Die Trainersuche treibt den FC Bayern München um, der angebliche Kandidatenkreis passt aber eigentlich gar nicht zum Münchner Anspruch. Oliver Kahn hat nun Zinedine Zidane ins Spiel gebracht. Kommt doch die große, überraschende Trainer-Lösung?

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Zinedine Zidane kennt sich aus an der Säbener Straße. Zizou war zum Lernen nach München gereist, zusammen mit unter anderen Willy Sagnol und Claude Makelele hospitierte Zidane beim FC Bayern. Der wurde damals von Pep Guardiola angeleitet.

Der mehrfache Weltfußballer und der vermeintlich beste Trainer der Welt tauschten sich aus, Zidane durfte Erfahrungen sammeln, neue Werte aufsaugen und reiste mit seinem neuen Wissen zurück zu seiner Mannschaft. Real Madrid B, das Farmteam der Königlichen.

Etwa vier Jahre ist diese Episode nun her. Zinedine Zidane ist längst Trainer der Profis von Real und für einige Experten derzeit der beste Trainer der Welt.

Jedenfalls hat er mit Real Madrid etwas geschafft, was noch keinem vor ihm gelungen ist: Die Champions League zweimal in Folge zu gewinnen.

Ganz sicher hat sich der 45-Jährige in rasanter Geschwindigkeit in jenen sehr kleinen Zirkel von Trainern gearbeitet, die für eine ebenso exklusive Klientel in Frage kommt.

Am Dienstag hat Oliver Kahn am Rande des Champions-League-Spiels der Bayern in Sevilla ein paar Sätze formuliert, die auf den ersten Blick verrückt klingen, bei genauerer Betrachtung aber gar nicht so abwegig sind.

"Diesen Trainer finde ich sensationell!"

"Zinedine Zidane wäre sicherlich eine Überlegung wert. Diesen Trainer finde ich sensationell!", gestand Kahn im "ZDF" seine Bewunderung für Zidane. "Der hat in Madrid alles erreicht, kann jetzt zum dritten Mal die Champions League gewinnen. Was will er da noch machen? Vom Anforderungsprofil her würde er perfekt zum FC Bayern passen."

Nun haben die Bayern ihr sehr knapp formuliertes Anforderungsprofil nach der Absage von Thomas Tuchel abermals umrissen. Der neue Trainer müsse zum FC Bayern passen und deutschsprachig sein. Das grenzt den Kreis an Kandidaten doch merklich ein und missachtet ein paar andere Parameter, die die Bayern bisher unbeantwortet ließen.

Muss der neue Coach Erfahrung in einem großen Klub mitbringen und im Umgang mit Stars? Soll er die Champions League nicht nur vom Hörensagen kennen und im besten Fall schon Erfolge in ebendieser vorweisen können? Soll er Moderator sein oder ein Entwickler?

Nur Hochkaräter auf der Bank

Diese Dinge sind bisher kaum bis gar nicht beantwortet. Hasan Salihamidzic wurde unmittelbar vor dem Spiel in Sevilla selbstredend auch dazu befragt, aber Brazzo gab ein typisches Brazzo-Interview mit nichtssagenden Formulierungen.

Immerhin wies er sinngemäß darauf hin, dass der FC Bayern clever genug sei, um demnächst eine sehr starke Lösung zu präsentieren.

Eintracht-Sportvorstand und -Trainer äußern sich zu Wechselgerüchten.

Die angeblich heißesten Kandidaten aus der aktuell diskutierten Verlosung sind allesamt deutschsprachig, Niko Kovac, Lucien Favre oder Ralph Hasenhüttl.

Gestandene Bundesligatrainer sind das, der eine hat eine echte Bayern-Vita, der andere kann die Entwicklung einer Mannschaft bis zum Exzess vorantreiben, der letzte war auch mal in München und ist derzeit Trainer eines der größten heimischen Konkurrenten.

Aber keiner von ihnen würde in die illustre Reihe der Bayern-Trainer des letzten Jahrzehnts passen.

