• David Alaba, Jerome Boateng und Javi Martinez verlassen den FC Bayern im Sommer.
  • Die drei Doppel-Triple-Sieger haben den Klub mitgeprägt.
  • Jeder der drei hat beim Rekordmeister aber auch Rückschläge und Enttäuschungen erlebt.

Mehr aktuelle News zur Bundesliga finden Sie hier

90 Minuten Fußball verbleiben noch, bis beim FC Bayern nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei Ären auf einmal enden.

Jerome Boateng, David Alaba sowie Javi Martinez verlassen den deutschen Rekordmeister nach der Saison 2020/21. Die drei Gewinner von zwei Triples (2013 und 2020) haben insgesamt 1.059 Partien (Stand vor dem 34. Bundesligaspieltag) für den FC Bayern bestritten. Maximal drei weitere können noch hinzukommen, doch schon jetzt ist klar, dass die Münchner in diesem Sommer drei absolute Klub-Legenden verlieren werden.

Alaba, Boateng und Martinez gewannen im Bayern-Trikot zusammen 75 (!) Titel und zählen damit zweifelsfrei zu den erfolgreichsten Spielern der ohnehin reich mit Trophäen gesegneten Münchner Klubgeschichte. Doch trotz aller gemeinsamen Erfolge hat das Trio ganz unterschiedliche Hoch- und Tiefpunkte in seiner Bayern-Zeit erlebt.

David Alaba startet nach Ausleihe zur TSG Hoffenheim durch

Alaba kam 2008, im Alter von 16 Jahren, aus dem Nachwuchs von Austria Wien in die U19 der Bayern und galt bereits damals als eines der größten Talente Europas. Zwei Jahre später wurde der junge Österreicher in die erste Mannschaft "hochgezogen". Doch nach gerade einmal 22 Einsatzminuten in der Hinrunde wurde Alaba an die TSG Hoffenheim verliehen. Im Kraichgau kam er vorwiegend im Mittelfeld zum Einsatz und bestritt alle Rückrunden-Partien in der Bundesliga über die volle Distanz. Neben dem Platz machte Alaba auch mit seinem Gesangstalent auf sich aufmerksam, wie dieses Video beweist.

Nach seiner "Lehrzeit" in Hoffenheim ging es für Alaba zurück nach München. Und siehe da, seine Spielanteile wurden immer größer, auch wenn er zunächst keine feste Position im Team von Trainer Jupp Heynckes hatte. Der gelernte Mittelfeldspieler kam aber immer öfter auf der Linksverteidiger-Position zum Einsatz, wo er in den folgenden Jahren ein kongeniales Duo mit Franck Ribéry bilden sollte.

Auch außerhalb des grünen Vierecks verstanden sich Ribéry und Alaba prächtig. So nahm der neun Jahre ältere Franzose seinen jungen Teamkollegen gerne einmal mit ins Münchner Nachtleben, Dies erfuhr der damalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß von einem anonymen Anrufer. Ende 2012 erzählte Hoeneß diese Anekdote und schilderte zudem, wie er sich den jungen Alaba vorknöpfte. Dieser bat um Bedenkzeit, nachdem er vom Macher des FC Bayern mit den Party-Vorwürfen konfrontiert worden war und antwortete dann ganz trocken in seinem Wiener Dialekt: "Da muss der Ribery mit am andern Schwoazen unterwegs g'wesen sein."

David Alabas Wunsch bleibt unerfüllt

Auf dem Platz aber reifte Alaba schnell zu einem der besten Linksverteidiger der Welt. Er weckte immer wieder das Interesse von Bayerns europäischer Konkurrenz. Stets aber blieb Alaba seinem ersten Profiklub treu. Das lohnte sich für ihn. Er sammelte Titel um Titel. Im Laufe der Jahre wuchsen somit seine Bedeutung für die Mannschaft - und sein Selbstvertrauen. Er bat immer wieder um die Versetzung ins Mittelfeldzentrum, auf seine eigentliche Wunschposition. Doch dieser Wunsch blieb ihm verwehrt. Seine Versetzung hätte auf der linken, defensiven Außenbahn ein zu großes Loch gerissen.

