Der FC Bayern weigert sich betrunken zu spielen, Lucien Favre kennt sich nicht mehr aus und wir wissen, wer den FC Schalke 04 so tief in die Misere geritten hat. Unsere - wie immer nicht ganz ernst gemeinten - Lehren des 4. Spieltags der Bundesliga.

Sabrina Schäfer
Eine Glosse
von Sabrina Schäfer, Redakteurin Sport und stellvertr. CvD

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1. Erkenntnis: Jetzt sollen die Bayern auch noch egoistisch werden

Niko Kovac kriegt den Hals nicht voll. Nicht nur, dass dem neuen Trainer des FC Bayern ein perfekter Saisonstart gelungen ist und sein Team schon nach dem vierten Spieltag als Deutscher Meister feststeht (gefühlt zumindest), nun will Kovac auch noch einen neuen Egoismus im Team etablieren.

Nach dem Sieg beim FC Schalke 04 zeigte sich der Kroate not so amused, wie er eigentlich hätte sein können und Schuld hatte Franck Ribéry mit seinem lästigen Teamgeist: "Ich war sauer darüber, dass Franck, der sich selbst immer in so gute Schusspositionen bringt, nicht selbst abschließt", sagte Kovac im Interview mit "Sky".

"Natürlich sieht er immer den Mitspieler, das ehrt ihn, das zeigt seinen Charakter. Aber er muss auch mal ein Tor schießen – und ich glaube, in der Situation hätte er selbst schießen müssen."

Wir wollen uns gar nicht vorstellen, was passiert, wenn beim FC Bayern jetzt auch noch jeder den Abschluss sucht, wenn es sich anbietet.

Aber eigentlich ist es eh schon wurscht. Solange die anderen Mannschaften noch mit ihren eigenen Unsicherheiten beschäftigt sind, wird den Bayern ohnehin niemand mehr gefährlich.

Außer: Wir haben gehört, in München wäre gerade so ein nettes kleines Bierfest. Wie wär's denn mal mit einem oder zehn Besuchen? Eine leicht betüdelte oder wahlweise auch verkaterte Bayern-Mannschaft stellen wir uns höchst amüsant und durchaus schlagbar vor.

Schade, dass Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic leider gleich wieder auf die Spaßbremse tritt: "Am letzten Sonntag des Oktoberfests haben wir unsere Mannschafts-Wiesn. Bis dahin soll vielleicht ein Radler drin sein." Och ...

2. Erkenntnis: Lucien Favre kennt sich auch nicht mehr aus

Wir befinden uns in einer Zeit großer geistiger Verwirrung. Warum zerbricht die Große Koalition gleich nochmal an der Diskussion um einen halbwegs unscheinbaren Staatsbeamten? Und was hat der gegen Horst Seehofer in der Hand, dass er ihn so fest an sich bindet? Und wer hatte eigentlich die glorreiche Idee Millionen Betrunkene in hanebüchene Fahrgeschäfte zu locken, nach deren Besuch man schon nüchtern den Kotzhügel als Destination für die schlotternden Gliedmaßen und rebellierenden Magen erachtet?

In Deutschland scheint etwas in der Luft zu liegen, das Gehirnwindungen blockiert und sinnvolles Denken unmöglich macht. Moorbranddämpfe vielleicht. Wer weiß das schon. Ist ja auch wurscht. Tatsache ist, dass die Verwirrtheit nicht einmal vor Schweizer Bundesligatrainern Halt macht.

Anders ist es nicht zu erklären, dass sich in Lucien Favres Gesicht nach rund einer Stunde im Spiel seines BVB bei der TSG 1899 Hoffenheim plötzlich drei Emotionen widerspiegelten: Wut, Konfusion und schließlich Resignation. Es war, als hätte Horst Seehofer versucht, Favre seine ganz persönlichen Gründe für die ganze Maaßen-Chose darzulegen. Nur war Horst Seehofer nirgends zu sehen. Dafür stand plötzlich Marius Wolf vor Favre, der da definitiv nicht hätte stehen sollen. Denn eigentlich wollte Favre jemand ganz anderen auswechseln. Wen, das wollte der Schweizer nach dem Spiel dann auch nicht mehr verraten. "Ein Kommunikationsfehler", habe zu der Wechselpanne geführt, erklärte Favre. "Aber das will ja kein Mensch mehr wissen."

Und noch etwas sorgte für nachhaltige Verwirrung: Wie zur Hölle hat es Dortmund eigentlich geschafft, aus diesem Spiel einen Punkt zu holen? Oder um es mit den Worten von Hoffenheims Ermin Bicakcic zu sagen: "Die fahren hier weg und wissen nicht, wo sie den Punkt her haben."

