Das letzte Länderspiel des Jahres 2016 ist vorüber. Trotz des Halbfinal-Aus bei der Europameisterschaft fällt die Bilanz positiv aus. Gleichwohl gibt es bis zur WM 2018 noch einiges zu tun. Das erwartet die deutsche Nationalmannschaft im neuen Jahr.

Insgesamt 16 Länderspiele hat die deutsche Nationalmannschaft im Jahre 2016 bestritten. Es gab elf Siege, zwei Unentschieden und drei Niederlagen. Das schmerzlichste Erlebnis war das Halbfinal-Aus bei der Europameisterschaft gegen Frankreich.

"Insgesamt fällt meine Bilanz für das Jahr 2016 positiv aus", sagte Bundestrainer Joachim Löw bei der ARD. "Bei der EM waren wir natürlich enttäuscht. Man hat ein paar Wochen gebraucht, um das zu verarbeiten. Wir hätten die Chance gehabt, die EM für uns zu entscheiden."

Besonders bitter war, dass das Ausscheiden auf eigene Fehler zurückzuführen war. Bastian Schweinsteiger verursachte mit einem Handspiel den Elfmeter zum 0:1. Joshua Kimmich unterlief der entscheidende Fehler vor dem 0:2. Bis dahin galt Deutschland als die spielstärkste Mannschaft der Europameisterschaft.

Gleichwohl haben die EM-Spiele der deutschen Nationalmannschaft bewiesen, dass vorne ein Mittelstürmer mit Durchschlagskraft benötigt wird. Mario Gomez hat nicht nur Tore geschossen, sondern war auch als Anspielstation im Strafraum wichtig. Nachdem er gegen Italien verletzungsbedingt ausfiel, funktionierte das Offensivspiel nicht mehr.

Gegen einige Nationen mag es genügen, mit einer falschen Neun wie Mario Götze aufzulaufen. Im Spiel gegen die Top-Nationen, die in der Verteidigung sicher stehen, wäre allerdings ein klassischer Mittelstürmer hilfreich. Leider ist die Auswahl nicht groß. Mario Gomez kommt beim VfL Wolfsburg erst so langsam in Schwung. Außerdem wird er während der WM 2018 bereits seinen 33. Geburtstag feiern. Alternativen werden also zwingend benötigt. Möglicherweise ist der aufstrebende Timo Werner von RB Leipzig ein Kandidat – wobei er ein anderer Stürmer-Typ als Gomez ist.

Auch auf den Außenverteidigerpositionen besteht noch Luft nach oben. Herausragend besetzt ist die deutsche Nationalmannschaft mit Manuel Neuer im Tor, den Innenverteidigern Mats Hummels und Jerome Boateng sowie dem spielstarken Mittelfeld. Toni Kroos, Mesut Özil und Thomas Müller zählen auf ihren Positionen zu den besten der Welt.

Ein starker Start in die WM-Qualifikation

Der Start in die WM-Qualifikation hätte nicht besser verlaufen können: Fünf Spiele, fünf Siege, kein Gegentor. Für Löw geht es darum, dieses hohe Level nun beizubehalten: "Wir wollen die Quali besser machen als die letzte Quali. Wir müssen das konsequent durchziehen." Zur Erinnerung: Bei der WM-Quali gab es in den ersten drei Spielen nur einen Sieg.

Die nächsten Länderspiele finden im März 2017 statt. Deutschland empfängt zunächst in einem Testspiel England, dann findet das WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan statt. Es folgt im Juni ein weiteres Quali-Spiel gegen San Marino, ehe der Confed-Cup (17. Juni – 2. Juli) in Russland beginnt.

Junge Talente und neue Impulse

Löw hat bereits angekündigt, bei diesem Turnier vielfach auf junge Spieler setzen zu wollen. Einerseits um die etablierten Spieler zu schonen, andererseits auch um die Verjüngung der Nationalmannschaft voranschreiten zu lassen. Junge Spieler sollen beim DFB für neue Impulse sorgen – so bleibt ein Nationalteam schwer ausrechenbar.

Acht Debütanten hat es 2016 gegeben: Niklas Süle, Joshua Kimmich, Julian Weigl, Julian Brandt, Jonathan Tah, Serge Gnabry, Benjamin Henrichs und Yannick Gerhardt. Sofern sie nicht in eine Formkrise geraten, dürften zumindest Kimmich, Weigl und Brandt zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

Auch Gnabry hat mit seinen drei Toren gegen San Marino ein Ausrufezeichen gesetzt. Löw sagt: "Er hat gezeigt, dass er einen sehr starken Tordrang hat, technisch gut ist und viel Tempo in seinen Aktionen hat." Gleichwohl weiß der Bundestrainer, dass ein Spiel gegen einen überforderten Gegner wie San Marino kaum aussagekräftig ist. Weitere Debütanten dürften im kommenden Jahr folgen. Neben Werner wären auch Mitchell Weiser von Hertha BSC oder Felix Passlack von Borussia Dortmund mögliche Kandidaten.

Vorzeitiger Ausstieg Löws möglich

Löw muss langfristig denken. Immerhin hat er einen Vertrag bis 2020 unterschrieben. Allerdings soll es laut Medienberichten eine Ausstiegsklausel geben. Löw wollte das bei der ARD nicht direkt bestätigen, gab aber zu: "Wenn irgendwann die Zeit kommt, dass eine Seite unzufrieden ist, gibt es immer Möglichkeiten."

Auch wenn die Länderspiele für das Jahr 2016 nun gelaufen sind, hat er in den folgenden Wochen noch einige Termine vor sich. Samstag schaut er sich das Top-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München an. Danach möchte er einige Partien in Spanien besuchen. Schlussendlich geht es nach Russland, wo Löw ein geeignetes Hotel sucht. Damit für die WM 2018 auch ja nichts schief geht.