Die Bundesliga-Saison 2015/16 ist - die Relegationsspiele mal abgesehen - vorbei. Die wichtigste aller Entscheidungen, und zwar die um die Meisterschaft, war bereits vor dem letzten Spieltag gefallen. Das zeigt: Die Liga braucht dringend eine Reform. Und wir hätten da auch eine Idee, wie die aussehen könnte. Außerdem: Warum Pep Guardiola in Wahrheit nach England geht und wer die wirklich wichtigen Titel verdient hat: Die nicht immer ganz ernst gemeinten Lehren des Spieltags, heute als Lehren der Saison.

1. Lehre: Die Liga muss abgeschafft und ein Drei-Klassen-Playoff-System eingeführt werden

Der FC Bayern München ist also Meister. Zum vierten Mal in Folge floss das Bier in der Münchner Allianz Arena in Strömen.

Weil der Münchner Titelgewinn gefühlt schon eine Ewigkeit feststand, finden wir das ziemlich laaaaangweilig. Wo sind die Zeiten hin, in denen der Dortmunder Borsigplatz explodierte? Wo sind die Zeiten hin, in denen sich der FC Schalke 04 längst als Meister wähnte, ehe die Münchner mit einem Last-Minute-Treffer S04 doch noch den Titel wegschnappten?

Der FC Schalke 04 hat den brasilianischen Fußball-Profi Naldo verpflichtet. Wie der Bundesligist am Pfingstsonntag mitteilte, wechselt der 33 Jahre alte Abwehrspieler ablösefrei vom VfL Wolfsburg nach Gelsenkirchen und erhält einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018 mit Option.

Damit die guten alten Zeiten endlich zurückkommen, haben wir eine revolutionäre Idee: Die Liga wird zur Drei-Klassen-Gesellschaft! Spannung ist trotzdem garantiert.

In Klasse eins kommt der Geldadel, angeführt vom FC Bayern. Dann darf da noch Borussia Dortmund mitspielen und die millionenschweren Werks- oder Retortenklubs aus Leverkusen, Wolfsburg und Leipzig.

In Klasse zwei spielt die "Suppe" mit, also all die Teams, die Mal weiter oben und mal weiter unten spielen, maximal Vierter werden können, aber zumeist im Mittelfeld landen. Voraussetzung, um in diese Kategorie aufgenommen zu werden: Die Vereine müssen stolz auf ihre Tradition oder das Underdog-Image sein. In diese Kategorie gehören zum Beispiel Schalke, Gladbach, Köln, Augsburg oder Mainz. Vielleicht bald auch Darmstadt.

Und dann gibt's da noch die Teams, die für die eigentliche Spannung in der Liga sorgen, also all die, die mit kuriosen Entscheidungen schon in der Vorbereitung dafür sorgen, dass sie nur gegen den Abstieg spielen können und so all die Häme von Fußballdeutschland auf sich ziehen. Einsamer Anführer ist hier der Hamburger SV - sozusagen der Dauermeister im große-Ambitionen-gekonnt-versenken. In dieser Saison hat sich hier natürlich der VfB Stuttgart den Titel gesichert, knapp vor Werder Bremen.

Vertrag des Trainers endet durch Abstieg - Robin Dutt auf der Kippe.

Am Ende könnte das System so funktionieren: In der ersten Saisonhälfte spielen nur die Spannungskategorie-Teams gegeneinander. Die ersten drei rutschen dann hoch zur "Suppe". Die spielen dann ebenfalls ihre drei Besten aus. Der Geldadel darf sich aus diesen Teams dann die besten Spieler aussuchen und zahlt Millionen und Abermillionen. Ganz zum Schluss hat dann der FC Bayern das Sonderrecht, den allerbesten Spieler (wenn der nicht nach England geht) zu kaufen - um auch im neuen System mit Sicherheit Meister zu werden.

Spannung ist garantiert, zumindest auf dem Transfermarkt - weil die Münchner dann nur noch Mats Hummels ODER Sandro Wagner verpflichten können.

2. Lehre: Von Legenden kann man noch was lernen

Was für ein Typ, der Zlatan. Haut er kurz vor dem Ende seiner Zeit bei Paris noch einen raus: "Ich kam als König und gehe als Legende." Dann hat er am Wochenende noch einen draufgesetzt - und das Spielfeld einfach mal verlassen. Für ihn kam niemand auf den Platz. Total folgerichtig. Denn wer soll einen Zlatan schon ersetzen? Und während das Spiel noch lief, ließ sich Zlatan von den Pariser Fans gehörig feiern. Eine Legende weiß eben, wie man sich verhält.

Auch in München gibt es eine Legende: Sie heißt nicht etwa Pep Guardiola, sondern Jupp Heynckes. Ihm ist es gelungen, die Münchner - dieses Opernpublikum, diese verwöhnten Erfolgs- und wen-interessiert-das-Double-Fans - zu Jubelstürmen hinzureißen. Dafür hat er nichts Geringeres gebraucht als das Triple.

Guardiola ist das versagt geblieben. Er hat zwar bisher immerhin zweimal das Double geholt, aber was ist das schon wert? Das ist Felix Magath einst auch gelungen. Und ins Champions-League-Finale hat er's mit den Münchnern gar nicht geschafft. Und das hat sogar Louis van Gaal hinbekommen.

