Die Bundesliga beschert uns am 29. Spieltag Derbys, wohin das Auge reicht. Dem VfB Stuttgart ist sein Duell mit dem SC Freiburg allerdings nicht Derby genug. Die Schwaben unternehmen alles, um nächstes Jahr noch mehr dieser besonderen Spiele zu haben. Eintracht Frankfurt findet den FSV Mainz 05 nicht so geil wie Kickers Offenbach und beim Match zwischen dem FC Augsburg und dem FC Bayern München fehlen die ganz großen Stars. Unsere nicht ganz ernst gemeinte Vorschau auf den kommenden Spieltag.

Der VfB hat Bock auf mehr Derbys

Es ist mal wieder Derby-Zeit in der Bundesliga! Und eines davon ist Stuttgart gegen Freiburg. Obwohl zwei Stunden Autofahrt für ein Derby auch schon etwas viel ist, aber wir sind mal nicht so. Außerdem haben die im Südwesten ja auch nicht so viel, was Derby wäre, deswegen beschließen wir, dass das ein Derby ist.

Ohnehin haben beide Mannschaften andere Sorgen, als irgendwelche schwammigen Begriffs-Definitionen auf ihre Richtigkeit zu eruieren. Freiburg und insbesondere der VfB stecken mitten im Abstiegskampf! Gut, beim Sportclub war das vor Saisonbeginn durchaus zu erwarten, aber bei Stuttgart? Das geht doch nicht, dass der große VfB, Deutscher Meister von 2007, im kommenden Jahr auf den SV Sandhausen und den VfR Aalen trifft. Das ist dann immerhin etwas mehr Derby als gegen Freiburg, aber das wäre auch das einzige Positive an so einem lästigen Abstieg.

Doch so weit wird es eh nicht kommen, da sind sie sich im Schwabenländle ganz sicher. "Absteigen geht auf keinen Fall, das darf kein Thema für einen Verein wie den VfB sein", sagt VfB-Verteidiger Antonio Rüdiger. Auch Teamkollege Christian Gentner hat sich mit dem Sturz in Liga zwei noch "nicht beschäftigt". "Eskapismus" nennt das der Psychologe, "Realitätsflucht" der Laie. Dem VfB täte wohl eher eine Flucht aus der Realitätsflucht und ein genauer Blick auf die Tabelle ganz gut. Wenn nicht, dann heißt die bittere Realität bald: Derby in Sandhausen ...

Mainz ist nun mal nicht Offenbach

Wir bleiben beim Thema Derby, da kommen wir einfach an diesem Wochenende nicht drum herum. Davon gibt es am Samstag auch eins in Frankfurt. Bei der Eintracht sind die Mainzer zu Gast. Obwohl, ist das überhaupt ein Derby? Die Frankfurter sind sich sicher: nein! "Ich weiß gar nicht, warum vorm Spiel gegen Mainz so ein Spektakel gemacht wird. Das echte, richtige Derby ist gegen Offenbach", zitiert die "Bild" Frankfurt-Verteidiger Marco Russ. Sebastian Jung sieht das ähnlich: "Die Kickers und auch Lautern sind die wahren Derbys. Offenbach ist gleich um die Ecke, da hat die Luft richtig gebrannt." Ist ja alles schön und gut, aber Offenbach krebst mittlerweile in der Regionalliga rum und der FCK muss sich wohl noch mindestens ein weiteres Jahr mit der Zweitklassigkeit begnügen.

Also sind die "derbygsten" Spiele für die Frankfurter nun einmal die gegen Mainz. Und, liebe Eintracht, wenn der Derby-Faktor als Motivation nicht genügt, dann vielleicht Folgendes: Das kleine Mainz liegt schlappe zwölf (!) Punkte vor euch.