Enormes Verletzungspech im November 2020 bescherte Alaba dann doch noch einen Positionswechsel, allerdings nur in die Innenverteidigung. Unter den Trainern Pep Guardiola und Carlo Ancelotti war er bereits immer wieder im Abwehrzentrum aufgelaufen. Unter Hansi Flick mauserte er sich zur Säule in der Innenverteidigung und hatte mit seinen starken Leistungen maßgeblichen Anteil am Triple 2020.

Spätestens durch seine Vielseitigkeit ist Alaba zu einem der besten Abwehrspieler der Welt geworden, die er zukünftig bei einem anderen Klub unter Beweis stellen wird. Das soll unbestätigten Berichten zufolge Real Madrid sein. "Ich bin als 16-Jähriger aus Wien hierhergekommen, und 13 Jahre später blicken wir auf fast die Hälfte meines Lebens zurück. Das sagt doch eigentlich alles. Der Verein ist meine Familie, meine Heimat, mein Zuhause", sagte Alaba im vereinseigenen Magazin "51".

Trotzdem scheiterte die Einigung auf eine Verlängerung des Vertrags über das Saisonende hinaus. Angeblich forderte Alabas Seite als Jahresgehalt 25 Millionen Euro. Die war der FC Bayern nicht bereit, zu zahlen. Er sei bis an seine Schmerzgrenze gegangen - und beendete im Herbst 2020 die Gespräche. Alaba musste sich - vor allem in Richtung seines Beraters Pini Zahavi - Vorwürfe gefallen lassen. So bezeichnete Hoeneß Zahavi wörtlich als "geldgierigen Piranha". Alaba zeigte sich vom Verhalten des Vereins enttäuscht. Die öffentliche Austragung des Gehaltspokers hat bei ihm offenbar Wunden hinterlassen.

Lesen Sie auch: David Alaba erwirbt zwei Prozent an seinem Heimatverein

Jerome Boateng reifte zum Weltklasse-Verteidiger – Probleme mit Klubführung

Auch Jerome Boateng hat seitens des Vereins nicht immer die gewünschte Unterstützung erfahren. Heimat und Zuhause war der FC Bayern aber auch für den gebürtigen Berliner, und das über zehn Jahre hinweg. Bei seinem Jugendklub Hertha BSC, beim Hamburger SV und bei Manchester City sammelte der Verteidiger erste Profierfahrung, ehe er an die Isar kam. 13,5 Millionen Euro überwiesen die Münchner im Sommer 2011 nach Manchester und erhielten dafür einen späteren Weltmeister, der sich im Laufe der Jahre zu einem der besten Innenverteidiger der Welt entwickelte.

Kompromisslose Grätschen, präzise Diagonalbälle über knapp 50 Meter, knallharte Sprintduelle: All das zeichnete Boateng auf dem Platz aus. Daneben zeigte er ein großes Engagement für sozial Benachteiligte und sprach sich bereits gegen Rassismus aus, als dies noch nicht en vogue für Fußballprofis war. Zwischendurch entwarf er auch noch eigene Brillen und brachte das Magazin "Boa" heraus. Letzteres sehr zum Missfallen der Bayern-Führung. Die Forderung von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, Boateng müsse "down to earth" kommen, ist wohl für immer unvergessen.

Trotz seiner enormen sportlichen Klasse war das Verhältnis Boatengs zu den Kluboberen immer schwierig. Nach der Meisterschaft 2019, bei der Boateng unter Niko Kovac kaum eine Rolle spielte und die Meisterfeier mehr oder weniger über sich ergehen ließ, riet ihm Uli Hoeneß mit sehr deutlichen Worten zu einem Wechsel. Doch Boateng blieb und fand unter Flick wieder zu alter Klasse zurück. Im Champions-League-Finale 2020 spielte er von Beginn an, obwohl er angeschlagen war, und musste dann nach 25 Minuten wieder runter. Aber ein Jahr zuvor hätte ihm wohl niemand zugetraut, dass er überhaupt noch ein Spiel im Bayern-Dress bestreiten werde.

