• Am vorletzten Wettkampf-Wochenende vor der Eröffnung der olympischen Winterspiele in Peking bestimmte der Nominierungs-Druck das Geschehen.
  • Dem waren nicht alle Athletinnen und Athleten des Deutschen Ski-Verbands gewachsen.
  • Besonders hart traf es Skispringer Andreas Wellinger und Biathletin Franziska Hildebrand.
  • Während Rodel-Legende Georg Hackl sogar die Verschiebung der Spiele forderte, nahm sich der Alpin-Direktor die deutschen Abfahrer zur Brust.

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Ein ziemlich verkorkstes Kitzbühel-Wochenende sorgt für ein bisschen Unruhe bei den deutschen Ski-Stars. Bei den Biathleten bleibt der große Unterschied zwischen Damen und Herren, während Deutschlands Skispringer rechtzeitig vor Olympia wieder ihre Form finden. Einer von ihnen aber verflucht das Coronavirus.

Biathlon

Fettes Ausrufezeichen von Benedikt Doll, knapp zwei Wochen vor Olympia! Beim Weltcup in Antholz krallte sich der 31-Jährige am Samstag den Sieg im Massenstart und bestätigte seine deutlich ansteigende Form. "Ich bin unfassbar glücklich. Nach dem letzten Schießen habe ich gewusst, dass es läuferisch richtig gut geht. Ich habe mir gesagt, dass ich offensiv rangehe und etwas riskiere. Es ist richtig schön, dass es mit dem Sieg aufging", sagte Doll in der ARD.

Johannes Kühn kam nach überstandener Corona-Infektion auf Rang 19. Roman Rees belegte den 21. Platz. Doll war auch einen Tag davor über die 20 km schon bester deutscher Starter auf Rang zwölf - allerdings startete da nur eine bessere B-Mannschaft des DSV. Erik Lesser und Philipp Nawrath bereiten sich zu Hause auf Peking vor, Kühn und Rees legten am Freitag noch eine Pause ein und verzichteten auf einen Start.

Biathlon-Staffel der Männer überrascht mit Podestplatz

Umso überraschender landete die Staffel mit Rees, Philipp Horn, David Zobel und Lukas Fratzscher auf einem fast schon sensationellen dritten Platz. Es war das zweite Top-drei-Ergebnis des Winters nach Rang zwei in der Vorwoche in Ruhpolding und bestätigt die Tendenz bei den Männern: So kurz vor Olympia geht es Woche für Woche voran.

Ganz anders bleibt die Lage bei den Damen: Das Rätselraten geht weiter, die Ergebnisse fehlen und aktuell kann niemand seriös den Leistungs- und Gesundheitsstand der Top-Athletinnen Denise Herrmann und Franziska Preuß einschätzen. Im Einzel am Freitag war Franziska Hildebrand als 15. noch beste DSV-Starterin - für Olympia ist die 34-Jährige aber gar nicht nominiert.

Nicht für Olympia nominiert: Bei Hildebrand sitzt die Enttäuschung tief

"Ich hatte leider fälschlicherweise angenommen, dass die kommenden Rennen in Antholz auch zu einer möglichen Nominierung zählen. Umso größer ist die Enttäuschung nun, dass ich mich trotz ansteigender Form nicht für Peking qualifizieren konnte", sagte Hildebrand. Der Verband wollte da Einzelrennen "noch mit rein nehmen", wie Sportchef Bernd Eisenbichler sagte. "Das wurde vom DOSB leider nicht gewährt. Wir finden das sehr bedauerlich. Wir wollten das noch möglich machen."

Die Episode passt jedenfalls zum bisher verkorksten Winter der Damen. Die B-Staffel mit Anna Weidel und den nicht für Olympia gemeldeten Hildebrand, Janina Hettich und Hanna Kebinger belegte nur Platz acht, Herrmann musste beim abschließenden Massenstart eine nächste herbe Schlappe einstecken. Die 33-Jährige wurde nur 23. und findet weiter keine Antworten auf die vielen Fragen.

Immerhin wusste Vanessa Voigt nach einer tadellosen Schießleistung mit Rang sieben sehr zu überzeugen. Es war Voigts bestes Weltcup-Ergebnis ihrer Karriere.

Ski alpin, Skicross und Para-Ski

Dicke Luft bei den Alpin-Cracks kurz vor Olympia: Nach einem völlig verkorksten Wochenende in Kitzbühel sparte Alpin-Chef Wolfgang Maier nicht mit Kritik an seinen Männern. "Ich stelle mir die Frage, ob sich die Athleten bewusst sind, dass hier immer die Limits gefordert sind", sagte Maier in der ARD. "Wir tun uns gesamtheitlich extrem schwer." Maier monierte die fehlende Risikobereitschaft seiner Fahrer auf der schwersten Abfahrt der Welt.

