Langeweile in der Meisterschaft, Dramatik im Abstiegskampf. Im Keller der Bundesliga ist es richtig "kuschelig". Gerade einmal sechs Punkte trennen den Relegationsplatz vom zehnten Rang. Neun Mannschaften sind abstiegsgefährdet – also die halbe Liga. Ein Überblick.

Der SV Werder Bremen und Bayer 04 Leverkusen dürften nach ihren Siegen am Dienstag bzw. Mittwoch die besten Aussichten haben. Beide haben 35 Punkte auf dem Konto. Das Thema Abstiegskampf könnte für die beiden Vereine abgeschlossen sein. Manche Bremer träumen aufgrund des aktuellen Laufs sogar vom Europapokal.

Für den FC Schalke 04 war das 0:3 beim SV Werder Bremen hingegen ein schwerer Dämpfer. Manager Christian Heidel warnt im Kicker davor, "nicht da unten reinzurutschen, was schnell passieren kann, wenn auf anderen Plätzen kuriose Ergebnisse dazukommen".

Schalke 04 mit Doppelbelastung

Zumal die Gelsenkirchener die einzige Mannschaft in der zweiten Tabellenhälfte mit Doppelbelastung sind. In den kommenden beiden Wochen finden die Europa-League-Viertelfinalspiele gegen Ajax Amsterdam statt. Ob das vom Abstiegskampf ablenkt?

Möglicherweise entscheidet sich am Samstag, wohin es für Schalke 04 gehen wird. Dann kommt es nämlich zum Duell gegen den VfL Wolfsburg. Einer weiteren Mannschaft also, die vom Europapokal träumte und nun den Sturz in die 2. Bundesliga fürchtet. Die "Wölfe" erlitten am Mittwoch gegen Freiburg die erste Niederlage unter dem neuen Trainer Andries Jonker. Wolfsburg hat auf den Relegationsplatz nur noch einen Punkt Vorsprung.

Erschreckend ist die Abhängigkeit von Nationalstürmer Mario Gómez. Wenn er nicht trifft, trifft überhaupt keiner. Alle sechs Tore, die der VfL unter Jonker erzielte, gingen auf sein Konto. Das macht die Mannschaft ausrechenbar.

Der Spielplan birgt mit den Auswärtsspielen in Berlin und Frankfurt sowie den Heimspielen gegen Bayern München und Borussia Mönchengladbach einige Stolpersteine. Hinzu kommt die Heimschwäche: 14 Punkte aus 14 Heimspielen sind der drittschwächste Wert der Liga.

Der Hamburger SV hingegen ist im Volksparkstadion momentan eine Macht. Seit acht Spielen gab es in der Bundesliga keine Heim-Niederlage mehr.

HSV mit Verletzungssorgen

Problematisch sind allerdings die Verletzungsausfälle. Top-Scorer Nicolai Müller und Defensivspieler Albin Ekdal drohen das Saison-Aus. Torwart Rene Adler und Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos könnten zumindest am Samstag ausfallen.

Ausgerechnet dann geht es gegen den Bayern-Bezwinger TSG 1899 Hoffenheim – aber immerhin zu Hause. Im weiteren Saisonverlauf gibt es viele direkte Duelle. Gegen sechs der sieben Mannschaften, die neben dem HSV auf den Tabellenplätzen 11 bis 18 stehen, müssen die Hamburger noch antreten. Da gilt es, die Nerven zu bewahren.


Der größte Negativtrend ist beim 1. FSV Mainz 05 und dem FC Augsburg festzustellen. Beide haben lediglich 29 Punkte auf dem Konto. Augsburg rangiert auf dem Relegationsplatz, Mainz einen Rang davor.

Die Mainzer haben nun vier Spiele in Serie verloren. Der Abgang von Yunus Malli (Wolfsburg) riss der Mannschaft offenbar das Herz raus.

Der Job von Mainz-Trainer Martin Schmidt hängt laut Medienberichten am seidenen Faden. Am Samstag aber soll er in Freiburg noch auf der Bank sitzen. Der Spielplan ist happig: Sechs der sieben ausstehenden Gegner rangieren in der oberen Tabellenhälfte.

Der FC Augsburg hat nur eines der letzten acht Spiele gewonnen. Trainer Manuel Baum bekommt die anfällige Verteidigung nicht in den Griff. 26 Gegentore seit der Winterpause sind der schlechteste Wert aller Bundesligisten. Das 2:3 gegen den FC Ingolstadt war der Tiefpunkt.

Der FC Ingolstadt gibt noch lange nicht auf

Die Ingolstädter hingegen haben sich dadurch im Abstiegskampf zurückgemeldet. Der Rückstand auf den Relegationsplatz ist innerhalb zweier Spieltage von acht und vier Punkte geschmolzen.

Sonntagabend empfängt der FC Ingolstadt Tabellenschlusslicht und Punkte-Lieferant SV Darmstadt 98. Die Mannschaft von Trainer Torsten Frings hat sechs der letzten sieben Spiele verloren.

Doch wie viele Punkte sind überhaupt notwendig, um die Klasse zu halten? Letzte Saison genügten 37 Punkte für den Klassenerhalt, die Spielzeit davor waren es 35.

Normalerweise gilt die Faustregel: Wer 40 Punkte holt, kann weiter für die Bundesliga planen. Seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel ist nie eine Mannschaft mit 40 Punkten abgestiegen oder in der Relegation gelandet.

Allerdings gab es auch selten eine Saison, in der Mittelfeld und Abstiegszone so eng beieinander waren. HSV-Verteidiger Dennis Diekmeier sagt in der Bild: "Man spricht ja jedes Jahr von den magischen 40 Punkten. Ich glaube nicht, dass die reichen, um drin zu bleiben."

Umso wichtiger wäre es für alle Keller-Vereine der Bundesliga, sich nicht zu sicher zu fühlen. Weder in Bremen noch in Hamburg oder Gelsenkirchen. Denn nun droht der spannendste Abstiegskampf der Bundesliga-Geschichte.