Lucien Favre feiert mit Rotkäppchen-Sekt, der 1. FC Köln ist das Marketing-Genie der Bundesliga und beim Anblick der Werder-Elf gruselt's einen nach Halloween noch. Außerdem verrät Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt intime Details über die Spieler des Hamburger SV. Die etwas andere Vorschau auf den 10. Spieltag der Bundesliga.

Lucien Favre jagt den Uralt-Rekord

Hand aufs Herz: Hätten Sie vor der Saison gedacht, dass das Topspiel des 10. Spieltags Borussia Mönchengladbach gegen 1899 Hoffenheim heißt? An dem Spieltag, an dem auch der FC Bayern München gegen Borussia Dortmund antritt? Wohl kaum. Und anders als das anfängliche Überraschungsteam SC Paderborn, muss man diese beiden Klubs richtig ernst nehmen. Immerhin trifft der ungeschlagene Tabellenzweite auf den ungeschlagenen Tabellenvierten. Ungeschlagener sind nicht einmal die Bayern!

1899-Trainer Markus Gisdol hat das Scheunentor in seiner Hintermannschaft längst geschlossen. Sieben Gegentore in neun Spielen - Respekt! Doch noch beeindruckender ist, was "Fohlen"-Coach Lucien Favre bei der Borussia bewegt hat: vom Abstiegskandidaten zum Bayern-Verfolger - das verdient wirklich allerhöchste Anerkennung. Und gegen Hoffenheim greift der Schweizer nach einem Uralt-Rekord. Geht das Match gegen 1899 nicht in die Binsen, hätte die Borussia die ersten 17 Pflichtspiele der Saison nicht verloren. Das schaffte als Borussen-Coach zuletzt der altehrwürdige Hennes Weisweiler in der Saison 1970/71 - sprich vor über 40 Jahren. Nur zur Einordnung: Dazwischen liegen schlappe drei Weltmeistertitel für Deutschland.

Zu Feiern hat Favre am Sonntag auf jeden Fall etwas: nämlich seinen 57. Geburtstag. Ex-Trainer, Immer-noch-Witzbold und Präsidiumsmitglied Hans Meyer hat für diesen Anlass sicherlich bereits den Rotkäppchen-Sekt kalt gestellt. Und dieser ist eigentlich nur mit einem Sieg im Rücken zu genießen.

Der 1. FC Köln ist ein Marketing-Genie

Der 1. FC Köln weiß, wie es geht. Und das nicht nur in sportlicher Hinsicht. Dass noch nie ein Aufsteiger weniger Gegentore (sieben) nach neun Spieltagen hatte als der "Effzeh" - ordentlich. Dass mit sieben selbst geschossenen Toren zwölf Punkte geholt wurden und damit jeder Treffer im Schnitt 1,7 Punkte wert ist - sehr stark. Doch richtig bemerkenswert ist die Marketingstrategie der Rheinländer. Wenn man schon nicht international spielt - aber auch das wird bald so weit sein, wie jeder Köln-Fan weiß - entwirft man einfach statt eines Champions- oder Europa-League-Trikots ein Karnevalstrikot. Cleverer geht es nicht. Beim überschwänglichen Ausleben der Liebe zu allem, was mit Köln zu tun hat, wird gewiss der eine oder andere Jeck die benötigten Euro für das neue Jersey locker machen. Am besten erfindet man noch die Geschichte, dass mit den Einnahmen Lukas Podolski zurückgeholt werden soll und zack klingelt die Kasse.

Dazu macht man noch einen Werbetrailer, in dem man sich selbst gehörig auf die Schippe nimmt. Mit Narrenkappe und Papiertröte lungern in diesem die Spieler im Therapieraum herum und scheinen an einer schlimmen Krankheit zu leiden. Doch als sie die sogenannten "Fastelovend"-Trikots bekommen, verschwinden die Symptome plötzlich. Bei uns erweckt das Video ambivalente Gefühle. Irgendwie gleichermaßen Bewunderung für den Mut und Fremdscham für die schauspielerische Leistung der Profis. Doch sind wir ehrlich: Auch weil die Profis dort noch für so einen Sch**** zu haben sind, finden wir den "Effzeh" so dufte.

