Die Welt ist noch nicht bereit für Frauen, Maradona bekommt ein paar FIFA-Scheinchen zugesteckt und wir kennen alle Schuldigen der Deutschland-Pleite. Unsere (wie immer nicht ganz ernst gemeinten) Lehren der dritten WM-Woche.

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1. Lehre: Die Welt ist noch nicht bereit für Frauen

Claudia Neumann ist Fußball-Kommentatorin. Das ist ein stinknormaler Satz. Genauso wie: Béla Réthy hat eine Brille. Es ist eine Beobachtung. Eine Tatsache. Und eigentlich nichts, was besondere Animositäten hervorrufen sollte. Tut es aber doch.

Also nicht bei Béla Réthy. Wobei so eine Brille eigentlich auch Angriffsfläche böte. Aber irgendwie halten sich die Trolle in den sozialen Medien heutzutage nicht mehr mit dem alten Pausenhof-Schimpfwort "Brillenschlange" auf.

Heutzutage wird lieber ein gewaltvoller Tod gewünscht. Und das nur, weil eine Frau es wagt, ein Fußballspiel zu kommentieren. Ob sie das gut oder schlecht macht? Völlig egal. Hier geht es um das Heiligste jener Männer, denen im Leben sonst recht wenig heilig sein dürfte: den Fußball.

Und wenn schon die deutsche Nationalmannschaft aus der WM ausscheidet (Wer war schuld? Özil natürlich!), dann darf man es doch nicht zulassen, dass sich eine Frau hinter dem Herd hervortraut und dann womöglich auch noch mehr von Fußball versteht als Mann selbst!

Wir haben verstanden: Die Welt ist einfach noch nicht bereit für Frauen. Dann gehen wir halt wieder. Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!

2. Lehre: Maradona müsste man sein - oder vielleicht auch nicht

Ein Männlein steht auf der Tribüne und ist nicht stumm.

Es schreit und wütet und deutet ganz wirr herum.

Sagt, wer mag das Männlein sein,

das da steht so alt und klein,

mit dem riesengroßen Bäuchelein?


Das Männlein steht in Russland gar nicht allein

und hat in seinem Beutel viel FIFA-Schein

Sagt, wer mag das Männlein sein,

das da zeigt sein Mittelfingerlein,

mit dem riesengroßen Bäuchelein?


Das Männlein dort in Russland klein,

das da hat viel FIFA-Schein

und uns zeigt das Mittelfingerlein,

kann nur der Maradona sein.


Falls das nicht klar wurde: Die FIFA bezahlt Maradona doch tatsächlich ein Heidengeld dafür, dass er sich auf der Tribüne aufführt wie ein seniler, debiler, irrer, kleiner Mann. Nett für ihn. Und nett für uns, dass Argentinien schon ausgeschieden ist und wir das Theater nicht länger ertragen müssen.

3. Lehre: Das sind die Schuldigen der DFB-Misere

Falls Sie es übrigens nicht mitbekommen haben, weil Sie die letzten Tage im brasilianischen Urwald nach dem sagenumwobenen Campo-Bahia-Spirit gesucht haben: Deutschland ist nicht mehr dabei. Die Mannschaft ist raus. Aus #zsmmn ist #zmktzn geworden.

Und wer sind die Schuldigen? Gute Frage, wir versuchen mal kurz unsere Erkenntnisse dazu aufzuschlüsseln:

- Jogi Löw. Vermutlich. Schließlich ist er Bundestrainer und trägt so natürlich ein gewisses Maß an Verantwortung. Zumindest die Aufstellung dürfte auf seinem Mist gewachsen sein. Wobei, vielleicht hat er auch Jürgen Klinsmann angerufen und um Tipps gebeten. Was wissen wir schon.

- Die Medien. Weil wir immer alles schlecht schreiben. Das zieht runter. Deshalb ab sofort nur noch Juhu-Juche-Juchei-Journalismus, wenn es um die deutsche Nationalmannschaft geht. Versprochen!

- Mesut Özil. Oder Recep Tayyip Erdogan. Einer von beiden. Oder beide. Oder doch die Medien. Oder keiner.