3. Erkenntnis: Wir kennen den Schuldigen für die Schalke-Misere

Psssst, hey, Schalke! Komm mal her! Wir haben da ein Geheimnis, das wir dir gerne erzählen würden. Läuft nicht so geil gerade, oder? Weiter kein Punkt, gegen die Bayern verloren, wütende Spieler, ein wütender Trainer, wir verstehen, dass das keinen Spaß macht. Aber sollen wir dir was sagen? Wir wissen, woran es liegt.

Überleg mal ganz genau, was sich in den letzten Wochen personell getan hat. Neuer Trainer? Nö. Der war doch letzte Saison ganz prima, warum soll der plötzlich alles verlernt haben? Das ergibt doch keinen Sinn. Die Spieler sind doch eigentlich auch gut. Es muss also einen anderen Grund geben. Schon drauf gekommen?

Na gut, wir geben dir einen Tipp: Seit ein paar Wochen gibt es einen neuen Redakteur bei euch, einen Ex-Kollegen von uns. Den Namen verraten wir jetzt mal nicht, ein bisschen Eigenleistung muss ja auch sein.

Jedenfalls bringt dir dieser Mann ganz offenbar kein Glück. Aber gute Nachrichten: Wir haben auch gleich eine Lösung parat: Falls du ihn loswerden willst, es gäbe Leute, die ihn zur Not wieder in München willkommen heißen würden. Haben wir gehört.

4. Erkenntnis: Es gibt auch andere Gefühle als Wut

Also wir Deutschen regen uns ja wirklich gerne auf. Am Schönsten lässt sich übrigens auf Bayrisch fluchen, vor allem, wenn die deppaden Preißn scho wieda mit ihrane Plastikdirndl überoi in da Stodt umaranand flacka miassn und ois voispeim, bloß weils as guade Wiesn-Bier ned vertrogn. Zefix no amoi, dann soins hoid dahoam bleim und an Prosecco dringa.

Entschuldigen Sie bitte, das musste kurz raus.

Wobei wir eigentlich am Wochenende etwas ganz Entscheidendes gelernt haben: Es gibt doch tatsächlich noch andere Möglichkeiten Gefühle auszudrücken als wütendes Herumgegrantel oder gar Geschrei.

Beigebracht hat uns das ausgerechnet Manuel Baum. Und das, wo der Trainer des FC Augsburg als gebürtiger Landshuter eigentlich auch das bayrische Schimpfen in Perfektion beherrschen dürfte.

Und ganz ehrlich: Man hätte es ihm auch nicht verdenken können, wenn er nach dem Patzer seines Torhüters Fabian Giefer etwas aus der Haut gefahren wäre. Stattdessen gab Baum jedoch Einblick in sein Seelenleben und das offenbarte dann tatsächlich etwas anderes als Wut. Nämlich Empathie, Verantwortungsbewusstsein und ein bisschen Traurigkeit: "Es ist leider im Berufsleben so, dass du denjenigen, der drin steht, nach dem Job beurteilen musst, da steht aber ein Mensch im Tor, um den es mir unglaublich leidtut", sagte Baum, stockte und hatte Tränen in den Augen. "Wir müssen ihn halt nach den Leistungen beurteilen, und das ist zweimal schlecht gewesen."

Fabian Giefer hat Glück einen so mitfühlenden Trainer zu haben. Wir sind uns fast sicher, dass er noch einmal eine Chance erhalten wird. Kreuzkruzifixnoamoi!

5. Erkenntnis: Der HSV ist immer noch der HSV

Mei, jetzt dachten wir schon, der Hamburger SV hätte mit Abstieg in Liga zwei tatsächlich die Kurve gekriegt. Es sah fast ein bisschen so aus, als könnte der HSV sogar vielleicht den direkten Wiederaufstieg hinkriegen. Ein Hauch neuer HSV wehte durch Deutschlands Norden. Alte Querelen schienen fast vergessen, da ereilte uns doch am Sonntag glatt das große Dementi: Die Hamburger wollen sich offenbar unbedingt dagegen wehren, als grundsolider Verein wahrgenommen zu werden. Um die inzwischen so liebgewonnenen Charakterzüge der Unberechenbarkeit und des Chaos zu unterstreichen, verliert der Hamburger SV doch einfach völlig unmotiviert mit 0:5 gegen Jahn Regensburg.

Gut zu wissen, dass der HSV noch immer der HSV ist.