Die Kellerkinder aus Köln und Hamburg sind genauso unverschämt wie der FC Bayern, Wolfsburg feiert den traurigsten Rekord aller Zeiten, bei Kovac liegt die Wahrheit in Bier und Wein und das Revierderby wird mal wieder zum Drama. Unsere - wie immer nicht ganz ernst gemeinten - Lehren des 30. Spieltags der Fußball-Bundesliga.

Fabian Teichmann
Eine Glosse
von Fabian Teichmann, Redakteur Social Media

1. Lehre: Wolfsburgs traurigster Rekord aller Zeiten

In der Saison 2008/09 wurde der Verein für Leibesübungen aus Wolfsburg Deutscher Meister in der Fußball-Bundesliga der Herren.

Was sich heute wie ein schlechter Scherz anhört, wurde damals dank Edin Dzeko, Zvjezdan Misimovic, Grafite und vor allem Felix Magath tatsächlich Realität.

Nicht einmal zehn Jahre später dümpelt der VfL als vielleicht graueste aller Bundesliga-Mäuse durch die Niederungen der Tabelle und kämpft mal wieder gegen den Abstieg.

Eigentlich schwer vorstellbar, dass die Wölfe am Freitag beim trostlosen 0:0 gegen den FC Augsburg einen Bestwert aufstellten - und zwar einen positiven und keinen negativen Rekord!

Erstmals in der Vereinsgeschichte blieb das Team von Trainer Bruno Labbadia zum dritten Mal in Folge in einem Bundesligaspiel ohne Gegentreffer - na, herzlichen Glückwunsch.

Doof nur, dass Partien der Niedersachsen gerade für die eigenen Fans momentan trotzdem regelmäßig zur Qual werden. Auch gegen den FCA schafften es die ach so ambitionierten Wolfsburger nicht, siegreich vom Platz zu gehen - obwohl sie es über 30 Minuten lang in Überzahl versuchen durften.

Ergebnis der ganzen Tortur: Nur 30 Punkte nach 30 Spieltagen und die akute Gefahr, an den letzten vier Spieltagen noch auf den Relegationsplatz abzurutschen. 2018 hat der VfL übrigens im eigenen Stadion noch nicht ein einziges Spiel gewonnen.

Trotzdem: Hochachtung für den neuen Rekord, liebe Wölfe! Auch wenn es der vielleicht traurigste aller Zeiten ist.

2. Lehre: Gomez oder Wagner? Kevin Volland!

Die WM wirft ihre Schatten voraus. Die Anzeichen sind unübersehbar: Die Firma Panini generiert mit kleinen Bildchen von Fußballern zum Einkleben seit Kurzem wieder astronomische Gewinne - und Joachim Löw suchte am Samstag mit schicker Sonnenbrille auf der Tribüne in Sinsheim nach möglichen Kandidaten für seinen WM-Kader.

Einziger Wermutstropfen für Jogi: Er hat sich für seinen Scouting-Einsatz an diesem Wochenende ganz eindeutig das falsche Stadion ausgesucht.

In Leverkusen hätte der Bundestrainer nämlich die Gala eines viel zu selten genannten Kandidaten für die Stürmerposition im DFB-Team bestaunen können: Kevin Volland.

Für Bayer wurde er gegen Frankfurt zum Matchwinner, erzielte beim 4:1-Erfolg der Werkself drei Treffer und fiel darüber hinaus pausenlos als Unruhestifter für die Eintracht-Defensive auf.

Seit Wochen zeigt die Formkurve des 25-Jährigen steil nach oben. In der laufenden Saison trug er sich schon 14 Mal in die Torschützenliste ein und ist damit der erfolgreichste deutsche Torjäger der Liga.

Eigentlich schon eine Farce, dass in Bezug auf eine mögliche WM-Nominierung meist nur die Namen anderer Stürmer wie Mario Gomez (sieben Tore) oder Sandro Wagner (elf Treffer) diskutiert werden.

In diesem Sinne vielleicht ein kleiner Tipp für Joachim Löw: Kommenden Samstag ist Bayer Leverkusen zum Topspiel bei Borussia Dortmund zu Gast. Könnte einen Besuch wert sein, Herr Bundestrainer!

3. Lehre: HSV und Köln unverschämt wie der FCB

25 Punkte, 19 Punkte, zehn Punkte, zehn Punkte, 15 Punkte - mit diesen Vorsprüngen wurde der FC Bayern in den vergangenen fünf Spielzeiten Deutscher Meister. Und auch in der laufenden Saison sicherten sich die Münchner frühzeitig und ungefährdet am 29. Spieltag den nächsten Titel.

Für Fußball-Fans ist es längst traurige Routine, dass kein echter Kampf um die Meisterschaft mehr stattfindet. Spannung um den ersten Platz in der Tabelle? Fehlanzeige!

Das einzige, wovon die Anhänger stets zehren konnten, waren packende Entscheidungen in anderen tabellarischen Regionen. Gerade der Abstiegskampf schrieb in den letzten Jahren oft die besten Geschichten der Bundesliga.

Und in der laufenden Saison? Nehmen uns die Sportkameraden vom 1. FC Köln und vom Hamburger SV selbst diesen Spannungsbogen fast komplett!

Mit der gleichen Unverschämtheit und Skrupellosigkeit wie der FCB an der Tabellenspitze ersticken der Effzeh und der HSV jegliche Spannung nun auch im Tabellenkeller im Keim.

Bestes Beispiel ist der aktuelle Spieltag: Wolfsburg patzt gegen Augsburg, Mainz und Freiburg nehmen sich im direkten Duell am Montag selbst die Punkte weg. Die Chance für die Hamburger und Kölner, um nochmal aufzuschließen!