Andreas Sander übt nach Debakel in Kitzbühel Selbstkritik

In zwei Rennen fuhr Romed Baumann am Sonntag auf Rang 15 noch das beste DSV-Resultat heraus. Sepp Ferstl nach einem schweren Trainingssturz, Dominik Schwaiger und Vizeweltmeister Andreas Sander landeten teilweise weit abgeschlagen unter ferner liefen. "Ganz klar: Wenn man so eine Leistung bringt, würde ich mich als Trainer auch nicht aufstellen", sagte Sander erstaunlich selbstkritisch. "Die Form passt überhaupt nicht!"

Auch beim Slalom am Ganslernhang fuhr Linus Straßer beim Sensationssieg des Briten Dave Ryding hinterher, landete am Ende nur auf Rang 14. Anton Tremmel belegte den 17. Platz.

Bei den Damen lief es in den Speed-Rennen von Cortina d‘Ampezzo kaum besser. Kira Weidle kam in einer wilden Abfahrt auf Rang zehn, beim Super-G am Sonntag landete Deutschlands Speed-Queen auf Rang zwölf - was immerhin das beste Ergebnis ihrer Karriere im Super-G bedeutete.

Die deutschen Skicrosser verpassten bei den beiden Weltcup-Rennen in Idre Fjäll in Schweden bei den Damen und den Männern jeweils die Finals und damit mögliche Podiumsplätze . Für Daniela Maier und Daniel Bohnacker war jeweils in den Halbfinals Schluss.

Anna-Lena Forster holt vier WM-Titel in Lillehammer

In absolut überragender Form bleibt dagegen Anna-Lena Forster. Die Mono-Skifahrerin holte bei den World Para Snowsports Championships in Lillehammer am Wochenende bereits ihre vierte Goldmedaille. Nach den Titeln in der Abfahrt, im Super-G und in der Super-Kombination gewann Forster auch den Slalom. "Es ist gigantisch!", sagte die zweimalige Paralympicssiegerin von 2018.

Skispringen

Die Entscheidung ist gefallen: Ohne Severin Freund und Andreas Wellinger werden die deutschen Adler in Peking auf Medaillenjagd gehen. Mit dabei sind dagegen Constantin Schmid und Pius Paschke. Das Duo wurde am Sonntagmorgen von Bundestrainer Stefan Horngacher noch gemeldet.

Während Freund aus sportlichen Gründen aus dem Olympia-Aufgebot gestrichen wurde, kam Olympiasieger Wellinger ein positiver Corona-Test dazwischen. "Was soll ich sagen? Dem Knie geht es wieder besser, ich hatte medizinisch die Freigabe und könnte springen. Und dann kommt der scheiß Corona-Test dazwischen", sagte Wellinger, der auch die Springen in Titisee-Neustadt verpasste.

Karl Geiger und Markus Eisenbichler sind in Medaillenform

Dort feierte Karl Geiger bei den beiden Weltcup-Springen seine Saisonsiege drei und vier. Er bestätigte seine überragende Form nach der eher schwachen Vierschanzentournee und holte sich nebenbei auch die Führung im Gesamtweltcup zurück. "Das war geil, das Gefühl nehme ich jetzt mit. Ich freue mich sehr auf Olympia", so Geiger. "Wir haben mit den Trainern echt ein gutes Rezept gefunden." Das nahezu perfekte Wochenende rundete Markus Eisenbichler mit zwei dritten Plätzen ab.

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Rodeln

Georg Hackl fordert eine Verschiebung der Winterspiele

Das Renn-Wochenende wurde überschattet von Schorsch Hackls Kritik an der Test-Strategie von Gastgeber China und der Forderung nach einer Verlegung der Olympischen Spiele. "Gerade in einem Gastgeberland, das derart drastisch mit der Pandemie umgeht, bei PCR-Tests deutlich niedrigere Grenzwerte als in Deutschland ansetzt, Sportler noch kurz vor dem Start von der Eisbahn holt und in Quarantäne sperrt, ist ein Großereignis wie Olympia doch überhaupt nicht durchführbar", sagte Hackl der "Welt am Sonntag". Er schlage deshalb eine Verschiebung der Wettkämpfe vor.

Sportlich lief es für die meisten deutschen Athletinnen und Athleten am Wochenende sehr gut. Das Doppel Toni Eggert und Sascha Benecken holte sich in St. Moritz den EM-Titel und den Sieg im Gesamtweltcup, auch Julia Taubitz schnappte sich den Gesamtweltcup. Olympiasiegerin Natalie Geisenberger fuhr zudem bei der Olympia-Generalprobe auf der Natureisbahn in St. Moritz ihren ersten Saisonsieg und den EM-Titel ein

Felix Loch im Leistungs-Loch

Enttäuschend verlief dagegen bei den Männern: Weder Johannes Ludwig noch Felix Loch fuhren in St. Moritz aufs Podium, Loch fährt damit erstmals in seiner langen Karriere ohne einen Titel im Gepäck zu den Winterspielen.

Verwendete Quelle

Geschichte des Skifahrens

Die Geschichte des Skifahrens

Das Skifahren hat einen weiten Weg hinter sich: von einer Überlebenstaktik in der Steinzeit zum sportlichen Erholungsurlaub. Der erste Skilift in Deutschland wurde 1908 im Schwarzwald eröffnet.
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