Lesen Sie auch: Die Art des Abschieds von Jerome Boateng passt nicht zum FC Bayern

Angesichts dieses Zurückkämpfens dürfte es Boateng sicherlich enorm geschmerzt haben, als Sportdirektor Hasan Salihamidzic vor dem wichtigen Paris-Spiel öffentlich unmissverständlich klarstellte, dass Boateng keine Zukunft mehr im Klub habe. Dem 32 Jahre alten Verteidiger kam im Anschluss aber kein böses Wort zu der Entscheidung, die zu einem unglücklichen Zeitpunkt publik gemacht wurde, über die Lippen. Angesichts seiner zuletzt gezeigten Leistungen dürfte Boateng aber noch einige Jahre als Profi spielen. Auch, wenn es zur EM 2021 nicht zu einer Rückkehr in die Nationalmannschaft gereicht hat.

Lesen Sie auch: So sieht der deutsche EM-Kader aus

Javi Martinez: Bayerns Rekordeinkauf wird zum "Mr. Supercup"

Mit Javi Martinez geht im Sommer der dritte Dopple-Triple-Sieger. Im Sommer 2012, die Bayern hatte gerade drei mögliche Titel vergeben, kam der Spanier für die damalige Rekordablöse von 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao als weitgehend unbeschriebenes Blatt. Dies änderte sich aber postwendend. Gleich in seiner ersten Bayern-Saison war Martinez einer der Schlüsselspieler auf dem Weg zum ersten Triple der Vereinsgeschichte. Vor allem physisch war auf ihn an der Seite von Bastian Schweinsteiger immer Verlass.

In den folgenden Jahren stoppten ihn zahlreiche Verletzungen. Aber wenn Martinez fit war, war er ein Leistungsträger. Vor allem mit den beiden Supercup-Titeln wird sein Name immer verbunden sein. 2013 rettete er die Bayern gegen Chelsea ins Elfmeterschießen, und im September 2020 erzielte er sogar den Siegtreffer in der Verlängerung gegen seine Landsleute vom FC Sevilla. "Diese neun Jahre werde ich nie vergessen. "Schon am ersten Tag habe ich das 'Mia san mia' und das Besondere am FC Bayern gespürt", blickte Martinez unlängst voller Dankbarkeit auf seine Zeit an der Isar zurück.

Den ganz großen emotionalen Abschied wird es aber weder bei Martinez noch bei Boateng oder Alaba geben, schließlich wird er ohne Fans ablaufen. Das Hochstemmen der neunten (Boateng, Martinez) beziehungsweise zehnten (Alaba) Meisterschale dürfte immerhin für etwas Gänsehaut sorgen.

Während sportlich für Ersatz gesorgt werden kann, dürften die drei Doppel-Triple-Sieger menschlich aber eine gewaltige Lücke im Münchner Starensemble hinterlassen, schon angesichts ihrer enormen Verdienste rund um den deutschen Rekordmeister. 90 Minuten bleiben aber noch, um das Trio ein letztes Mal in den Bayern-Farben zu erleben und zu feiern.

Verwendete Quellen:

  • Transfermarkt.de: Profile von David Alaba, Jerome Boateng, Javi Martinez
  • Goal.com: Zu viel Party mit Ribery? Als David Alaba Uli Hoeneß austrickste
  • Eurosport.de: Wie David Alaba zum Abwehrchef beim Rekordmeister wurde
  • Dpa-Meldung: "Diese neun Jahre werde ich nie vergessen"
  • Youtube: "Alaba singt Baby von Justin Bieber :D"
Interessiert Sie, wie unsere Redaktion arbeitet? In unserer Rubrik "Einblick" finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte kommen.
Robert Lewandowski, Rafal Gikiewicz, FC Bayern München, FC Augsburg, Bundesliga, 34. Spieltag, 2021
Bildergalerie starten

Die besten Bilder der Bundesliga-Saison 2020/21: Jubel, Enttäuschung, Emotionen

Bemerkenswerte Momente der Bundesliga-Saison 2020/21: Hier finden Sie - regelmäßig aktualisiert - Momente, die im Gedächtnis bleiben.