Bayern-Derby ohne die ganz großen Stars

Auch der FC Bayern hat ein Derby vor sich. Ach, wir können es nicht mehr lesen! Wir machen aus dem Derby ab sofort ein "Nachbarschaftsduell". Man sollte manche Begriffe auch nicht zu inflationär benutzen. Also, noch einmal von vorne: Auch der FC Bayern hat ein Nachbarschaftsduell vor sich. Der amtierende, kommende und sich in den nächsten Jahren wiederholende Deutsche Meister reist zum FC Augsburg. Und beim FCA fehlt ausgerechnet zum Nachbarschaftsduell die torgefährliche Flügelzange. Andre Hahn (10. Gelbe Karte) und Tobias Werner (Bruch der Augenhöhle) müssen passen.

Der FCA ist also chancenlos gegen den FCB? Dachten wir auch - bis die Meldung kam, dass Bayerns Diego Contento wegen einer schweren Bänderdehnung fehlt. Ausgerechnet Contento! Da auch Christian Lell, Massimo Oddo und Jose Ernesto Sosa nicht zur Verfügung stehen, darf in Augsburg vom Sieg geträumt werden.

Wir jedenfalls hören es schon durch die SGL-Arena hallen: "Nachbarschaftsduellsieger, Nachbarschaftsduellsieger, hey, hey!" Ja, das hätte schon was ...

Das interessiert nicht mal den Wayne - oder?

Der 29. Bundesliga-Spieltag endet bereits am Sonntag gegen 17:20 Uhr, wenn Braunschweig gegen Hannover abgepfiffen wird. Oder interessiert Sie die Partie Hertha gegen Hoffenheim? Uns auch nicht. Da spielt der Zehnte gegen den Neunten. Und da spielt einfach Hertha gegen Hoffenheim. Deren Kicker könnten schon jetzt in die Flieger gen Süden steigen und vorzeitig Urlaub machen. Mit dem Europapokal wird das nix mehr, und der Klassenverbleib ist praktisch auch schon eingetütet.

Aber Moment einmal: Sollte man deshalb am Sonntag die Glotze ausmachen und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen? Mitnichten! Schließlich sind es doch meist diese Irgendwie-ist-alles-wurscht-Spiele, die dann so richtig geil werden. Und was das Verteidigen angeht, hat Hoffenheim eh die ganze Saison schon eine Uns-doch-egal-Einstellung. 62 Gegentore! Das ist Wahnsinn. Das sind mehr als bei Bayern und Dortmund zusammen. Oder um es noch krasser zu formulieren: Das sind mehr als beim HSV!

Da ist doch auch ganz logisch, dass Hoffenheim-Trainer Markus Gisdol sich für eine WM-Teilnahme von Verteidiger (!) Andreas Beck ausspricht. Wir sehen es schon vor uns: WM-Auftakt, Deutschland - Portugal, 1:0, 93. Minute: Cristiano Ronaldo dribbelt an Schweinsteiger vorbei, lässt Lahm und Mertesacker ins Leere laufen, steht frei vor Neuer, die Riesenchance zum Ausgleich - und dann kommt Andi Beck und grätscht ihm die Kugel vom Fuß! Heiko Westermann klärt endgültig, der Schiri pfeift ab, Deutschland gewinnt! Gänsehaut!

Die Partien des Spieltags

Freitag, 20:30 Uhr: Hamburger SV - Bayer 04 Leverkusen

Samstag, 15:30 Uhr: VfB Stuttgart - SC Freiburg

Samstag, 15:30 Uhr: Werder Bremen - FC Schalke 04

Samstag, 15:30 Uhr: 1. FC Nürnberg - Borussia Mönchengladbach

Samstag, 15:30 Uhr: FC Augsburg - FC Bayern München

Samstag, 15:30 Uhr: Eintracht Frankfurt - 1. FSV Mainz 05

Samstag, 18:30 Uhr: Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg

Sonntag, 15:30 Uhr: Eintracht Braunschweig - Hannover 96

Sonntag, 17:30 Uhr: Hertha BSC - 1899 Hoffenheim