Doch das Ende vom Lied: Der FC ist in Berlin schlichtweg zu doof, eine Führung mal über die Runden zu bringen und lässt sich binnen vier Minuten völlig unnötig zweimal vom Herthaner Davie Selke überrumpeln. 1:2-Niederlage!

Und der HSV ist nicht zu doof, sondern einfach nur viel zu schlecht, um bei der TSG Hoffenheim auch nur annähernd eine Chance auf Punkte zu haben. Das viel zu niedrige Endergebnis: 0:2 aus HSV-Sicht. Danke für nichts, liebe Kellerkinder.

4. Lehre: BVB-Drama im Revierderby

Marco Reus sagte nach der Niederlage seiner Borussia aus Dortmund bei Schalke 04 am Sky-Mikrofon, was in solchen Fällen immer gesagt wird.

"Wir wollten das Spiel hier natürlich unbedingt gewinnen, weil wir vor Schalke stehen wollten", gab der BVB-Angreifer zum Besten.

Das Problem war lediglich, dass von einem derartigen Willen in den 90 Minuten zuvor überhaupt gar nichts zu erkennen war. Blutleere Dortmunder enttäuschten auf ganzer Linie und spielten sich nicht eine wirklich hochkarätige Chance heraus.

Erfahrene Routiniers wie Sokratis, Marcel Schmelzer und Nuri Sahin: verunsichert und fehleranfällig. Aufstrebende Talente wie Christian Pulisic und Maximilian Philipp: größtenteils unsichtbar.

Die vielleicht deprimierendste Erkenntnis für alle Dortmunder Fans nach der Pleite im prestigeträchtigsten Spiel des Jahres war, dass der BVB den starken Schalkern in allen Belangen unterlegen war: spielerisch, taktisch - und sogar kämpferisch.

Angesichts des erschreckend schwachen Auftritts ist es schon skurril, dass immerhin vier Spieler aus der Derby-Startelf vor nicht einmal fünf Jahren in einem Champions-League-Finale für den BVB zum Einsatz kamen. Wenn man es nicht gesehen hätte, würde man es nicht glauben.

In der Nachspielzeit wurde die Schlappe in Gelsenkirchen noch endgültig zum Drama für die Dortmunder. Ausgerechnet Tor-Garant Michy Batshuayi verletzte sich schwer und musste vom Platz getragen werden.

Noch hat es die Borussia selbst in der Hand, sich erneut für die Champions League zu qualifizieren. Mit einer weiteren Niederlage nächste Woche gegen Leverkusen wäre jedoch auch dieses Saisonziel in Gefahr.

Bleibt aus BVB-Sicht nur zu hoffen, dass Marco Reus sein Sky-Interview nach dem Bayer-Spiel nicht wieder so beenden muss wie das am Sonntag auf Schalke: "Das haben wir einfach verkackt. Punkt."

5. Lehre: Bei Kovac liegt die Wahrheit in Wein und Bier

Das beherrschende Thema dieses Bundesliga-Wochenendes spielte sich fernab des grünen Rasens ab: Es war der viel diskutierte Wechsel von Eintracht-Trainer Niko Kovac zum FC Bayern München.

Fredi Bobic stänkerte und warf dem Rekordmeister Respektlosigkeit und Unprofessionalität vor, Uli Hoeneß konterte und nannte die Bobic-Vorwürfe "unverschämt". Niko Kovac war vor allem eines: genervt von der ganzen Thematik.

Wenn Sie nochmal genau nachlesen wollen, wer wem was vorwirft - und warum überhaupt - können Sie das hier tun. Was mich aber viel mehr interessiert, ist die Suche nach der Wahrheit. Wie liefen dieser Wechsel und die Bekanntgabe genau ab? Um das herauszufinden, habe ich hochprofessionell - wie man das eben so macht heutzutage - bei Google nachgefragt.

Wo liegt sie denn nun?

Viel anspruchsvoller als die Recherche selbst gestaltete sich die Interpretation der Ergebnisse. Die Wahrheit soll auf dem Platz liegen? Wohl eher nicht. Die Causa Kovac hatte mit Action auf dem Fußballfeld nämlich wie anfangs schon erwähnt überhaupt nichts zu tun.

Fast alle anderen Vorschläge stellten sich als deutlich zu philosophisch heraus. Die Wahrheit soll "auf der anderen Seite", "im Auge des Betrachters", "in der Mitte", "in den Sternen" oder "irgendwo da draußen" liegen? Irgendwie alles unbefriedigend.

Eigentlich bleiben da nur die beiden Möglichkeiten Wein und Bier übrig. Angesichts des viel zitierten 60. Geburtstags von Uli Hoeneß' kroatischem Fahrer, bei dem auch die Kovac-Brüder zu Gast waren, deutet also alles darauf hin, dass dort bei einem oder zwei Gläschen auch die Weichen für Nikos Bayern-Wechsel gestellt wurden.

Spaß beiseite. Letztlich ist es ja völlig egal, wie, wann und wo die Bayern sich ihren neuen Trainer geangelt haben. Fakt - und somit auch die Wahrheit - ist nämlich, dass Niko Kovac ab 1. Juli 2018 den FC Bayern München trainieren wird und Eintracht Frankfurt bis dahin Zeit hat, sich für den Europapokal zu qualifizieren und einen passenden Nachfolger für den Kroaten zu finden. Nicht mehr und nicht weniger. Alles andere ist völlig egal.

Am Ende des Tages wurde somit bewiesen. Die tatsächliche Wahrheit liegt natürlich in den Lehren des Spieltags. Alles wie immer.

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