So oder so: Die Amtszeit von Guardiola war alles andere als erfolgreich. Und ohnehin: Ohne die Vorarbeit von Jupp Heynckes hätte Pep selbst diese kleinen Erfolge nicht erreicht. Sagt Pep selbst. Und weil das so ist, hat er Heynckes zur Meisterfeier eingeladen. Wollte sich wohl nicht noch so ne Klatsche abholen, wie nach dem Ingolstadt-Spiel am vorletzten Spieltag als sage und schreibe gut 30 Fans vor dem Vereinsgelände an der Säbener Straße auf die Münchner gewartet hatten, um den Meistertitel mit ihnen zu feiern.

Heynckes kommt trotzdem nicht zur Meisterfeier. Man will ja niemandem die Show stehlen - außer natürlich man heißt Zlatan.

3. Lehre: Pep Guardiola will das, was allen anderen Trainern auch schon widerfahren ist

Wir wissen, dass die zweite Lehre schon etwas gemein war. Pep hat in sieben Jahren liga- und teamübergreifend 20 Titel geholt. Und der DFB-Pokal-Triumph könnte in diesem Jahr noch dazu kommen. Würde Pep in Legendenmanier über sich sprechen, würde er wohl sagen: "Was ein Super-Trainer - nur das super 20-mal".

Carlo Ancelotti, Peps Nachfolger in München, sieht das etwas anders. Frei nach dem Motto "ein Trainer ist erst ein richtig guter Trainer, wenn er auch mal entlassen wurde", prophezeit Ancelotti Guardiola genau das.

"Es gibt keinen Trainer, der in seiner Karriere nicht schon einmal entlassen wurde. Ferguson wurde gefeuert. Lippi wurde gefeuert. Capello, Mourinho, Benitez - der einzige, der bislang nicht entlassen wurde, ist Guardiola."

Wir ergänzen: FCB-CL-Finalist Louis van Gaal wurde entlassen, FCB-Double-Double-Sieger Felix Magath wurde entlassen. Und selbst Triple-Sieger Jupp Heynckes wurde mal entlassen. Sogar von den Bayern selbst im Jahr 1991.

Und weil Guardiola nicht nur 20-mal super ist, sondern auch vom Erfolgshunger zerfressen, will er auch einmal entlassen werden - und geht deswegen zu Manchester City. Wie wir darauf kommen, dass er dort nicht lange bleibt? Weil er es nach dem letzten Spiel auf der Münchner Trainerbank im Interview selbst gesagt hat - und dann auch gleich auf Englisch: "I will be dismissed."

4. Lehre: Das sind die wirklich wichtigen Titel

Jetzt aber mal weg vom FC Bayern. Nur weil sie den Titel geholt haben, gibt es gar keinen Grund nur über die zu schreiben. Und überhaupt: Es wurden ja auch abseits der Meisterschaft richtig wichtige Titel in dieser Saison vergeben:

  • Gewinner der Saison: Das ist eindeutig Hertha BSC Berlin. Einerseits weil sie dank der Quali-Spiele zur Europa League schon viel früher als alle anderen Teams wieder auflaufen dürfen. Andererseits weil das Team aus der geilsten Stadt der Welt kommt. Das sagen nicht nur alle gebürtigen Berliner und Zugezogenen über die Stadt, sondern auch die Hertha selbst. Jetzt fehlt nur noch Zlatans Unterschrift. Dann hätte Berlin nächstes Jahr auch den Titel "Legende der Saison" sicher:
  • Der Verlierer der Saison: Das ist definitiv Markus Weinzierl - zumindest wenn man den Medien glauben darf. Augsburg ist ihm offenbar zu klein geworden, deswegen wird er zum FC Schalke 04 wechseln und die Puppenkiste mit dem ganz großen Zirkus tauschen. Dass der Zirkus wieder einmal in Schalke zu Gast ist, hat sich vor dem letzten Spieltag bei der Entlassung von André Breitenreiter gezeigt. Noch-nicht-Manager Heidel hat dem Trainer sein Job-Aus mitgeteilt - am Telefon. Nachher erklärte er, dass er das eigentlich gar nicht wollte. Vielmehr wollte er nur einen Termin machen, um ihm die Entlassung persönlich mitzuteilen. Die ist ihm dann so rausgerutscht. So wie das alles gegenüber den Medien. Schon jetzt kann man sagen: Da kommt ein Manager für den ganz großen Zirkus.
  • Der Transfer der Saison: Jetzt müssen wir doch wieder zum FC Bayern kommen. Denn in dieser Kategorie haben die Münchner eindeutig die Nase vorn. Die Verpflichtung von Serdar Tasci war ein richtiger Coup - also ein richtig teurer. 220 Minuten hat Tasci gespielt, 2,5 Millionen Leihgebühr gekostet. Macht 11.363,64 Euro pro Minute. Das uns unbekannte Spieler-Gehalt - für Sandro Wagner bestimmt viel zu gering - ist dabei nicht eingerechnet.
  • Die Tränen der Saison fließen gerade in Stuttgart. Ja, in Stuttgart, und nicht nur beim VfB. Denn in Stuttgart sind gleich drei Teams abgestiegen: Der VfB, VfB II und die Stuttgarter Kickers. Jetzt darf kein Stein mehr auf dem anderen bleiben in der Stadt! Stuttgart 21 muss ausgeweitet werden auf alles! Saniert nicht nur den Bahnhof, sondern auch den Fußballstandort.
    Unser Tipp: Holt Felix Magath und gebt ihm zig Millionen. Oder besser gleich ein paar Milliarden. Schlimmer als die Verantwortlichen von Stuttgart 21 wird auch euer Ex-Meistertrainer nicht wirtschaften.