die Partie gegen Borussia Mönchengladbach ja auch so spannend: Weil alle sehen wollten, wie die Mannschaft denn nun auf die vermeintliche Schelte ihres Vorgesetzten reagieren würde. Und ob denn jeder dem Trainer noch folgen will. Als Antwort auf die viel zu überzogenen Debatten sollte das 4:1 gegen die andere Borussia genügen.

5. Lehre: Wundersames aus Darmstadt

Der. Ha. Es. Vau. Gewinnt. Ein. Spiel. In der Bundesliga. Es ist kaum zu glauben. Wie nicht anders zu erwarten, wurde es ein atemberaubend schlechtes Bundesligaspiel, im Prinzip gab es auf beiden Seiten nur schick auf die Hölzer. 40 Fouls notierte die Statistik am Ende, der zweithöchste Wert in dieser Saison.

Dem HSV wird das herzlich egal sein. Der Dreier war überlebensnotwendig, der Anschluss ans rettende Ufer ist fast wieder hergestellt. Über 200 Tage hat es gedauert, bis der HSV endlich wieder einen Sieg feiern konnte.

Schöner Nebeneffekt: Seit Sonntagabend ist Iraklis Saloniki die einzige Mannschaft der großen europäischen Ligen, die noch kein Saisonspiel gewonnen hat. Der HSV hat sich von diesem zweifelhaften Posten verabschiedet. Und das ist doch auch schon was…

Für ein wenig Verwunderung sorgte am Rande des Spiels Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer. Der ließ sich auf ein Nachfragen zu einem möglichen neuen Sportdirektor ein. Derzeit gebe es aber keinen geeigneten Kandidaten, "der in die Philosophie des Vereins passt."

Nicht nur scharfe Kritiker dürften sich im Nachgang gefragt haben, von welcher Philosophie Beiersdorfer da eigentlich referiert hat.