Roger Schmidt verrät intime Details

Das wird die weibliche Leserzunft ganz gewiss freuen - erst Recht die Frauen, die ein Auge auf den einen oder anderen HSV-Profi geworfen haben. "Die Hamburger haben eine gut bestückte Mannschaft", verriet Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt vor dem Duell mit den Hanseaten. Wir können freilich nur darüber spekulieren, woher Schmidt diese intimen Informationen hat. Die naheliegendste Vermutung: Hakan Calhanoglu hat es ausgeplaudert. Der spielte in der Vorsaison nämlich noch für die Hamburger und nahm von dort - nennen wir es mal "unglücklich" - am Saisonende Abschied. Erst den Vertrag verlängern, mit dem HSV im Ernstfall sogar in die zweite Liga gehen wollen und als diese Horrorvorstellung immer realer wurde, doch noch den Schwanz einziehen und nach Leverkusen wechseln. Calhanoglu darf sich auf einen ganz warmen Empfang in Hamburg freuen.

Die Hamburger selbst haben derweil die Möglichkeit, mit einem Sieg gegen Bayer den viel zitierten Kreis zu schließen. Der letzte Dreier vor eigenem Publikum gelang den Hanseaten nämlich gegen Leverkusen - und der liegt am Samstag 211 Tage zurück. Am 4. April dieses Jahres gewann der HSV mit 2:1. Kurz danach wurde Sami Hyypiä als Bayer-Trainer gefeuert. Doch keine Sorge: Selbiges wird Schmidt am Samstag ganz sicher nicht wiederfahren - darauf geben wir Calhanoglus Ehrenwort!

Viktor Skripnik macht auf Thomas Schaaf

Viktor Skripnik soll es bei Werder Bremen also als neuer Trainer richten. Unser professioneller Kommentar dazu: naaaaaaaja. Dass die Hanseaten mit dem Ex-U-23-Coach auf einen Mann mit Stallgeruch setzen, klingt im ersten Moment löblich. Frei übersetzt heißt das aber auch: Einen anderen konnte man sich nicht leisten.

Um nicht nur unsere, sondern die allgemeine Skepsis zu wiederlegen, würde dem Ukrainer ein Debüt-Sieg beim FSV Mainz 05 natürlich helfen. Ganz einfach wird das aber nicht - trotz des sensationellen 2:0-Erfolgs beim Chemnitzer FC im DFB-Pokal. Noch nie hatte Werder nach neun Bundesligaspielen weniger Punkte (vier). Und auch die 23 Gegentore sind Negativrekord. Ob es da hilft, dass Skripnik die eigentlich auf Ex-Trainer Thomas Schaaf patentierte Werder-Raute aus der Trickkiste holt? Zweifelhaft. Denn statt wie einst Johan Micoud und Diego soll am Samstag Zlatko Junuzovic den Spielmacher geben. Und statt Ivan Klasnic, Ailton oder Miroslav Klose stürmen Izet Hajrovic und Franco di Santo in vorderster Front. Da gruselt's den Werder-Fan einfach. Selbst noch einen Tag nach Halloween.

Die Partien des 10. Spieltags in der Übersicht

Freitag, 31.10.2014:

FC Schalke 04-FC Augsburg20.30 Uhr


Samstag, 01.11.2014:

FSV Mainz 05-Werder Bremen15.30 Uhr
Hannover 96-Eintracht Frankfurt15.30 Uhr
VfB Stuttgart-VfL Wolfsburg15.30 Uhr
Hamburger SV-Bayer Leverkusen15.30 Uhr
Bayern München-Borussia Dortmund18.30 Uhr


Sonntag, 02.11.2014:

Bor. Mönchengladbach-1899 Hoffenheim15.30 Uhr
1. FC Köln-SC Freiburg17.30 Uhr
SC Paderborn-Hertha BSC17.30 Uhr