Jürgen Klinsmann war dabei sogar noch der kleinste Name, zur Zeit seiner Verpflichtung aber einer der begehrtesten Projektleiter Europas. Es folgten als bewusst verpflichtete Cheftrainer Jupp Heynckes, Louis van Gaal, wieder Heynckes, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und ein drittes Mal Heynckes.

Bei allem Respekt vor der Leistung von Kovac, Favre, Hasenhüttl oder einer anderen Lösung aus der Bundesliga: In diese Reihe kann eigentlich nur ein Trainer von Weltformat passen.

Die Bayern dachten immer groß

Die Bayern befinden sich in einem Umbruch, der schleichende Prozess stockt mit jeder weiteren Woche, die kein neuer Trainer gefunden werden kann.

Ohne Trainer keine Kaderplanung, ohne Kaderplanung keine finalen Gespräche mit Spielern wie Franck Ribery oder Arjen Robben. Von möglichen Zugängen ganz zu schweigen.

Der Umbruch könnte radikaler ausfallen, je mehr der neue Coach als Entwickler von Mannschaften taugt. Die Frage ist nur: Brauchen die Bayern, braucht diese Ansammlung von Superstars im Kader, einen Trainer, der ihnen den Fußball neu erklärt? Oder benötigt diese Mannschaft nicht eher einen Moderator? Einen wie Zidane eben.

"Die Frage ist, was kann er besonders gut? Er kann ein Star-Ensemble moderieren. Er selbst war ein absoluter Weltstar. Vielen ehemaligen großen Spielern traut man gar nicht zu, später auch Trainer mit einer solchen Qualität sein zu können. Aber er kann es", ist sich Kahn sicher.

"Zidane versucht nicht, den Fußball bei Real Madrid neu zu erfinden. Er presst der Mannschaft keine Systeme auf, sondern justiert nur ganz fein. Die Spieler überzeugt er mit seiner Ansprache - die leisten seit Jahren Unglaubliches."

Beim FC Bayern geht es in erster Linie darum, ein bombastisch starkes Fundament zu verwalten. Eine echte Aufbauarbeit benötigt dieser Klub nicht.

Der Anspruch der Bayern war es - im Rahmen ihrer (finanziellen) Möglichkeiten - immer groß zu denken. Warum sollte das in der Trainerfrage, die nun schon seit Monaten wabert und langsam richtiggehend lästig wird, plötzlich anders sein?

Klopp? Guardiola?

Auch der internationale Markt gibt nicht viele Trainer her, die in dieses sehr exklusive Raster passen.

Zwei andere, die das neben Zidane könnten, durften am Mittwochabend auf großer Bühne wirken. Die Partie zwischen dem FC Liverpool und Manchester City war auch das Duell zwischen Jürgen Klopp und Pep Guardiola, und das nicht nur aus deutscher Sicht und wegen ihrer Bundesligavergangenheit.

Beide sitzen bei ihren jeweiligen Klubs offensichtlich felsenfest im Sattel und es gibt keinen Grund, vom Gegenteil auszugehen. Klopp ist jetzt schon eine Ikone der Reds, ein Bill Shankly der Neuzeit. Nur eben (noch) ohne die ganz großen Titel.

Guardiola ist seinen katarischen Freunden verpflichtet und in Manchester auf einer Mission, die da heißt: Champions-League-Triumph.

Beide scheinen damit unerreichbar für die Bayern zu sein. Andererseits hat Uli Hoeneß bei seinem Kumpel Jupp Heynckes auch nur auf den leisesten Zweifel gehofft, dass er im Sommer wieder in den Ruhestand zieht. Sonst wäre er geblieben.

Sollte es nun auch nur die kleinste Möglichkeit geben, an ein Kaliber wie Klopp oder Guardiola zu kommen, dann müssten die Bayern eigentlich alle Energie dafür aufwenden und vehement aktiv werden - allein schon damit später keiner behaupten kann, sie hätten es nicht wenigstens versucht.