Kaum ein nationaler Titelkampf ist so langweilig wie der in der Bundesliga. Liga-Boss Christian Seifert sorgt sich um die Attraktivität der Liga. Denn der internationale Markt lässt sich nicht erobern, wenn der Meister bereits im Voraus feststeht. Steckt die Bundesliga in der Sackgasse?

Der FC Bayern München ist der Konkurrenz wieder einmal enteilt. Mit einem Vorsprung von 13 Punkten ist ihm die fünfte Meisterschaft in Serie realistisch betrachtet nicht mehr zu nehmen. Ein spannender Meisterschaftskampf? So etwas gibt es in der Bundesliga schon längst nicht mehr.

Liga-Boss Christian Seifert schlägt nun Alarm. "Wenn der FC Bayern noch ein paar Mal hintereinander Meister werden sollte, wäre das nicht gerade förderlich für die Wahrnehmung des Wettbewerbs", sagt er im Interview mit dem "Kicker".

Kommentar: Warum Kritik am Ausraster des Bayern-Stars totaler Quatsch ist.

Der Meister steht eigentlich schon fest

Dominante Mannschaften gibt es auch in den anderen Ligen. Der FC Chelsea und Juventus Turin haben in England bzw. Italien jeweils zehn Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten. Auch Real Madrid steuert wohl der spanischen Meisterschaft entgegen. Trotzdem ist die Situation in Deutschland besonders dramatisch.

Die englische Premier League hatte in den vergangenen vier Jahren vier unterschiedliche Meister. In Spanien gab es in den letzten fünf Spielzeiten drei verschiedene Meister. In Frankreich gewann Paris Saint-Germain zwar die letzten vier Jahre die Meisterschaft, hängt nun aber AS Monaco hinterher.

In Deutschland hingegen erklärte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in der "Bild": "Bayern wird auf Jahre hinaus Meister werden."

Genau diese Einstellung empfindet Seifert als wettbewerbsschädigend: "In England geben vor einer Saison fünf Klubs den Titelgewinn als Ziel aus, in Italien sagen es drei und in Spanien zwei Vereine. In Deutschland erklären 17 Klubs: Von Verfolger kann keine Rede sein. Das muss sich irgendwann ändern."

Gewaltige finanzielle Unterschiede

Doch kann man dies den Konkurrenten wirklich verübeln? Der FC Bayern München erwirtschaftete einen Jahresumsatz von 626,8 Millionen Euro. Borussia Dortmund hat als Nummer zwei der Liga vergleichsweise bescheidene 376 Millionen Euro eingenommen.

Und das auch nur, weil die Abgänge von Henrikh Mkhitaryan, Mats Hummels und Ilkay Gündogan viel Geld in die Kasse gespült haben.

Der Marktwert des Bayern-Kaders beträgt laut "transfermarkt.de" 556,15 Millionen Euro. Borussia Dortmund (378,35), Bayer 04 Leverkusen (272,45) und der FC Schalke 04 (210,13) sind davon weit entfernt. In England und Spanien hingegen liegen die Marktwerte der Top-Mannschaften sehr nahe beieinander.

Schweinsteiger hat ihm einen ganz besonderen Brief geschrieben.

Dramatisch, aber uninteressant

Nun wäre es falsch zu behaupten, an der Bundesliga sei alles langweilig. Der Abstiegskampf steckt Jahr für Jahr voller Dramatik. Der Kampf um den Klassenerhalt beginnt nun bereits auf Tabellenplatz 9. Dort rangiert der FC Schalke 04 und hat lediglich sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Auch der Kampf um den internationalen Wettbewerb ist spannend.

Das Problem ist nur: Für den ausländischen Markt, den die Bundesliga unbedingt erobern möchte, ist all das uninteressant. Seifert weiß, dass eine Liga "stärker über den Meisterschaftskampf als über den Kampf um den Klassenerhalt" wahrgenommen wird.

Den deutschen Fußball-Fans ist es schließlich auch egal, ob in England nun Swansea City oder Hull City, ob in Spanien nun der FC Granada oder CD Leganes absteigt. Uns interessiert vielmehr, ob Real Madrid oder der FC Barcelona Meister wird. Andersherum ist es genauso. Die Bundesliga ist also abhängig davon, dass die Bayern-Verfolger, wenn man sie überhaupt noch so nennen kann, durch kluge Entscheidungen den Abstand verkürzen.

Ein neuer Top-Verein am Firmament

Borussia Dortmund beispielsweise steckt im Umbruch. Junge Spieler wie der 19-jährige Ousmane Dembélé oder der 21-jährige Julian Weigl haben Weltklasse-Potential. Die Verpflichtung des 17 Jahre alten Mittelstürmers Alexander Isak gilt als eine Versprechung für die Zukunft.

Auch der FC Schalke 04 befindet sich unter der Führung von Sportdirektor Christian Heidel und Trainer Markus Weinzierl in einem Wandel.

RB Leipzig könnte die Meisterschaft (wie bereits in der Hinrunde geschehen) ebenfalls spannender machen. Als Aufsteiger und jüngste Mannschaft der Liga dürfe der Leistungszenit noch nicht erreicht sein.

"Alles, was dort gemacht wurde, wurde mit großer Klugheit gemacht", lobte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge in einer Presserunde. "RB wird sich auf Dauer im oberen Drittel festsetzen und ein starker Gegenspieler werden."

Egal ob nun Leipzig, Dortmund, Schalke oder ein anderer Klub - es wäre der Bundesliga zu wünschen, wenn zumindest einer von ihnen den Titelkampf künftig wieder spannender gestaltet.

Seit dieser Saison gilt offiziell: Nicht jede "Notbremse" ist rotwürdig. Das scheint sich aber noch immer nicht überall herumgesprochen zu haben, wie sich am Wochenende in zwei Bundesliga-Partien gezeigt hat.