Für den FC Bayern war es ein wechselhaftes Jahr 2017. Eine ungefährdete Meisterschaft, bittere Niederlagen in der Champions League und im Pokal. Eine echte Krise unter Carlo Ancelotti und das Schlusshoch unter Rückkehrer Jupp Heynckes. Wir blicken zurück auf die fünf wichtigsten Bayern-Momente im Jahr 2017.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

Vidal verschießt (12. April, FC Bayern - Real Madrid 1:2)

Es war die erste Minute der Nachspielzeit in der ersten Hälfte des Champions-League-Viertelfinal-Hinspiels gegen Real Madrid. Die Münchner waren in einer abwechslungsreichen Anfangsphase in Führung gegangen.

Arturo Vidal hatte eine Ecke von Thiago in der 25. Minute zum 1:0 in die Maschen gedrückt. Madrid reagierte mit wütenden Angriffen, doch die Münchner setzten ihrerseits zu einer starken Schlussphase der ersten Hälfte an.

Der Chilene spielte nach seinem Treffer wie aufgedreht. Dann kam die erste Minute der Nachspielzeit. Schiedsrichter Rizzoli schenkte den Hausherren nach einem Schultertreffer von Carvajal einen Strafstoß.

Weil der etatmäßige Schütze Robert Lewandowski verletzungsbedingt fehlte, schnappte sich Vidal den Ball - und hämmerte die Kugel über das Tor in den Münchner Nachthimmel.

Die Münchner verloren fortan den Faden, später noch Martínez mit einer Roten Karte und nach zwei Ronaldo-Treffern auch das Spiel.

Es war ein Schlüsselmoment dieses Jahres und wohl auch ein Wendepunkt der kurzen Ancelotti-Ära in München.

Hasan "Brazzo" Salihamidzic übernimmt (31. Juli)

Lange ließen sich die Münchner Bosse Zeit, um einen Nachfolger für Sportchef Matthias Sammer zu präsentieren.

Über ein Jahr dauerte die Suche. Es ist kein Geheimnis, dass andere Namen wie Philipp Lahm und Max Eberl zuvor intensiv diskutiert wurden.

Beide waren aus unterschiedlichen Gründen nicht mehrheitsfähig bei den Entscheidern Rummenigge und Hoeneß. Spät zogen sie mit Hasan Salihamidzic eine Überraschungslösung aus dem Ärmel.

"Brazzo" kämpft seit dem Beginn seiner Amtszeit gegen den Eindruck an, in Wahrheit nur eine Marionette der Münchner Bosse zu sein.

Das änderte sich auch bis zum Ende des Jahres nicht. Kann er im neuen Jahr das Gegenteil beweisen?

Das Statement-Spiel (13. Mai, RB Leipzig - FC Bayern 4:5)

"¡Que se dejen de tonterías! ¡Somos el Bayern, joder!", schrie Thiago Alcantara im Mai nach dem Schlusspfiff in Leipzig durch die Katakomben. Frei übersetzt in etwa: "Die sollen die Faxen lassen! Wir sind die Bayern, verdammt!"

Bis zur 84. Minute hatte Leipzig mit 4:2 geführt. Die Elf von Ralph Hasenhüttl ließ den Ball angefeuert von den Rängen spielerisch leicht laufen. Alles schien klar.

Sechs Minuten später stand es 5:4 für die Bayern. Es ging um nichts mehr, außer um ziemlich viel Prestige. Und doch war es ein entscheidender Moment dieses Jahres.

Bayern setzte mit diesem 5:4 ein Statement gegen den Emporkömmling aus Leipzig. "Wir sind die Bayern, verdammt!" So etwas bleibt haften.

Zwei Mal sahen sich beide Mannschaften im Verlauf des Jahres noch wieder. Im Pokal und in der Liga. Erneut gewannen jeweils die Bayern.

Das Ende einer Ära (20. Mai, FC Bayern - SC Freiburg 4:1)

Als Philipp Lahm im Jahr 2002 in einer unbedeutenden Champions-League-Partie gegen den RC Lens sein Debüt im Bayern-Dress gab, konnte niemand ahnen, dass dies der Start einer der bedeutendsten Karrieren des deutschen Fußballs sein würde.

15 Jahre, acht Meisterschaften, ein Champions-League-Titel, fünf Pokalsiege und ein WM-Titel später ging diese Karriere in einem ebenfalls unbedeutenden Spiel gegen den SC Freiburg zu Ende.

Lahm hat eine Ära geprägt. Er steht sinnbildlich für den Aufstieg des Deutschen Fußballs aus dem tiefen Tal der frühen 2000er in die absolute Weltspitze.

"Von 100 Spielen spielt Philipp 99 Mal gut, sehr gut oder exzellent und nur eines durchschnittlich", hatte der ehemalige FCB-Sportdirektor Michael Reschke einmal über Lahm gesagt. Viel besser kann man es nicht ausdrücken.

Lahms emotionaler Abschied im Mai: Definitiv einer der Bayern-Momente des Jahres 2017.

Die Rückkehr (14. Oktober, FC Bayern - SC Freiburg 5:0)

Es wirkte wie eine Befreiung, als Stadionsprecher Stephan Lehmann vor dem 8. Bundesligaspieltag das Trainerteam begrüßte.

Die gesamte Allianz Arena erhob sich von ihren Sitzen als Jupp Heynckes zum Aufwärmen den Rasen betrat. Ein Jubel wie bei einem Siegtreffer in der 92. Minute.

Drei Spiele ohne Sieg. Demütigungen gegen Hoffenheim und Paris und der Rausschmiss von Carlo Ancelotti lagen hinter den Münchnern.

Mit Heynckes kehrte vom ersten Spiel an die Leichtigkeit und vor allem die taktische Struktur im Münchner Team zurück.

Es ist vor allem Heynckes zu verdanken, dass die Münchner nach durchwachsenem Start nun mit allerbesten Chancen in allen drei Wettbewerben überwintern.