- Thomas Müller. Warum, weiß er wohl selbst am besten.

- Sebastian Rudy. Weil er es gewagt hat, seine kaputte Nase doch tatsächlich unter Vollnarkose und nicht auf einen Stock beißend operieren zu lassen. Mit Rudy wäre das alles nicht passiert.

- Miro Klose. Weil er total nutzlos auf der Tribüne herumsaß, anstatt Tore für Deutschland zu schießen.

- Der DFB. Weil #zsmmn und #bestneverrest und #wirfür5 und #keineahnungwasnoch vielleicht doch der eine oder andere Druck aufbauende Hashtag zu viel waren.

- Die Autorin dieses Artikels. Hätte sie das Südkorea-Spiel und das Mexiko-Spiel und jedes weitere Deutschland-Spiel getickert, hätte Löws Mannschaft garantiert jedes Spiel gewonnen. Eine Erklärung gibt es dafür nicht. Es ist einfach so.

- Die Spielerfrauen. Die nicht geschlossen im Stadion ihre Männer anschmachteten.

- Der FC Bayern. Hätte der die Champions League gewonnen, wären die Bayern-Spieler viel besser drauf gewesen und das alles wäre nie passiert.

- Angela Merkel. Weil sie sich lieber mit der von der Schwesterpartei CSU hochstilisierten Asylfrage auseinandersetzt, als sich als Glücksbringerchen mit Schland-Kette bei jedem Deutschland-Spiel auf die Tribüne zu setzen.

- Und das Wetter.

4. Lehre: Messi scheitert schon wieder an Deutschland

Für Lionel Messi muss sich die Nachricht, dass Deutschland bereits in der Vorrunde der WM gescheitert ist, wie eine Erlösung angefühlt haben. Endlich, wird er sich gedacht haben, endlich ist der Weg frei zum Titel.

Denn falls sie es noch nicht wussten: Seit 2006 ist Messi bei jeder Weltmeisterschaft an Deutschland gescheitert.

WM 2006: Viertelfinale nach Elfmeterschießen (Stichwort: Jens Lehmanns Zettel)

WM 2010: Viertelfinale (Stichwort: Demontage)

WM 2014: Finale (Stichwort: Weltmeister samma)

Schön war's. Also aus deutscher Sicht. Für Messi natürlich eher nicht so. Und was sollen wir sagen, auch dieses Mal ist er wieder an Deutschland gescheitert. Nicht an der deutschen Nationalmannschaft zwar, aber an einer deutsch-französischen Kooperation: Benjamin Pavard ist Franzose, spielt jedoch seit 2016 für den VfB Stuttgart.

Und er brachte die Argentinier im Achtelfinale nicht nur in seiner Eigenschaft als Verteidiger zur Verzweiflung, sondern traf auch formvollendet zum 2:2, gerade als es sich die Argentinier ein bisschen mit ihrer Führung bequem gemacht hatten.

Benjamin Pavard: Sein Traumtor gegen Argentinien in der 3-D-Animation

Mit diesem Sonntagsschuss sorgte der Franzose für den wichtigen Ausgleich gegen Argentinien.

Pavard hat also Frankreich zurück auf die Siegerstraße gebracht und damit Argentiniens Weg des Ausscheidens geebnet. Und wo hat er es gelernt: in Deutschland.

5. Lehre: Italien hat's gut. Die Niederlande auch. Und Österreich erst!

Wenn wir uns so überlegen, wie ätzend Deutschland kollektiv drauf ist, seit wir nicht mehr alle paar Tage Grillfeste mit Public Viewing planen können, dann sind wir doch sehr neidisch auf Italien und die Niederlande.

Wie unfassbar angenehm ist das denn, wenn man gar nicht erst dabei ist. Dann kann man auch nicht ausscheiden. Ergo muss man sich auch nicht ärgern.

Noch schöner hat es da nur Österreich.

Denn wer nie dabei ist, weiß ja gar nicht, was man da eigentlich verpasst. Toll. Vielleicht überlegt sich das Deutschland für die nächsten 30 Jahre auch mal. Und grillen geht ja trotzdem.

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Teaserbild: © imago/Sven Simon